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16. Juni 2012

Weniger mit hohem Anspruch

Basler Festival "Les Muséiques – Musik im Museum" zum Thema "Musen" erstmals im Herbst.

In der griechischen Mythologie gelten die Musen als Schutzgöttinnen der Kunst. Da passt es, dass sich in der nächsten Ausgabe des Basler Festivals "Les Muséiques – Musik im Museum" alles um Musen drehen wird, die Künstler und Komponisten inspiriert haben. "Von der Muse geküsst" hat die künstlerische Leiterin Florence Sitruk als kommendes Festivalthema ausgegeben. Den Schutz der Musen kann das Festival brauchen, denn zunächst stand noch ein Fragezeichen hinter der Zukunft von "Les Muséiques". Nach längeren Unsicherheiten steht nun fest: Es geht weiter – mit einigen Neuerungen. So wird die Neuauflage erstmals im Herbst veranstaltet – vom 26. bis 29. September.

Für die am Hochrhein aufgewachsene und in Berlin lebende Harfenistin Florence Sitruk, die 2011 das Festival übernommen hat, stand nie in Frage, dass "Les Muséiques" fortgeführt wird. "Ich war immer überzeugt von dieser Idee der Zusammenführung der Künste", erzählt die Musikerin. Die erste von ihr verantwortete Festivalausgabe im April 2011 war "ein sehr schöner Erfolg für alle". Doch sie habe lernen müssen, dass durch den künstlerischen Erfolg nicht auch der finanzielle gesichert sei. Doch man habe die Zusagen von Stadt und Region, die das Festival achten und unterstützen. "Was uns fehlt, ist ein Sponsor aus der freien Wirtschaft. Das hatten wir in der Vergangenheit", sagt Sitruk. "Ich muss knapp kalkulieren, möchte aber nicht, dass die Qualität darunter leidet". Ihr Konzept für die nächste Ausgabe: weniger Konzerte, die aber dem hohen Anspruch entsprechen.

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Sitruk hatte die Idee, "Les Muséiques" vom Frühjahr auf den Herbst zu verlegen. "Der Frühling ist eine schöne Zeit des Aufbruchs in den Sommer, aber es ist auch eine veranstaltungsreiche Zeit, in der in der Messestadt Basel sehr viel läuft." So weicht sie auf den frühen Herbst aus, die Zeit, wenn nach den Sommerfestivals langsam die Saison in den Sälen wieder anläuft. Als weitere Neuerung ist zum Auftakt ein Familienkonzert für Kinder angedacht. Das hat auch mit der persönlichen Situation der Künstlerin als Mutter von neunmonatigen Zwillingen zu tun. "Meine Zwillinge werden an diesem Tag ein Jahr alt und laden die Kinder von Basel ein". Erstmals werde es auch einen Kinderservice und Babysitter geben, um Eltern kleiner Kinder zu ermöglichen, die Konzerte zu besuchen. Die Harfenistin Marielle Nordmann wird bei diesem Konzert für Kinder auf großen und kleinen Harfen spielen, aufgeführt wird als Theaterstück ein chinesisches Märchen über eine Prinzessin, die durch die Musik die Liebe entdeckt.

Hommage an Constanze Mozart im Eröffnungskonzert

Das eigentliche Eröffnungskonzert ist eine Hommage an Constanze Mozart, die Gattin Mozarts, die vor 250 Jahren in Zell im Wiesental geboren wurde. Deshalb geht "Les Muséiques" zum Auftakt nach Zell, den Geburtsort von Constanze Mozart, der seine berühmte Tochter in diesem Jubiläumsjahr ausgiebig feiert. "Es ist an der Zeit, dass man Constanze Mozart aus dem Schatten holt und ihr den Platz einräumt, der ihr gebührt. Denn sie war nicht nur das schöne Dummchen an Mozarts Seite, sondern eine kluge und künstlerisch wertvolle Partnerin", sagt Sitruk. Mozart habe für seine Frau Constanze mehrere Sopranpartien und Werke geschrieben und sie habe ihn zu vielen seiner Kompositionen inspiriert. Solche Werke, die für Constanze Mozart komponiert oder von ihr angeregt wurden, sollen an diesem Abend erklingen – neben zeitgenössischer Musik.

Die anderen Konzerte finden in Basler Museen statt: dem Tinguely Museum, dem Antikenmuseum, der Skulpturenhalle und dem Kulturzentrum "Brasilea". Ein Abend widmet sich den politischen Seiten des Themas Muse: Da werden Werke von Komponisten, die verfolgt und deportiert und als "entartet" verfemt wurden, denen von Komponisten gegenübergestellt, deren Musik zu politischen Zwecken benutzt wurde. Dieses Programm bestreitet das Ensemble Les Muséiques aus Solisten des Festivals mit Gästen. Ein weiterer Abend beschäftigt sich mit der Frage: Gibt es die Muse auch in der zeitgenössischen Musik? Dieser Vortrag des Freiburger Musikwissenschaftlers Markus Bandur ist eine Hinleitung zum Klavierkonzert von Marianne Schröder, einer bekannten Pianistin für Neue Musik. Sie stellt eine besondere Frau in den Mittelpunkt ihres Recitals: Grete Sultan, die Muse von John Cage. Sultan war eine deutsch-amerikanische Pianistin, für die Cage viele Werke geschrieben hat. Die Interpretin Marianne Schröder hat sowohl Sultan als auch Cage noch persönlich gekannt.

Beibehalten will Sitruk die Reihe der Talentkonzerte mit hervorragenden jungen Preisträgern aus der Region, darunter einem Streichtrio und einem junger Jazzer. Diese Lunchkonzerte zur ungewöhnlichen Mittagszeit im Museum und ein Jazzkonzert mit einem ungarischen Zimbalon-Spieler gehören ebenso zum spartenübergreifenden Konzept von "Les Musíques" wie die Vorträge, mit denen Sitruk ein bisschen "den Akademiecharakter des Festivals" unterstreichen will. So spricht die russische Musikwissenschaftlerin Tatjana Frumkis zum Thema "Von der Muse geküsst" über ein Zitat in einer Partitur von Schostakowitsch. "Es geht mir darum, dem Publikum auf einfühlsame Art etwas mitzugeben", erklärt Sitruk, die an zwei Festivalabenden selbst mitspielt.

Autor: ros