"Einfach genial"

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Di, 02. Oktober 2018

Kreis Emmendingen

Der Förderpreis der Emmendinger Stiftung Brücke geht in diesem Jahr in den Senegal.

EMMENDINGEN. Persönlich ist Birgit Ndiaye nicht nach Emmendingen gekommen, um den Förderpreis der Stiftung Brücke in Empfang zu nehmen. Dennoch erfahren die rund 60 Besucher beim Festakt im Alten Rathaus aus ihrem Mund, für was die 4000 Euro Preisgeld investiert werden sollen: Per Skyp hatte sie mit Bettina Mühlen-Haas im Vorfeld Kontakt – jetzt hören die Gäste, dass ein Teil des Preisgeldes für eine Maschine ausgegeben wird, um Metall zu biegen.

Der Förderpreis, der alle zwei bis drei Jahre und bereits zum achten Mal vergeben wird, geht an eine Werkstatt im Senegal. In der bauen behinderte Menschen ihre Rollstühle so um, dass sie auf den Wegen und Straßen ihrer Heimat fahren können. "Im Senegal gibt es selten asphaltierte Wege und Straßen", sagt Sigrid Leder-Zuther, die das Projekt vorstellt. Auf den dortigen Sandpisten sei es Rollstuhlfahrern schlicht unmöglich, sich selbstständig zu bewegen – da helfen auch gespendete Rollstühle nicht viel weiter.

Die Straßenverhältnisse, so Leder-Zuther, "sind mit ursächlich dafür, dass es dort viele Unfallopfer gibt". Opfer, für die dies, bei bleibender Behinderung, nicht nur die eigentliche Schädigung bedeute, sondern vielfach auch die Ausgrenzung aus der Familie. "Behinderung wird in der Gesellschaft dort oft als Schande gesehen." Umso beeindruckender sei das Projekt, weil es nicht nur den Behinderten helfe, ihren Alltag besser zu meistern, sondern auch, weil diese selbst daran beteiligt würden. "Einfach genial", sagt Leder-Zuther. Wie die Rollstühle konkret verbessert werden können, war Aufgabe für die Erfinder der Fernsehsendung "Einfach genial", wobei es Teil der Aufgabe war, zu berücksichtigen, dass die Lösung sich mit im Senegal zur Verfügung stehenden Materialien realisieren lässt.

"Wir freuen uns, wieder ein Projekt gefunden zu haben und fördern zu dürfen, das noch nicht so bekannt ist", sagt Bettina Mühlen-Haas. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Haas hat sie 2001 die "Stiftung Brücke" gegründet, die vor allem Projekte fördern will, hinten denen kein großer Träger steht. "Wir sind nicht die Maus, die den Elefanten füttert", so Mühlen-Haas. Die Stiftung selbst lebt nicht von den Erträgen des Stiftungskapitals, sondern von einem großen Freundeskreis und vielen Spendern.

Emmendingens Ex-Oberbürgermeister Ulrich Niemann spricht in seiner Festrede über die Problematik der wachsenden Weltbevölkerung. "Vieles richtig läuft bei der Arbeit der Stiftung Brücke, weil der überwiegende Teil Frauenprojekte sind", so Niemann. "Bei den Frauen laufen die Dinge zusammen", sagt er. Angesichts der explodierenden Bevölkerungszahlen wählte Niemann für die Arbeit der Stiftung das Bild des Tropfens in einen brodelnden Vulkan, der – so sein Wunsch – irgendwann zum vollen Eimer Wasser werden soll.