Hier getrübte Siegesfreude, dort Schock und Fassungslosigkeit

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Von mzd, cch, gkv, hü, Patrik Müller & kab

Mo, 14. März 2016

Kreis Emmendingen

Nicht nur Grünen-Wahlsieger Alexander Schoch hadert mit dem Erfolg der AfD / Marcel Schwehr führt CDU-Niederlage auf zu wenig landespolitische Themen zurück.

KREIS EMMENDINGEN. Die Grünen feiern ihre Wahlparty am Sonntag in Waldkirch, der Heimatgemeinde von Alexander Schoch. Schnell macht sich Zuversicht breit, die Freude wächst mit jedem neuen Teilergebnis aus dem Landkreis. "Ich bin glücklich über ein gutes Ergebnis", erklärt Schoch. Auf die Stimmung drückt bei ihm das Ergebnis der AfD: "Rund 10 000 Stimmen im Landkreis für eine Partei ohne Lösungskonzepte". Auch, dass er selbst das Direktmandat gewinnt, wird für ihn getrübt durch Direktmandate für AfD-Kandidaten. Damit, dass er selbst in Endingen mehr Stimmen erhält als Schwehr, habe er nicht gerechnet.

Eine Herausforderung werde es jetzt, eine Koalition mit Regierungsmehrheit zu bilden. Dass die Grünen dabei im Abseits stehen könnten, wenn CDU, SPD und FDP eine Deutschlandkoalition bilden, glaubt er nicht. Schoch: "So ein Zusammenschluss wird kaum auf Verständnis bei der Bevölkerung stoßen."

Der von Schoch befürchtete Verlust für den Landkreis durch nur noch einen Vertreter in Stuttgart tritt am Ende nicht ganz ein. Schochs Fazit:"Wir Abgeordneten haben gut zusammengearbeitet, viel für den Landkreis erreicht und sind bei allen unterschiedlichen Positionen immer fair und sachlich miteinander umgegangen."

Im Endinger "Engel" herrscht von Anfang an beklommene Stimmung. Parallel zu den Live-Statements des SWR-Fernsehens werden unaufhörlich die Smartphones traktiert. Als ab 19 Uhr die Ergebnisse aus den umliegenden Gemeinden bekannt werden, versteinert sich die Miene von Marcel Schwehr zusehends. Im Minutentakt prasseln Verlustmeldungen auf die entsetzten Christdemokraten ein – zum Teil im zweistelligen Bereich. Der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß legt wortlos seinen Arm um die Schultern des Kollegen, Schwehrs Tochter umarmt ihren Vater schluchzend. Obwohl ihm die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht, stellt sich Schwehr ausdrücklich hinter die Politik der Bundeskanzlerin: "Wir haben versäumt, landespolitische Themen in den Vordergrund zu stellen." Dass davon die AfD profitiert habe, bedaure er sehr. Einige Gäste haben das Lokal bereits verlassen, sichtlich getroffen vom "politischen Desaster".

Schon bei der ersten Hochrechnung wird vielen bei der SPD-Wahlparty im "Shamrock" in Emmendingen klar, dass es mit den Grünen nicht für die Mehrheit im Landtag reicht. Die Fassungslosigkeit ist greifbar, auch bei Sabine Wölfle: "Ich hatte es mir versucht schlimm vorzustellen, aber das es so schlimm kommt, damit habe ich nicht gerechnet." Der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Johannes Fechner flüchtet sich in Sarkasmus, vor allem, als das einzige Direktmandat der SPD in Mannheim I fällt. Das Abschneiden der AfD (Fechner: "Eine Partei, die keine Lösung hat") sei "eine Katastrophe". Im Kreis Emmendingen gab es für die SPD mit 13,4 Prozent nichts zu holen, aber wenigstens liege man vor der AfD. "Ein Kretschmann-Ergebnis", resümiert Fechner. Die Wähler seien nach den Spitzenkandidaten gegangen.

Die Wahlparty von Norman Schuster, Kandidat der FDP, steigt im "Engel" in Kenzingen. Kurz vor 18 Uhr gibt es noch Sitzplätze, Wähler aller Altersstufen sind gekommen. Die erste Hochrechnung löst spontanen Beifall aus: acht Prozent für die FDP. "Die erste Hürde haben wir genommen." Schuster sagt es erleichtert. Ob es mit der zweiten Hürde klappt, seinem persönlichen Abschneiden, darauf muss gewartet werden. Eine gute Stunde später ist es im "Engel" voll geworden, die FDP liegt irgendwo zwischen 8,2 und 8,5 Prozent. Die Torte mit Wunderkerzen für Norman Schuster muss noch warten. Aber angeschnitten werde sie auf jeden Fall, "bei dem guten Ergebnis" und Zahlen, die es seit Jahren im Land so nicht mehr gab, wie Schuster betont.

Die Linke feiert im Emmendinger Schlosskeller. Was immer Feiern heißt. "Ein paar Leute sind schon wieder gegangen", sagt Kandidat Alexander Kauz um 20.30 Uhr am Telefon. Er überlegt. "Das Ergebnis auf Landesebene ist ein schwieriges – gerade was den Erfolg der Rechten angeht. Wir Linke haben leider nicht erreicht, was wir uns erhofft hatten. Wir konnten uns im Landkreis ein Stück weit verbessern – aufgrund der hohen Wahlbeteiligung wirkt sich das aber nicht so aus."

Die AfD wollte geheim halten, wo sie feiert. Aus Angst vor Störern und aus Angst davor, dass ein Wirt einen Rückzieher macht. Die BZ wollte vorbeischauen und bekam am Mittwoch die Zusage, bei Anruf am Wahlabend informiert zu werden – dann macht Oliver Pendzialek einen Rückzieher. "Wir werden feiern", sagt er. Ein Statement will er nicht abgeben: "Wir möchten damit ein Zeichen setzen". Er sei im Vorfeld der Wahl mit der Berichterstattung der BZ unzufrieden gewesen.