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12. September 2017

Klimawandel und Energieeffizienz

Ernst Ulrich von Weizsäcker beklagt die Ignoranz und beschreibt die Chancen, auf die Folgen der Erderwärmung zu reagieren.

  1. Themenabend zur Klimapolitik in der Endinger Kornhalle mit Ernst-Ulrich von Weizsäcker Foto: Marius Alexander

ENDINGEN. Am Nachmittag ging es beim Tag des offenen Denkmals um die Entstehungsgeschichte und spätere existentielle Bedrohung der Kornhalle am Marktplatz. Am Abend diente der historische Raum unter den massiven Holzbalken ebenfalls als Ort tiefgreifender Fragestellungen: Auf Einladung des SPD-Bundestagskandidaten Johannes Fechner sprach Ernst Ulrich von Weizsäcker über den Klimawandel.

Gut 25 Gäste − die meisten von ihnen jenseits der 50 und Frauen in leichter Überzahl − waren gekommen, um einen faszinierend eloquenten 78 Jahre alten Biologen und Physiker zu erleben, der längst als einer der ganz großen naturwissenschaftlichen Denker und Vorreiter gilt. Dabei hat er es seiner Partei, der SPD, nicht immer leicht gemacht. Heute, im Rückblick, zählt er neben Hermann Scheer zu den wichtigsten Motoren für das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000.

Ausgangsbasis war der immer bedrohlicher gewordene Klimawandel. Und heute? Heute, sagt von Weizsäcker, gebe es doch tatsächlich Leute wie Donald Trump, die noch immer eindeutige Fakten ignorierten. Das sei "einfach unglaublich". Dabei sei bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts klar, dass die Erde sich erwärme. Worauf von Weizsäcker seine Zuhörer an einer überaus fachkundigen Erklärung der Entwicklungsgeschichte der Erde teilhaben lässt, die auf jegliche professorale Überflüge verzichtet. Als eine der Folgen der Erderwärmung nennt von Weizsäcker die (auch aktuell in Amerika zu verfolgenden) Extremwetterlagen und den Anstieg der Meeresspiegel. Allein Letzteres könne weltweit eine mögliche Ursache für die Flucht von anderthalb Milliarden Menschen werden.

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"Haben wir überhaupt eine realistische Chance, etwas zu machen?", fragt von Weizsäcker angesichts dieser mehr als düsteren Aussichten. Und antwortet mit dem Titel des neuesten Berichts des Club of Rome, an dem von Weizsäcker als Ko-Präsident mitgearbeitet hat: "Wir sind dran" erscheint in wenigen Tagen auch auf Deutsch. Darin, so von Weizsäcker, würden auch die unterschiedlichen Chancen beschrieben. Eine davon: mehr Energieeffizienz.

Fazit: "Wir müssen jetzt handeln."

Nach gut einer Stunde Vortrag, in dessen Verlauf man das Fallen einer Nadel hätte vernehmen können, sagt von Weizsäcker "Ich glaube, ich höre jetzt einfach mal auf" und bittet um Fragen. Im Anschluss daran geht es um die Effizienz solarer Stromerzeugung, um beharrliche Fehlinterpretationen ökonomischer Vordenker und vielverbreitete Missverständnisse über Ansätze von Adam Smith oder Charles Darwin. Dies, sagt von Weizsäcker, münde in die Forderung nach einer neuen Aufklärung. Und: "Wir müssen jetzt handeln."

Die abschließende Frage des Abends kreist um die Zukunft des Verbrennungsmotors. Dazu stellt von Weizsäcker fest, dass nicht nur der E-Motor klimaneutral sei. Ein Verbot des Verbrennungsmotors zu verhängen, hält der Wissenschaftler mit Blick auf entsprechende Forderungen aus den Reihen der Grünen für "physikalischen Quatsch". Kleinlaster beispielsweise zu verbieten, "macht den Mittelstand kaputt". Es gebe aber Alternativen.

Autor: Marius Alexander