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06. Mai 2011

Mit einer ganz eigenen Anbaumethode zu Spitzentropfen

Das Malterdinger Weingut Burkhart öffnet am Wochenende im Rahmen der Natur-Erlebnis-Woche der Umweltakademie des Landes seinen Keller.

  1. Mario Burkhart mit einem Rarus Noir vor alten Weinstöcken in seinen Reben in Malterdingen Foto: dieter erggelet

MALTERDINGEN (derg). "Man belohnt seinen Lehrer schlecht, wenn man immer sein Schüler bleibt." Diese Erkenntnis wird Friedrich Nietzsche zugeschrieben. Er gilt jedenfalls für Winzermeister Mario Burkhart, der seinen letzten Schliff beim Malterdinger Winzermeister Bernhard Huber holte, der seit Jahren zu den Deutschen Spitzenwinzern gehört. Zehn Jahre lang, von 1993 bis 2003 war Burkhart "Chef de Cultur" bei Huber. Zuvor erlernte der gebürtige Jechtinger beim staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg das Winzerhandwerk. Die Kultur des Weinanbaus aus Burgund, wie ihn sein einstiger Chef praktiziert, hat ihn immer fasziniert. "Trotzdem unterscheiden sich unsere Weine voneinander", ergänzt Burkhart, der sich inzwischen − ebenfalls in Malterdingen − selbständig gemacht hat.

"Burgunder soll der landläufigen Geschmacksvorstellung nach von einem weichen und schmelzigen Aroma geprägt sein. Meine ausgebauten Burgunderweine wirken eher fruchtig mit einer frischen Säurestruktur."

Bei einem Rundgang durch Burkharts Reben in Malterdingen erkennt selbst der interessierte Laie, dass die Weinstöcke anders geschnitten wurden. Üblicherweise werden sie auf ein bis drei Triebe ("Strecker") zurückgeschnitten. Bei Mario Burkhard wirken die knorrigen Weinstöcke fast noch ohne jeglichen Austrieb. "Richtig", erläutert er. "An den teilweise zwischen 20 und 40 Jahren alten Weinstöcken wird die Schnittart ,Cordon de Royat’ praktiziert." Pro Hektar bedeute das 40 bis 50 Arbeitsstunden mehr. Auch bei der Düngung setzt Mario Burkhart auf natürliche Bodenverbesserung und nicht auf Mineraldünger. Diese Art der Düngung wirke sich langfristig auf das feine Wurzelwerk der Reben aus, so dass noch mehr Aromen im Wein zu finden sind. Als Bio-Winzer möchte sich Burkart jedoch nicht bezeichnen. "Ich schwöre auf ein Bodenverbesserungs- und Pflanzenstärkungsmittel, das mein Vater als Landwirt schon vor über 20 Jahren ausgetüftelt hat." Der Vorteil liege darin, dass im Gegensatz zur mineralischen Düngung keine Gefahr bestehe, dass der Boden teilweise versalzt.

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Die Kalt-Gärung ist inzwischen bei Spitzenwinzern keine Seltenheit. "Ursprünglich habe ich mit einer alten Milchkühlanlage von meinem Patenonkel die Kaltgärung meiner Trauben gesteuert", erzählt Burkhart schmunzelnd. Inzwischen blitzen neue Stahltanks in seinem Weinkeller.

Burkharts Geduld und Ausdauer zahlten sich aus. Kürzlich wurde sein Weißburgunder "Rarus Blanc 2009" im Vergleich von Weiß- und Grauburgunder aus Deutschland, Österreich und Südtirol von dem Weinmagazin "wein. Pur" (mit einer Auflage von 40 000 Exemplaren) als eine der Spitzen-Sorten ausgezeichnet. Mit auf dem Siegertreppchen landeten Weine des Weinguts Schneider aus Endingen und des Staatsweinguts Blankenhornsberg aus Ihringen.

Die etwas ungewöhnlichen Anbaumethoden des Malterdinger Winzermeisters sind auch Fernsehmenschen nicht verborgen geblieben. Spitzensommelier Henrik Thoma entdeckte die ungewöhnlichen Tropfen und präsentierte sie in einer Sendung bei Johannes B. Kerner. Und nach der Devise, wonach der Prophet im eigenen Land nichts gelte, fand Burkhart seine wichtigsten Abnehmer außerhalb des nördlichen Breisgaus. Sterne-Lokale in München, auf Sylt, in Hamburg und dem badischen Sulzburg gehören zu seinen Kunden. Marketingchefin und Weinrepräsentantin ist dabei keine badische Weinhoheit, sondern Burkharts Ehefrau Pavinee. In Malterdingen lernte er das Glück seines Lebens kennen. Die ehemalige Fernsehmoderatorin und Nachrichtensprecherin eines staatlichen thailändischen Senders versteht es auf ihre Weise durchaus, Weinfreunden diese badischen Gewächse ans Herz zu legen.

Info: Im Rahmen der Natur-Erlebnis-Woche der Umweltakademie des Landes Baden-Württemberg, die das Ziel hat der Wissenserosion in der Landwirtschaft entgegenzuwirken, bietet das Weingut Burkhart (Talmweg 1) am Samstag, 7. Mai, von 15 Uhr an und am Sonntag, 8. Mai, von 12 Uhr an Erläuterungen und Kellereiführungen.

Autor: derg