Preis für Zarok und "Kumm ri"

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Sa, 29. Oktober 2016

Kreis Emmendingen

Sozialer Hilfsfonds im Landkreis hat den "Zeitstifterpreis" verliehen / Ganz konkrete Hilfe in Syrien und in Herbolzheim.

EMMENDINGEN. Zum ersten Mal wurde am Mittwoch in der Steinhalle der "Zeitstifterpreis" des Sozialen Hilfsfonds verliehen. Als Preisträger wurden die Initiative "Kumm ri" aus Herbolzheim und der Verein Zarok aus Teningen ausgewählt. Die beiden Preisträger erhielten den jeweils mit 1000 Euro dotierten Preis.

Zum 15-jährigen Bestehen des Sozialen Hilfsfonds habe man sich 2015 entschieden, den Zeitstifterpreis ins Leben zu rufen, sagte Michael Kreis, der Vorsitzende des Vereins, in seiner Begrüßung der Gäste. "Soziale Treffsicherheit zu gewährleisten" und "schnelle Hilfe dort zu gewähren, wo das soziale Netz nicht greift", seien immer Ziele des Hilfsfonds gewesen. Mit dem Zeitstifterpreis möchte man nun "Nachhaltigkeit stärken und herausragende, innovative Projekte im Bereich des Ehrenamts fördern". Gut 1700 Vereine im Landkreis seien angeschrieben worden, 14 Bewerbungen gingen ein. Die Auswahl fiel der sechsköpfigen Jury um Hermann Weiß und Berthold Dietz (Freiburg) nicht leicht. Am Ende ermittelte sie zwei punktgleiche Anwärter und so beschloss der Vorstand, das Preisgeld von 1500 Euro auf 2000 Euro aufzustocken und zwei Preisträger zu küren.

Der Verein Zarok wurde 2014 von der kurdischstämmigen Dolmetscherin Zeynep Akay in Teningen gegründet. Die Freiämter Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench, die die Laudatio übernommen hatte, hob die Bedeutung des Ehrenamts hervor. Jeder kenne die Bilder aus dem Fernsehen, "die einem den Appetit verderben, die Bilder von Kindern, Frauen und alten Menschen, die Opfer der Zerstörung werden, die alles zurücklassen müssen". Angesichts solcher Bilder hätten sich die Menschen im Verein Zarok entschieden, zu handeln. "Mit dem Ziel angetreten, Hilfe ganz konkret vor Ort zu leisten, ist es diesem Netzwerk mit viel Herzenswärme in kurzer Zeit gelungen, viele Mitstreiter zu gewinnen", würdigte Reinbold-Mench die Initiative. Der inzwischen 34 Mitglieder umfassende Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, direkt vor Ort zu helfen. So wurden beispielsweise bereits 2014 und 2015 in zwei Hilfsaktionen gesammelte Winterbekleidung und Säuglingsnahrung mit sechs 40-Tonnern in Flüchtlingslager im Sindjargebirge gebracht. Vertreter des Vereins begleiten die Transporte bis zur Übergabe. Für Dezember ist ein Transport mit medizinischen Geräten geplant, berichtete Marianne Birrer. "Inzwischen haben wir einen ganzen Keller mit Geräten gesammelt, die völlig funktionstüchtig sind, aber hier ausgemustert wurden. Das Problem ist immer nur der Transport." Inzwischen konnten die Vereinsmitglieder in Schulen, Kindergärten, Vereinen und Unternehmen ein ganzes Netzwerk von Unterstützern aufbauen. So erhielten beispielsweise 720 Kinder in einem Lager dringend benötigte Schulsachen, "damit hier keine verlorene Generation heranwächst", erklärte Sigrid Leder-Zuther, die für Zeynep Akay den Preis entgegennahm: "Sie sehen uns fast sprachlos, herzlichen Dank für die Anerkennung".

Ines Heiny hielt die Laudatio für die Initiative "Kumm ri". Im privaten Umfeld von Matthias Sommer hatte sich eine Gruppe zusammengefunden, die Geld sammelte, um im Zentrum von Herbolzheim ein Ladengeschäft anzumieten, um dort ein Begegnungscafé für Flüchtlinge und Bürger einzurichten. Mit den Worten "wer selbst finanziert, hat auch die Freiheit, was er macht", umschrieb Heiny das "sehr lebendige Konzept". Der Laden diene nicht nur als Begegnungsstätte, sondern auch als Beratungs- oder Klassenzimmer. "Ob Deutschunterricht oder Hilfe bei der Arbeits- oder Wohnungssuche, die Bedürfnisse der Menschen sind ganz unterschiedlich", sagte Sommer. Daran orientierten sich die Angebote. Inzwischen habe sich eine lebendige Gemeinschaft von um die 100 Menschen jeder Hautfarbe und Herkunft gebildet. Bewusst habe man den Aufwand einer Vereinsgründung vermeiden wollen, in 48 Grad Süd aber einen verlässlichen Partner gefunden. Zum Preis sagte Sommer: "Wir haben ihn nicht verdient, denn wir machen etwas Selbstverständliches."

Dietz: Der Club der wahrhaft Reichen und Glücklichen

Gedankenreich hatte Jury-Mitglied Berthold Dietz in seiner Festrede Antworten auf die Fragen "Was macht glücklich?" und "Wie soll eine angemessene Anerkennungskultur für das Ehrenamt aussehen?" entwickelt. Am Ende "sind Sie hier, die allesamt das Kostbarste stiften, nämlich Zeit, der Club der wahrhaft Reichen und Glücklichen". Trotzdem brauche Engagement öffentliche Anerkennung, "weil Sie alle Vorbilder sind und wir Sie als Vorbilder brauchen".

Umrahmt wurde die Preisverleihung vom Popchor Soulvation unter Leitung von Angela Mink. Für die Verköstigung sorgten die Mitglieder des Heimatvereins Kollmarsreute. Der Zeitstifterpreis soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden.

Info: Zur Arbeit von Zarok im Internet unter http://www.zarok.de Das "Kumm ri" befindet sich in der Hauptstraße 87 in Herbolzheim, Tel.  07643-9359-917. Infos zur Arbeit des Hilfsfonds ebenfalls im Internet unter http://www.sozialer-hilfsfonds.de