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11. Januar 2013

Rapmusik und Reden

Das Landratsamt lädt zum 50. Geburtstag des Élysée-Vertrages.

  1. 50 Jahre Elysee-Vertrag: Feier im Landratsamt Foto: Patrik Müller

  2. 50 Jahre Elysee-Vertrag: Feier im Landratsamt Foto: Patrik Müller

  3. Rap-Duo Zweierpasch Foto: Patrik Müller

KREIS EMMENDINGEN. Zweisprachiger Hiphop, deutsch-französisches Grenzkabarett und eine geflötete Europahymne: Die Organisatoren hatten versucht, den Festakt zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrages im Landratsamt nicht ganz so förmlich zu gestalten und auf zu viele Grußworte verzichtet. Am Rednerpult standen nur ein Deutscher und nur ein Franzose – Landrat Hanno Hurth und Marcel Bauer, Bürgermeister von Waldkirchs Partnerstadt Sélestat.

Laute Hiphop-Beats stampfen durch den Raum, deutsch-französische Reime perlen von der Bühne. "Typisch typisch – typique, typique" rappen Felix und Till Neumann. Die beiden Mitglieder des Rapduos Zweierpasch zählen in flotten Reimen Vorurteile auf – am Ende klatschen sogar Männer in Anzügen und Frauen in dunklen Kostümen mit.

Bürgermeister, Gemeinderäte, Mitglieder von Partnerschaftsvereinen aus Deutschland und Frankreich – so setzte sich die Gästeliste des Festaktes zusammen. "Aus dem Elsass sind viele Bürgermeister gekommen. Zum Teil sind Bürgermeister für den Abend über 800 Kilometer aus Südfrankreich gefahren!", sagt Silke Tebel-Haas von der Europastelle im Landratsamt – sie hat die Feier organisiert.

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Entfernungen seien keine Hindernisse, wie Emmendingens Landrat Hanno Hurth am Rednerpult sagte. Er verwies auf kommunale Partnerschaften ans Mittelmeer, an die Westküste Frankreichs oder in die Provence – aber auch auf das alljährliche Sprachenfest für Grundschüler in Sélestat oder Waldkirch, eine deutsch-französische Wandergruppe aus Teningen und La Ravoire oder gemeinsame Konzerte der Stadtmusik Herbolzheim mit dem Orchester aus Sisteron. "Entscheidend", sagte er, "sind lebendige und intensive Kontakte zwischen Menschen."

Die Ansprache von "Landrat ’anno ’ürth" – so ein französischer Besucher – war nur ein kleiner Teil des offiziellen Programmes. Das galt auch für die Rede von Sélestats Bürgermeister Marcel Bauer, zugleich Mitglied im Elsässer Departementsrat (Conseil General). Der Fokus lag auf der Kultur. Auf Auftritten der Rapgruppe Zweierpasch mit Schülern der Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schule in Emmendingen (GHSE) und des Lycée Charles de Gaulle in Mulhouse. Auf dem deutsch-französischen Grenzkabarett des Elässers Martin Graff und Klaus Spürkel, auf einem Auftritt eines Bläserquartetts der Musikschule Nördlicher Breisgau – einmal Mozart, einmal Europahymne.

Und auf einem Film der jungen Filmemacher Marcel Happach und Bryan Borrero Kaiser. In ihrem Beitrag mit dem Titel "Deutschland. Frankreich. Freunde" gingen die beiden Rheinhausener in der Partnerstadt Wittisheim auf die Suche nach Vorurteilen und erfuhren so auch etwas über sich selbst.

Am Tag nach dem Festakt zieht Organisatorin Tebel-Haas ein positives Fazit. Wegen des großen Interesses aus Frankreich, wegen der Begegnungen und Gespräche, wegen des Engagements der GHSE-Schüler und der jungen Filmemacher. Kommunale Partner- und Freundschaften, sagt sie, sicherten einen kontinuierlichen Austausch und brächten den Alltag im anderen Land näher. "All das kann man bei einem touristischen Besuch oder einer Pauschalreise nicht erleben."

Autor: Patrik Müller