Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Mai 2009

Arbeit und Einkommen voneinander trennen

Die Initiative Grundeinkommen fordert, dass jeder Erwachsene mindestens 1500 Euro zur Verfügung gestellt bekommt.

LÖRRACH. 1500 Euro bedingungsloses Grundeinkommen für jeden – das klingt wie die verträumte Utopie einiger weltfremder Gutmenschen. Doch spätestens seit Götz Werner, erfolgreicher Unternehmer und Gründer der Drogeriemarktkette "dm", ein Buch geschrieben hat, in dem er diesen Vorschlag verficht, ist die Idee salonfähig geworden. Auch in Lörrach hat sich mittlerweile eine Gruppe gebildet, die sich für das Grundeinkommen einsetzt, und die Idee sei keineswegs unrealistisch, sagen die Mitglieder.

"Es geht um einen neuen Gesellschaftsvertrag", sagen Anke Dietrich, Lili Klein, Matthias Lindemer und Uschi Bauer von der Initiative Grundeinkommen. "Mit einem Sockelbetrag von 1500 Euro pro Erwachsenem kann sich jeder seinen Lebensentwurf frei gestalten und durch Arbeit sein Einkommen aufstocken", sagen sie. Weil dem Menschen die Arbeit in Folge des Einsatzes moderner Technik und Automation ausgeht, verlangen sie, Arbeit und Einkommen voneinander abzukoppeln. Vollbeschäftigung sei schon längst nur noch eine Utopie. Andererseits gibt es im zwischenmenschlichen, sozialen und kulturellen Bereich jede Menge Arbeit, doch zu wenig Geld und daher auch zu wenig Leute, die diese Arbeit verrichten. Das Grundeinkommen würde den Menschen ermöglichen, in diesen Bereichen, oder auch dort, wo sie heute ehrenamtlich tätig sind, sich stärker zu engagieren. "Viele Menschen würden sich gerne in Bereichen einbringen, die ihnen sinnvoll erschienen, doch der Zwang zum Geldverdienen lässt ihnen keine Zeit dazu", sagt Uschi Bauer.

Werbung


Dass das Grundeinkommen dazu führen würde, dass die Menschen gar nichts mehr arbeiten, glauben die Mitglieder der Initiative nicht, und die 72-Stunden-Aktion habe deutlich gezeigt, dass die Menschen arbeiten möchten.Knackpunkt ist die Frage: Woher soll das Geld fürs Grundeinkommen kommen? "Das Geld ist da", sagt Matthias Lindemer. 30 verschiedene Ämter vergeben heute 90 unterschiedliche Sozialleistungen. Diese würden alle im Grundeinkommen aufgehen, ein riesiger und teurer Bürokratieapparat würde entfallen. Dasselbe gilt für die Finanzverwaltung.

Nach den Vorstellungen der Initiative soll es nur noch eine einzige Steuerart geben, nämlich eine Konsumsteuer. "Heute wird arbeiten mit Steuern bestraft. Wir sagen: Wer konsumiert soll Steuern zahlen und damit seine Wertschätzung für die Leistung eines anderen ausdrücken", erklärt Anke Dietrich. Auf diese Weise würden auch für die Unternehmen die Lohnkosten sehr viel billiger. Unbeliebte Jobs müssten durch Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen attraktiver gemacht werden. Seit wenigen Monaten gibt es eine Gruppe, die sich für diese Ideen einsetzt und am 1. Mai mit einer Aktion auf dem Lörracher Marktplatz auf sich aufmerksam machte. Etwa zehn Personen aus der Region gehören der Gruppe bisher an, weitere sind willkommen. Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Freitag im Monat ab 19 Uhr in der Kulturwerkstatt im Riesgäßchen in Lörrach.

Autor: Thomas Loisl Mink