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12. September 2017

Basel will Radfahrern den Weg ebnen

Stadtkanton möchte mit Verbesserungen in der Infrastruktur mehr Autofahrer zum Umsteigen aufs Velo motivieren.

  1. Rechtsabbiegen trotz Rotlicht erlaubt: Eine gelb blinkende Fahrradampel zeigt dem Velofahrer, dass er rechts abbiegen darf. Foto: Britta Wieschenkämper

  2. Samuel Diethelm Foto: Britta Wieschenkämper

  3. Martin Dolleschel Foto: Britta Wieschenkämper

LÖRRACH. Basel hat sich zum Ziel gesetzt, fahrradfreundlicher zu werden. Eine verbesserte Infrastruktur und Aktionen, mit denen fürs Radfahren geworben wird, sollen Autofahrer dazu bewegen, aufs umweltfreundliche Fahrrad umzusteigen.

Die IG Velo Lörrach hat Martin Dolleschel und Samuel Diethelm vom Amt für Mobilität des Kantons Basel Stadt eingeladen, über die Radverkehrsförderung am Rheinknie zu berichten. Die "velofreundlichste Stadt der Schweiz", wie der Titel der Vortragsveranstaltung suggerierte, ist Basel nach Schilderung der beiden Radverkehrsförderer wohl nicht. "Aber es ist unser Ziel, an dem wir uns orientieren", so Dolleschel.

Laut der Kantonsverfassung genießt der öffentliche Verkehr Vorrang vor anderen Verkehrsmitteln. Im Umweltgesetz ist festgeschrieben, dass bis 2020 der private Motorverkehr um zehn Prozent reduziert werden soll. Nach einer Erhebung von 2010 werden nur 18 Prozent der Wege mit dem Auto gefahren. 80 Prozent der Mobilität erfolgen zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad (16 Prozent).

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Ein Netz aus Basis- und Pendlerrouten

Um noch mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen, setzt Basel auf eine Verbesserung der Infrastruktur. Ein Netz aus Basis- und Pendlerrouten führt Radler zu jedem Ziel innerhalb der Stadt. Dabei sind die so genannten Basisrouten abseits des Verkehrs. Sie verbinden Alltags- und Freizeitziele, wie Diethelm erläuterte. Die Pendlerrouten sind als direkte Verbindungen konzipiert, die den Alltagsradler schnell ans Ziel bringen. Sie verlaufen auch an stärker befahrenen Straßen.

Insgesamt zielt ein Bündel von Infrastruktur-Verbesserungen auf Fahrradfreundlichkeit und Radlersicherheit ab. Netzlücken wurden geschlossen, Aufstellflächen vor Ampeln eingerichtet, Radstreifen markiert, Ampeln radlerfreundlich geschaltet. An etlichen Kreuzungen dürfen Radler rechts abbiegen, auch wenn die Autos rot haben. Eine gelb blinkende Fahrradampel zeigt dem Velofahrer an, dass er abbiegen darf. In einem Pilotversuch dürfen die Radfahrer eine Kreuzung passieren, während die Autos rot haben. Alle Fußgängerampeln der Kreuzung sind in dieser Phase auf Grün geschaltet. Fahrradabstellplätze mit Metallbügeln und Bike & Ride-Stationen sind weitere Maßnahmen. Nach einer Verordnung muss zudem bei Neubauten je Zimmer ein Abstellplatz für Velos eingeplant werden.

Die Infrastrukturmaßnahmen werden von Marketing- und Serviceaktionen flankiert. Für diese ist Martin Dolleschel zuständig. Neben Info- und Werbeaktionen in den sozialen Netzwerken und im eigenen Blog (http://www.basel-unterwegs.ch wirbt der Kanton mit Wettbewerben und der Mobilitätswoche fürs Radfahren. In einer E-Bike-Test-Woche, an der 40 Unternehmen sich beteiligt haben, konnten deren Mitarbeiter E-Bikes für den Arbeitsweg ausprobieren. In einer anderen Aktion stellte der Kanton Lastenfahrräder bereit, in denen Kinder befördert werden können. 400 Familien hatten die Gelegenheit diese zu testen. Aus einem Fond erhielten 100 Familien einen Zuschuss von 1000 Franken, wenn sie sich so ein Lastenrad anschafften.

Dass insbesondere die fahrradfreundlichen Infrastrukturmaßnahmen bei den Autofahrern auf Widerstand stoßen, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Wenn Parkplätze wegfallen oder Autofahrer mehr Stau befürchten, weil dem Radverkehr mehr Raum eingeräumt wird, gebe es oft laute Proteste. "Da muss man hartnäckig und mutig sein", so Dolleschel. Und welche Stadt ist jetzt die fahrradfreundlichste in der Schweiz? Da laufe Winterthur Basel den Rang ab, so die Verkehrsexperten. Und wenn man auch kleine Städte in den Vergleich mit einbezöge, käme Basel zurzeit vielleicht noch auf Platz 14.

Autor: Britta Wieschenkämper