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27. April 2013

"Ich sehe weitere Entwicklungspotenziale"

BZ-INTERVIEW: Theodor Sproll, der neue Rektor der Dualen Hochschule am Standort Lörrach, zu seinem Konzept.

  1. Theodor Sproll Foto: zvg

LÖRRACH. Die Duale Hochschule in Lörrach ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen. Welchen Kurs schlägt der neue Rektor Professor Theodor Sproll ein? Michael Baas hat nachgefragt.

BZ: Herr Sproll, Wie weiter? Wollen Sie den Wachstumskurs fortsetzen?

Sproll: Die Duale Hochschule ist eine Marke geworden, kann sich selbstbewusst mit anderen Hochschulen vergleichen. Wir in Lörrach sind Teil der Dualen Hochschule Baden-Württemberg mit insgesamt 32 000 Studenten. Ich sehe darüber weitere Entwicklungspotenziale für uns, auch am Standort in Lörrach, weil wir zum Wachstum vieler Unternehmen beitragen und unsere Studienangebote sehr attraktiv sind. Insofern wollen wir beides verbinden: Wachstum stabilisieren und nachhaltig weiterwachsen.
BZ: Die Schülerzahlen sinken, das wird auch die Hochschulen erreichen. Ist es realistisch, noch Wachstum anzupeilen?

Sproll: Deshalb ist es unsere Strategie, eine gute Balance zu finden zwischen nachhaltigem Wachstum und Qualität. Ich bin überzeugt, dass unser Studienmodell sehr wettbewerbsfähig ist. Nimmt man den Marktanteil als Maßstab hat die Duale Hochschule in den vergangenen Jahren Studierende gewonnen, die früher an Fachhochschulen oder Universitäten gegangen sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Wir werden auf jeden Fall nicht alles anders machen, und auch dass ich als bisheriger Konrektor nun ins Rektorat wechsele, signalisiert Kontinuität.

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BZ: Das heißt, Kontinuität wird eine Leitlinie Ihres Rektorats sein?

Sproll: Ich habe seit April 2010 als Konrektor sehr gut und konstruktiv mit Bernd Martin zusammengearbeitet, insofern liegt es auf der Hand, dass ich nicht alles anders machen werde.

BZ: Was wollen Sie konkret machen?

Sproll: In den etablierten Studiengängen in den Fakultäten Technik und Wirtschaft wollen wir unsere Stärke behalten, die neuen Studiengänge, die wir in den letzten drei, vier Jahren aufgebaut haben, wollen wir ausbauen und wir sehen noch Wachstumsfelder.
BZ: Wo?

Sproll: Insbesondere im Bereich der Gesundheitswissenschaften. Wir haben 2007 einen Bachelor-Studiengang Gesundheitsmanagement begonnen und fahren diesen inzwischen mit zwei vollen Kursen. Zudem sehen wir weitere Möglichkeiten im Bereich der Medizin und der Pflege, gerade für diesen Bereich ist das duale Modell, das Verzahnen von Theorie und Praxis, als Studienmodell prädestiniert.
BZ: Welche Rolle werden die klassischen Studiengänge in den technischen und betriebswirtschaftliche Fächern spielen?

Sproll: Man steht im Leben am Besten auf mehreren Füßen. Einer dieser Füße ist klassischerweise der Wirtschaftsbereich, ein Zweiter die technischen Studiengänge, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik. Daran wird sich nichts ändern. Aber wir versuchen, einen dritten Pfeiler aufzubauen: Unsere Strategie ist kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch. Das macht uns auch widerstandfähiger gegen konjunkturelle Schwankungen, die wir auch schon erlebt haben.
BZ: Welche Rolle spielen die trinationalen Studiengänge in Ihrem Konzept?

Sproll: Sie bleiben ein zentraler Teil unseres Profil. Wir haben damit ein Alleinstellungsmerkmal. Wir wollen das Trinationale weiter ausbauen, parallel werden wir aber auch das internationale, englischsprachige Angebot stärken. So bieten wir als erster Standort der DHBW einen rein englischsprachigen Studiengang International Businessmanagement.
BZ: Das heißt, Sie setzen künftig eher aufs Internationale als das Trinationale?

Sproll: Auch hier gibt es kein Entweder Oder; vielmehr wird die weitere Internationalisierung ein zusätzlicher Baustein unserer Positionierung Richtung mehr Internationalität werden.
BZ: Die Hochschule ruht bislang auf einem regionalen Fundament. Die Partnerunternehmen kommen zu gut 60 Prozent aus Südbaden. Gibt’s da mit der weiteren Internationalisierung Verschiebungen?

Sproll: Regionalität ist einer der großen Stärken unserer Hochschule. Daran werden wir nichts ändern – zumal der Mittelstand nach wie vor das Rückgrat der Wirtschaft hierzulande ist.
BZ: Nach allem, was Sie bisher gesagt haben, folgere ich, dass Ihr Schwerpunkt die Weiterentwicklung des Profils ist, dass weitere Neubauten dagegen nicht mehr so im Fokus stehen?

Sproll: Das hängt davon ab, wie sich der Standort entwickelt. Es ist nie etwa in Stein gemeißelt. Wenn wir eine nachhaltig steigende Nachfrage registrieren, werden wir natürlich auch versuchen, zusätzliche Kapazitäten bereitstellen. Aber wir fordern auch keine Bauten, wenn wir nicht überzeugt sind, diese zu brauchen. Wir halten uns alle Optionen offen.
BZ: Halten Sie das Wachstum der letzten Jahre, müsste Lörrach in 15 Jahren 4000 Studierende haben. Ist das die Messlatte?

Sproll: Das halte ich für nicht realistisch. Aber wir haben das Potenzial weiter zu wachsen und 2500 Studierende im Lauf der nächsten Jahre sind erreichbar.

ZUR PERSON: THEODOR SPROLL

Der 56-Jährige kam 2007 an die Duale Hochschule, baute den Studiengang Gesundheitsmanagement auf und wurde im April 2010 Konrektor. Er wurde in Konstanz geboren, studierte und promovierte an der dortigen Uni sowie der Harvard Business Scholl in Boston. Bevor er an die Duale Hochschule kam, war er in leitenden Funktionen bei Roche und Novartis tätig.  

Autor: alb

Autor: alb