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24. August 2010

Dächer mit Photovoltaikanlagen bergen auch Gefahren

Solartechnik sorgt zwar für umweltfreundlichen Strom, erschwert im Falle eines Brandes der Feuerwehr aber die Arbeit.

  1. Wenn ein Gebäude mit Solaranlage auf dem Dach brennt, besteht für die Feuerwehr erhebliche Gefahr. Schulungen und regelmäßige Vorbereitungen spielen daher eine wichtige Rolle. Foto: BZ

WALDSHUT-TIENGEN (mab). Eigentlich sind Photovoltaikanlagen eine saubere Sache. Mit ihnen lässt sich umweltfreundlich Strom produzieren, bei dessen Einspeisung ins Stromnetz auch der Geldbeutel des Besitzers profitiert. Aber wenn das Haus brennt, kann ein Dach, auf dem eine solche Anlage montiert ist, für die Feuerwehr schnell zur Gefahr werden.

Konkret gibt es laut Kreisbrandmeister Thomas Santl im Ernstfall drei Probleme:

Die Anlagen können nicht abgeschaltet werden und sind zugleich hoch empfindlich. "Selbst wenn wir bei einem nächtlichen Einsatz Scheinwerfer einsetzen, wird Strom produziert", erklärt Santl. Wenn ein Kabel defekt ist und die Feuerwehrleute aus zu geringem Abstand mit Wasser löschen, drohen Stromschläge, die sogar tödlich enden können. Versuche die Anlagen etwa mit einem Schaumteppich lahmzulegen, sind bislang fehlgeschlagen. Stattdessen werden laut Santl im Notfall Fachleute verständigt, welche die Verbindungen der einzelnen Module unterbrechen können, so dass die Feuerwehr nur noch mit geringen Stromwerten konfrontiert wird.

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Problem Nummer zwei: Die Anlagen sind in der Regel großflächig auf den Dächern montiert. Zwischenräume gibt es nicht, weil diese auf Kosten des Gesamtertrages an Strom, gehen würden, schildert Santl. Für die Feuerwehr bedeutet dies aber, dass der Zugang vom Dach her versperrt ist. Stattdessen müssten Glutnester im Dachgebälk von innen her bekämpft werden.

Auch nicht zu unterschätzen ist Problem Nummer drei: Bei großer Hitze können sich einzelne Module lösen und vom Dach herunterfallen. Bei einem Gewicht von bis zu 25 Kilogramm besteht für die Feuerwehrleute auch hier Lebensgefahr.

Bislang mussten sich die Feuerwehrleute in der Region nur in der Theorie und bei Schulungen mit Hausbränden mit Solaranlagen beschäftigen. Die gezielte Vorbereitung auf derartige Einsätze sei allerdings ungemein wichtig, erklärt Thomas Santl. Allerdings räumt er ein: "Patentlösungen können wir aber noch nicht anbieten." In erster Linie gehe es um Gefahrenerkennung.

Dass die Feuerwehr ein Haus mit Photovoltaikanlage kontrolliert abbrennen lassen könnte, wie im Februar im ostfriesischen Schwerinsdorf geschehen, bezeichnet Thomas Santl als "Extremfall". "Wenn bei einem Vollbrand ohnehin nichts mehr zu retten ist, kann es im Sinne des Selbstschutzes ratsam sein, die Anlage mit dem Dach ins Hausinnere stürzen zu lassen." Grundsätzlich werde die Feuerwehr aber nie tatenlos zuschauen, wenn ein Haus niederzubrennen droht.

ANLAGEN IM STADTGEBIET

In Waldshut und Tiengen, dem Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke Waldshut, gibt es 177 Photovoltaikanlagen – Tendenz steigend. Bei der überwiegenden Mehrzahl (161) handelt es sich Kleinanlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt. Nur sieben leisten mehr als 100 Kilowatt. Insgesamt werden im Stadtgebiet von Waldshut-Tiengen jährlich 3704 Megawatt Solarstrom produziert.  

Autor: mab

Autor: bz