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04. August 2017

Für Akzeptanz und Horizonterweiterung

Wolfssteig führt von Waldshut nach Höchenschwand / Weg soll für Rückkehr des Wildtieres sensibilisieren .

  1. Mit Sicherheit wird niemand einen Wolf aus solcher Nähe fotografieren können. Ein in Lebensgröße aufgestellter Pappkamerad des scheuen Tieres sorgte bei der Eröffnung dennoch für staunende Augen bei den Besuchern. Foto: Peter Rosa

  2. Am Eingangsportal im Waldshuter Wildgehege wurde jüngst der neue Wolfssteig eröffnet. Foto: Peter Rosa

WALDSHUT-TIENGEN. Das Wildgehege in Waldshut-Tiengen ist um eine Attraktion reicher – hier steht das Eingangsportal zum Wolfssteig, das im Beisein von rund 50 Gästen eröffnet wurde. Der 21,8 Kilometer lange Themenweg, der durch die Gemeinde Weilheim bis nach Höchenschwand führt, widmet sich der bevorstehenden Rückkehr des Raubtiers in den Schwarzwald.

"Ich freue mich auf diesen Wolfssteig als Ort der Akzeptanz und der Horizonterweiterung – über Grimms Märchen hinaus", sagte Oberbürgermeister Philipp Frank bezugnehmend auf Vorurteile und Ängste seitens der Bevölkerung. Nicht zuletzt seien die Wolfswege auch eine touristische Attraktion und eine Bereicherung für die Kulturlandschaft Hochrhein. An elf Stationen befinden sich Informationstafeln über die Geschichte und die Lebensweise des Tieres. Zwischen Nöggenschwiel und Strittberg befinden sich zudem die Wolfshütte als Ort der Begegnung und der 3,9 Kilometer lange Wolfspfad für Kinder und Familien.

Auch Landrat Martin Kistler betonte, dass aufgrund des schlechten Rufs und der polarisierenden Wirkung des Wolfs, präventive Maßnahmen notwendig sind, bevor er angekommen ist. Dies könnte schon bald der Fall sein: Erst kürzlich war ein totes Tier im Schluchsee gefunden worden. Auch müsse der Dialog mit den verschiedenen Interessensgruppen, zum Beispiel der Landwirtschaft, weitergeführt werden, um den Schutz von Weidetieren sicherzustellen. Im Fall von Rissen sollen Ausgleichszahlungen aus einem dafür eingerichteten Fond geleistet werden. In naher Zukunft sollen weitere Gespräche folgen.

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Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) betonte die "gebotene Gelassenheit". Auf Bundesebene sei bereits ein runder Tisch zur Diskussion aller Fragen durchgeführt und eine Beratungsstelle eingeführt worden, die unter anderem über Entschädigungszahlungen informiert. Landtagsabgeordneter Felix Schreiner betonte unter anderem den touristischen Mehrwert des Vorreiterprojekts für den Hochrhein.

Vor Kurzem wurde bereits der Wolfspfad in Höchenschwand offiziell eröffnet. Das Projekt ist aus einer Idee des Kreisforstdirektors Helge von Gilsa für einen Wolfswanderweg hervorgegangen. Gemeinsam mit dem Tourismusbeauftragten Klaus Nieke und Nina Faschian, die ihre Bachelorarbeit diesem Thema gewidmet hatte, wurde in den vergangenen drei Jahren das Konzept erarbeitet und realisiert. Wesentlich beteiligt war auch der Naturpark Südschwarzwald.

Das Projekt konzentriere sich nicht nur auf Wissensvermittlung und ein touristisches Angebot, erklärt Helge von Gilsa: "Es ist auf Basis der Handlungsempfehlungen beim Auftauchen einzelner Wölfe des Landes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2013 entstanden."

"Der Wolf wird Schäden anrichten. Umso mehr, je weniger wir auf ihn vorbereitet und Weidetiere gesichert sind", schildert der Kreisforstdirektor weiter. "Im Zentrum unserer Maßnahmen, steht genau deshalb die Klärung, wie Weidetiere zukünftig, zum Beispiel durch spezielle Umzäunungen, geschützt werden können und wie die trotzdem verursachten Schäden kompensiert werden sollen." Begegnungen mit Wölfen sind in ganz Europa sehr selten und die Tiere äußerst scheu. "Dennoch sollte man auf den gesunden Menschenverstand vertrauen und – ebenso wie im Fall von viel häufiger vorkommenden, heimischen Wildschweinen – die Tiere weder anfüttern noch ihnen nachlaufen", sagt Helge von Gilsa.

Die Stationen des Wolfssteigs: Eingangsportal Wildgehege, Wolf und Mensch in früheren Zeiten, Mythos Wolf, Gejagt bis zur Ausrottung, Leben im Rudel, Lebensraum für Wölfe, Sind Wolfe gefährlich?, Gefahren für Wölfe, Wolfshütte und Wolfspfad, Kehren die Wölfe zurück? sowie das Eingangsportal Kreuzsteinparkplatz Höchenschwand.

Autor: Peter Rosa