Nur der Überbau raunt

Annette Hoffmann

Von Annette Hoffmann

So, 03. Dezember 2017

Kunst

Der Sonntag Regionale (II): Die Kunsthalle Basel zeigt eine dicht gedrängte, aber kurzweilige Schau.

Ein Agamemnon schaut einen an, sobald man die Regionale-Ausstellung in der Kunsthalle Basel betreten hat und es gibt noch viele Überraschungen. Katzen und Frösche sieht man selten in zeitgenössischen Kunstausstellungen, in der von Andreas Angelidakis kuratierten Schau schon.

Regionale-Ausstellungen beruhen auf der stillschweigenden Übereinkunft, dass sie nicht wie regionale Jahresausstellungen aussehen sollen. Allenfalls wie groß angelegte Gruppenschauen mit Werken von Künstlern aus der Region. Am liebsten mit Werken junger Absolventen der Hochschulen des Elsass, Basels und der Karlsruher Akademie. Viel wurde in den letzten Jahren dafür getan, dass – rein ästhetisch gesehen – die Regionale nicht allzu sehr aus dem Rahmen des Jahresprogramms der Institutionen ausschert. Da wurde das Reglement liberalisiert und unter thematischen Fragestellungen kuratiert. Und wenn einmal Kunst zu sehen ist, die nicht den üblichen Kriterien von zeitgenössischer Kunst entspricht, dann ist es Konzept wie etwa 2008, als der Kunstraum Klingental die Kunsthalle Basel sozusagen kidnappte und all jene eingegebenen Arbeiten zeigte, die aus welchen Gründen auch immer nicht ausgewählt wurden.

Daran muss man denken, wenn man jetzt die von Andreas Angelidakis kuratierte Regionale in der Kunsthalle Basel "Object Oriented Ontology" durch eine hölzerne Torkonstruktion betritt. So voll war es hier seit 2008 nicht mehr, zu sehen sind über 100 Arbeiten von 46 Künstlern. Um das überhaupt möglich zu machen, wurden eigens Kuben und andere Einbauten geschaffen.

Andreas Angelidakis, ausgebildeter Architekt, vor allem jedoch Künstler und Kurator, hat die diesjährige Kunsthallen-Regionale im Rahmen des Culturescapes Festival übernommen, in dessen Fokus Griechenland steht. Poka-Yio, Athener wie Angelidakis, hat zusammen mit Ines Goldbach im Kunsthaus Baselland kuratiert. Angelidakis orientiert sich sichtlich am Format der Basler Weihnachtsausstellung, die traditionell in der Kunsthalle stattfand und von der Regionale abgelöst wurde. Kein mühsames Orientieren auf dem Saalplan, überall hängen Schildchen und alles steht zum Verkauf.

Andreas Angelidakis hat so ausgewählt, wie es ansonsten tunlichst vermieden wird, viel Bizarres und Sonderbares. Hatte sein griechischer Kollege Poka-Yio, Künstler sowie Begründer und Kurator der Athen-Biennale, auf der Vernissage noch ein gänzliches Fehlen von politischer Kunst festgestellt, so ist in der Kunsthalle geradezu Eskapismus zu besichtigen. Das hängt damit zusammen, dass Andreas Angelidakis sich vor allem auf Tierdarstellungen aller Medien versteift hat, ob aus einer persönlichen Vorliebe heraus oder aus der Freude am Skurrilen. Und so finden sich in der Kunsthalle Katzenporträts in Interieurs, die aussehen wie von Yves Saint Laurent entworfen, viele Frösche und auch Mischwesen zwischen Mensch und Tier.

Man muss dem raunenden Überbau der objektorientierten Onthologie nicht folgen, die besagt, dass die Dinge gleichberechtigt sind und jenseits der menschlichen Wahrnehmung eine eigene Existenz haben. Die dicht gehängten Werke schaffen neue Bezüge untereinander, wie sie es in jeder anderen Ausstellung auch tun würden. Als "Porträt der Region" will Andreas Angelidakis "Object Oriented Ontology" verstanden wissen. Ein verführerischer Gedanke, doch so willkürlich ist die Auswahl dann doch nicht, mehr als die Hälfte der Künstler ist unter 40. So gesehen unterscheidet sie sich kaum von anderen Regionalen. Und schaut man genauer hin, finden sich nicht nur Kitsch, sondern auch die High-End-Videoarbeiten von Katrin Niedermeier, die großformatigen Zeichnungen von Tobias Nussbaumer oder Bilder von Daniel Karrer auch hier – allesamt Künstlerinnen und Künstler, deren Entwicklung man über Jahre verfolgen konnte. Etwas anderes führt weiter, Angelidakis hat die eingereichten Arbeiten als Material für eine eigene Installation verwendet. Klingt unkollegial, ist aber unverkopft und hat Unterhaltungswert, insofern man wirklich ins Staunen gerät, was sich alles gleichzeitig ereignen kann.
Object oriented Ontology Kunsthalle Basel im Rahmen der Regionale 18. Steinenberg 7, Basel. Dienstag, Mittwoch, Freitag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 20.30 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr (bis 21. Januar).