Untrennbar mit dem Werk verbunden

Antje Lechleiter

Von Antje Lechleiter

Sa, 24. Juni 2017

Kunst

Die Ausstellung "Picasso und die Frauen" in der Kunsthalle Messmer in Riegel widmet sich den Musen des Meisters.

Mit seiner Kunst zählt Pablo Picasso (1881 –1973) zu den Wegbereitern der Moderne. Weniger fortschrittlich war sein Frauenbild. Als "kalt und tyrannisch", ja als "Monster" beschreibt ihn Françoise Gilot, die Mutter seiner Kinder Claude und Paloma, die ihn 1953 verließ. Auch wenn sich einige seiner Gefährtinnen und Modelle künstlerisch betätigten: An der Seite des Machos war Platz für schöne Musen, nicht aber für ambitionierte Künstlerinnen.

In der 25. Ausstellung der Kunsthalle Messmer in Riegel und unter dem Titel "Picasso und die Frauen" treten einige Musen aus dem Schatten des Meisters. Neben den überwiegend druckgrafischen Werken von Picasso sind Gemälde von Françoise Gilot und Sylvette David sowie Zeichnungen von Dora Maar und Fernande Olivier zu sehen. Dabei zeigt sich erneut, wie schwer es ist, künstlerisch an der Seite dieses Giganten zu bestehen.

In seinen Werken verewigte er sie alle: Fernande Olivier, Modell und Geliebte in Paris, Eva Gouel, von Picasso zärtlich "Ma Jolie" genannt, die Tänzerin und erste Ehefrau Olga Khoklova, Marie-Thérèse Walter, Dora Maar, Françoise Gilot und schließlich Jacqueline Roque. Zum Pressetermin erschien Sylvette David, die heute Lydia Corbett heißt – die Frau mit dem blonden Pferdeschwanz, die Picasso 1953 rund 50 Mal porträtierte. Zur Ausstellungseröffnung angekündigt war Angela Rosengart, die Tochter des Schweizer Kunsthändlers, von der Picasso insgesamt fünf Bildnisse fertigte.

Untrennbar sind die Gesichter dieser Frauen mit den verschiedenen Phasen, Techniken und zeitgeschichtlichen Themen seiner Kunst verbunden. Eindringlich offenbart dies das Kernstück der Schau: Im Gemälde "Dora Maar, tête renversée" von 1939 porträtiert Picasso seine Geliebte in düsteren Farben. Vier Jahre zuvor hatte er die Fotografin in Paris kennengelernt. Zwischen 1936 und 1945 taucht sie im Œeuvre des Spaniers mehrfach in einem bedrückenden Kontext auf. Als weinende, klagende Frau hat sie das berühmte Gemälde "Guernica" von 1937 unsterblich gemacht. Es war eine gute Idee der Ausstellungsmacher, dem Besucher durch einen groß angelegten Zeitstrahl Einblick in die Parallelität der privaten, politischen und künstlerischen Ereignisse zu verschaffen.

Die Ausstellung beginnt 1905 im Bateau-Lavoir, einem heruntergekommenen Atelierhaus auf dem Montmartre in Paris, mit dem Einzug von Fernande Olivier. Durch seine rosa Periode und bis in den Kubismus hinein begleitete ihn die Geliebte. Unsterblichkeit erlangte das Modell auf Picassos Gemälde "Demoiselles d’Avignon", einem Schlüsselwerk des frühen Kubismus. Eva Gouel, die 1911 in sein Leben trat, wurde nie von Picasso porträtiert, in seinen Werken ist die jung Verstorbene dennoch präsent: "Ma Jolie" schrieb Picasso voller Liebe in eine seiner kubistischen Kompositionen.

1917 lernte der Künstler die Balletttänzerin Olga Khoklova kennen. Das Paar heiratete, 1921 kam der gemeinsame Sohn Paulo zur Welt, den Picasso Mitte der 1920er Jahre als Harlekin verkleidet im neoklassizistischen Stil ins Bild setzt. Picassos Abkehr vom Kubismus und ein zunehmender Stilpluralismus fällt in die Zeit, als die blutjunge Marie-Thérèse Walter in sein Leben und das Minotaurus-Motiv in seine Kunst trat. Mehrfach sind die Frau mit dem klassischen Profil und der Stier auf Radierungen von 1933 aus der "Suite Vollard" zu sehen. Als Inbegriff der sinnlichen Mutter taucht sie nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Maya in seinem Werk auf. Ganz im Unterschied zur bereits erwähnten Dora Maar, der er sich während der Zeit des spanischen Bürgerkriegs zuwandte. Auf einer großen Serie von Lithografien ist schließlich das monumental aufgefasste Antlitz von Françoise Gilot zu sehen, die Picasso kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges kennenlernte. In die Zeit ihrer Beziehung fällt die ausdrucksstarke Farblithografie "Figure au corsage rayé" von 1949. Am häufigsten dargestellt wurde schließlich seine zweite Ehefrau, Jacqueline Roque, die Picasso in den letzten 20 Jahren begleitete. Als "Jacqueline au chevalet" taucht sie 1956 auf einer Keramik auf. Mit ihrem markanten Profil ist sie auf der Lithographie "Femme au corsage à fleurs" sofort zu erkennen. Die Kunsthalle Messmer präsentiert einen interessanten Ansatz, und mit einer Sonderausstellung von Werken Lydia Corbetts in der Galerie M (bis 12. Juli) unterstreicht sie ihr engagiertes Konzept.

Kunsthalle Messmer, Riegel, Großherzog-Leopold-Platz 1. Bis 12. November, Di bis So 10–18 Uhr.