Kunstforum sucht Räume

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Sa, 17. Juni 2017

Waldkirch

Letzte Mitgliederversammlung im Georg-Scholz-Haus / Alte Musikschule als Übergangslösung? .

WALDKIRCH. Zur letzten Mitgliederversammlung in den Räumen der Villa in der Merklinstraße traf sich das Georg Scholz Haus Kunstforum. Seit 1984 präsentiert der Verein hier Verkaufsausstellungen moderner Kunst. In dieser Zeit hat sich das Haus auch überregional einen sehr guten Ruf erarbeitet. Das Gebäude wurde von der Stadt an die Sick-Stiftung verkauft, zum Jahresende muss das Kunstforum ausziehen. Neue Räume sind noch nicht gefunden.

Die Mitgliederversammlung diskutierte lebhaft, wie man unter den geänderten Rahmenbedingungen weitermachen kann. Der frühere Oberbürgermeister Richard Leibinger, lange Zeit Vorstandsmitglied im Verein, warf zudem die Frage auf, wie es zur jetzigen Situation gekommen sei und wie man den Verlust des Hauses hätte verhindern können. Die Sick-Stiftung bekam das Gebäude von der Stadt angeboten, nachdem das im Bau befindliche Sick-Bildungshaus neben dem Gymnasium, für das eigentlich vier Stockwerke vorgesehen waren, durch den Gemeinderat auf drei Stockwerke reduziert wurde. Wegen des fehlenden Stockwerks sollen jetzt alternativ im Georg Scholz-Haus Kooperationsmöglichkeiten für naturwissenschaftliche Angebote mit Schulen geschaffen werden. Leibinger wies darauf hin, dass in einem ersten Entwurf für das Bildungshaus ein anderer Standort weiter westlich zwischen Gymnasium und Berufsschulzentrum (BSZ) vorgesehen war. Dort wäre eine architektonisch und städtebaulich ansprechende Lösung mit vier Stockwerken sehr gut möglich gewesen. Dagegen habe sich der damalige Schulleiter des in Trägerschaft des Landkreises stehenden BSZ gesperrt. Landrat Hanno Hurth sei vor dem Schulleiter "eingeknickt" und habe "politisch versagt", sagte Richard Leibinger.

Im Rechenschaftsbericht fasste Vorstandssprecher Ehrhard Sachs den aktuellen Stand in Sachen Raumsuche zusammen: Nachdem das in Aussicht gestellte städtische Gebäude am Kirchplatz 2 an eine Kindertagesstätte vergeben wurde, konzentrierte sich die Suche auf mehrere andere Objekte, darunter das Bruderhaus bei der Schwarzenbergschule, die aber alle wegen erheblicher Renovierungskosten ausschieden. Zur Diskussion stand auch eine Mitnutzung des neuen Theaters in Kollnau, aber Kunstausstellungen in nachtschwarz und sonnengelb gestrichenen Räumen seien schwer vorstellbar. Aus technischen und terminlichen Gründen unrealisierbar sei das Angebot zur vorübergehenden Nutzung der Flure im Elztalmuseum und Rathaus. Geeignet für Ausstellungen sei dagegen die frei werdende Musikschule an der Schlettstadtallee, die bald in das neue Bildungshaus beim Gymnasium umzieht. Bis zum Abbruch des Gebäudes im Zuge der Innenstadtsanierung sei eine Zwischennutzung sehr gut vorstellbar. Seitens der Stadt gebe es aber brandschutztechnische Bedenken. Der Kunstverein will trotzdem weiter mit der Stadt im Gespräch bleiben und hoffe, dass eigene Vorschläge zum Brandschutz Gehör finden. Neue Räume könnten grundsätzlich nur bei kostenloser Nutzung bespielt werden, eine solche gebe es auch in vielen anderen Städten. Die Diskussion machte deutlich, dass Vorstand und Mitglieder den Verein auch dann weiterführen wollen, wenn ab 2018 keine Galerieräume zur Verfügung stehen. Künftig soll das eigene Anliegen zudem "offensiv, hartnäckig und energisch " in die Öffentlichkeit getragen werden. Auch wenn der besondere Charakter des Scholz-Hauses schwer ersetzbar sei, nehme man die veränderten Umstände an und suche optimistisch nach einer Lösung. Jedenfalls werde man nicht mit Särgen durch Waldkirch ziehen, sagte Sachs.

"Wir ziehen nicht mit Särgen durch Waldkirch"

Positiv fiel der Rückblick auf die Vereinsaktivitäten aus. In vier regulären und einer Sonderausstellung sei es gelungen, rund 1500 Besuchern anspruchsvolle zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Um das Kunstverständnis zu vertiefen, leiste man sich bei den Vernissagen namhafte und nicht ganz billige Kunstwissenschaftler. Der weiteren Vertiefung dienten Kunstgespräche mit den ausstellenden Künstlern. Genauso wichtig sei die kunstpädagogische Arbeit in den Schülerworkshops mit 780 Teilnehmern gewesen. Hervorzuheben seien die von Helga Bauer organisierten Integrationsworkshops "Für Kinder von hier und anderswo". Als Kulturforum habe man auch wieder andere Kunstrichtungen ins Scholz-Haus geholt: Literatur, Musik, Improvisationstheater und das "Filosofische Forum" mit Klaus Scherzinger. Etwas Besonderes seien die von Roland Burkhard geleiteten Schreibnächte, deren Ergebnisse bei den Finissagen immer wieder einen neuen Blick auf Kunstwerke freigeben. Reibungslos sei die Kooperation mit der Musikschule und gerne habe man der "Ideenwerkstatt Waldkirch in der NS-Zeit" Räume zur Verfügung gestellt.
Mitgliederstand: Das Georg ScholzHaus Kunstforum hat 107 Mitglieder.
Vorstandswahlen: Als Vorsitzende wiedergewählt wurden Brünhild Zinger, Roland Krieg und Ehrhard Sachs; Letzterer ist zugleich Vorstandssprecher. Wiedergewählt wurden auch Anette Piz-van Ahlen (Pressereferentin), Helga Bauer (Schriftführerin und Leiterin des künstlerischen Beirats), Renate Breithaupt (Kasse) und Volker Lindemann (Beisitzer). Neue Beisitzerin ist Ursula Haberstroh. Der bisherige Beisitzer Richard Leibinger stellte sich nicht mehr zur Wahl.
Veranstaltungen: Noch bis 16. Juli Ausstellung "Transparent" mit Arbeiten von Petra Höcker. Ab 16. September folgt die "Offene Galerie für Kids von Kids" mit Arbeiten aus verschiedenen Workshops. Die letzte reguläre Ausstellung bestreiten vom 22.10.2017 bis 26.11.2017 Stefanie Laeger und Henning Eichinger. Angedacht ist noch eine letzte Mitgliederausstellung vom 3.12.2017 bis zum 17.12.2017 unter dem Motto "Das Beste zum Schluss".