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25. Juli 2016

Anspruchsvolles, ungewöhnliches Theater-Kabarett

"Münch & Sauer" in Lahr.

LAHR. Der Lahrer Kulturkreis, seit einem Jahr unter neuer Leitung, hatte voller Elan ein prallvolles Programm zusammengestellt, dessen Abschluss das Gastspiel des Frauen-Kabarett-Duos "Münch & Sauer" war. Doch nachdem am Freitagabend nur zehn Gäste in den Stiftsschaffneikeller gekommen waren, scheint es doch gute Gründe für eine Kultur-Sommerpause zu geben.

Schade, denn Hanna Münch und Heike Sauer boten anspruchsvolles und ungewöhnliches Theater-Kabarett, das sie launig als "Kathepergelyta" ankündigten: Kabarett, Theater, Performance, Gesang, Lyrik und Tanz verknüpft zu einem etwas schrägen, oft nachdenklichen Gesamtkunstwerk mit allerlei Verkleidungen und Verrenkungen. Wobei die Kategorie Kabarett eigentlich am wenigsten passt für das, was die beiden Künstlerinnen zwei Stunden lang boten.

Tanzende Clowninnen, singende Performerinnen sind sie, die gesellschaftspolitische Themen aufgreifen und so auf die Spitze treiben, dass sie sich selbst ad absurdum führen. Zum Beispiel ist der "schlechteste Show Act des Jahres mit drei YouTube-Klicks und fünf Gefällt-mir-nicht-mehr auf Facebook" eine wilde Mischung aus "Heute hier, morgen dort – grad gekauft, werf ich’s fort", und "Billie Jean" (Billig-Jeans) ein zweistimmiges Quodlibet-Potpourri, in dem der Wegwerfgesellschaft der Spiegel vorgehalten wird.

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Showdown auf dem "Monte Santo"

Oft geben die beiden Künstlerinnen Gegensätze ab, zum Beispiel als missmutiger und heiterer Schlaumeier mit – etwas zu ausführlichem – Hang zum Nominalstil oder als Genmais und Erdbeeren-Mutantin, die im James-Bond-Stil einen Showdown auf dem "Monte Santo" inszenieren.

Münch & Sauer haben eine tänzerische Ausbildung, und das merkt man. Körperbeherrschung und Synchronität sind Markenzeichen des Duos, das mit dem allzu leeren Saal professionell umgeht, ihn aber nicht ganz vergessen machen kann.

Heike Sauer war vor einem Jahr als Solo-Kabarettistin "Marlies Blume" in Lahr zu Gast gewesen, als überdrehte Schwäbin in Rosa hatte sie aber weniger zu sagen als in der vielschichtigeren und politischeren "Münch & Sauer" Kombination, die mal ernst die angeblich so sauberen Kriegsmethoden per Drohne und Fernsteuerung anprangert, mal schön überdreht das Internet der Dinge und die damit verbundenen Überwachungsmöglichkeiten albern verjodelt. "Fragen Sie Ihren Kühlschrank, der weiß alles – und nicht nur er!", drohen Münch & Sauer nur halb im Scherz.

Während sie sich von Nummer zu Nummer hangeln, wachsen auf der Bühne die Klamottenberge der abgelegten Kostüme. Zum Schluss gab es viel Applaus und – gesungenen und echten – Tomatensalat als Zugabe.

Autor: Juliana Eiland-Jung