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06. Juli 2009
Auch Einstein hat einen Nestler benutzt
Ausstellung zur Erinnerung an eine Lahrer Weltfirma
LAHR . Das Lahrer Stadtarchiv eröffnete am Sonntag in der Villa Jamm eine Ausstellung von Produkten der Firma Albert Nestler, die von 1778 bis 1995 in Lahr bestand und deren Erzeugnisse sich durch höchste Präzision und Fortschrittlichkeit auszeichneten. Während vieler Jahrzehnte wünschte sich jeder Schüler ein Lineal oder einen Rechenschieber mit diesem Namen, die ebenso populär waren, wie die hoch geschätzten Zeichentische in den Fachkreisen von Handwerkern, Planern und Architekten sowie Maschinenkonstrukteuren und Wissenschaftlern.
Bemerkenswert war, dass dies weltweit der Fall war – man exportierte in 60 Länder – bis etwa zum Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen einer starken japanischen Konkurrenz.
Jürgen Nestler, Urenkel des Firmengründers, einstiger Lehrling und späterer Ingenieur, kommt das Verdienst zu, unendlich viele Produkte der Firma – vom Anbeginn bis zur Spätzeit gesammelt zu haben und Dokumentationen veranlasst und selbst verfasst zu haben. Dies war keine Selbstverständlichkeit, zumal in den Wirren des Untergangs des Unternehmens, auch sämtliche Erzeugnisse abhanden gekommen sind. Er musste diese also über viele Jahre hinweg zunächst aufspüren, um sie schließlich zu kaufen und nach und nach in seine beachtliche Sammlung integrieren. Außer den gängigen Instrumenten befinden sich darunter seltene Sammlerstücke, die Spezialanfertigungen entsprechen und besondere Formate oder Materialien aufweisen. So gibt es Pantographen zur Vergrößerung und Verkleinerung von Zeichnungen, eine Rechenwalze, die in ihrer Funktion einen Rechenschieber von fünf Metern Länge ersetzen kann, ein sonderangefertigtes Hobelsystem, Nivellierlatten oder Maßstäbe aus Neusilber Elfenbein und Zelluloidbeschichtungen, welche besondere hitzebeständigen Eigenschaften aufweisen. Neben den etwa 70 vorgestellten Exponaten der Lahrer Ausstellung in Schaukästen, werden auch Prospekte aus der Jahrhundertwende gezeigt, die auch die ästhetische Komponente und die materielle Werthaltigkeit früher Industrieprodukte belegen.
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Jürgen Nestler gab einen eindrucksvollen Abriss der Firmengeschichte, berichtete von Aufträgen parallel zur Zeitgeschichte, über Flugzeugrechner in den Weltkriegen und Rechenschieber für die friedliche Bundeswehr und von Wernher von Braun, der einst ebenso wie Albert Einstein, seine Nestler-Rechengeräte mit in die USA genommen hat.
Die Lahrer Ausstellung wird im Anschluss an das Landesmuseum für Technik und Arbeit gehen, dem Jürgen Nestler bereits die gesamte Ausstellung und weitere 300 Objekte schenkt. In Lahr hat man keinen Platz für diese Zeugnisse der Industriegeschichte, während das Deutsche Museum in München und andere großes Interesse bekunden. In Mannheim ist sie gut aufgehoben, liegt es doch in Baden und war zu Beginn des 19. Jahrhunderts die größte Industriestadt des Landes. Lahr indessen – lang ist’s her – war seinerzeit immerhin die zweitgrößte.
"Mit Nestler zeichnet und rechnet die Welt" – die Geschichte einer Maßstabbfabrik, Lahr - Museum im Stadpark, Mi und Sa 14-17Uhr, Sonn - und Feiertag 10-12 Uhr und 14-17 Uhr. Bis 6. September
Autor: Georgis Zwach
