Auf den Spuren des Moolersmanns

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Mo, 12. September 2016

Lahr

Erste geführte Wanderung über den Wickertsheimer Rundweg.

LAHR. Fröhlich und gut gelaunt haben sich am gestrigen Sonntag bei schönem Spätsommerwetter etwa 60 Teilnehmer mit Eberhard Stulz zur ersten geführten Wanderung des Schwarzwaldvereins auf den rund sechs Kilometer langen Wickertsheimer Weg gemacht.

An 35 Infostelen durch Lahr, angefangen von der Tonofenfabrik durch die Innenstadt bis hinauf auf den Schutterlindenberg und wieder über Burgheim zurück zum Café Süßes Löchle, erfuhr die Wandergruppe an den Bildstandorten viel Wissenswertes über die Stadt, die Landschaft und den "Lohrer Moolersmann" Wilhelm Wickertsheimer, der am Freitag 130 Jahre alt geworden wäre.

Der Feierstunde am Freitag im Haus zum Pflug (siehe Bericht unten) folgte gestern der Premierenstart für geführte Wanderungen mit Eberhard Stulz auf dem 6,2 Kilometer langen Wickertsheimer Weg. Er dauerte etwa dreieinhalb Stunden und endete mit einem erfrischenden Umtrunk, spendiert vom Vorstand des Cafés Süßes Löchle. Der Termin für die Auftaktwanderung über den Kunstweg war bestens gewählt, denn gestern war der "Tag des offenen Denkmals".

Wilhelm Wickertsheimer wäre sicher stolz gewesen, so Eberhard Stulz beim Start an der Tonofenfabrik, dass die Lahrer so großes Interesse an seinem Werk zeigten. "Schauen Sie, wie Wickertsheimer seine Stadt und die Umgebung gesehen und dargestellt hat", rief Stulz der Wandergruppe zu. Die Tour führte die Stadtentwicklung vor Augen. Vergangenheit und Gegenwart begegneten sich, weil der Lahrer Kunstmaler in Öl und Aquarell Szenen und Stadtansichten festgehalten hatte. So beim Gewerbekanal oder der "Stillen Einkehr" beim Denkmalhof bei der Stiftskirche, wo Infostelen und -tafeln Motive und Texte, die von Walter Caroli verfasst wurden, eine harmonische Verbindung eingehen und zum Betrachten und Verweilen einladen.

Diese Zeit hatte gestern die Wandergruppe nicht, bei der sich Stulz dafür entschuldigte, angesichts der rund sechs Kilometer langen Wegstrecke durch die Innenstadt und hinauf zum Schutterlindenberg aufs Tempo zu drücken. Vorbei ging es am früheren Gewerbekanal, wo einst Pferde gebadet wurden, um dann den einstigen Lahrer Kirchweg bei der Gärtnerstraße in den Blick zu nehmen. Dort hatte Wickertsheimer ebenfalls seine Staffelei aufgestellt, um Sichtbares realistisch abzubilden. Darunter auch Biedermeierliches in der Vogtstorstadt, das Wasserschöpfen am unteren Stockbrunnen, dem heutigen Rosenbrunnen, oder jene Szene in der Mühlgasse, die Caroli trefflich mit "Klatsch und Tratsch" am Wolkenkratzer tituliert hatte.

Wehmütige Erinnerung ans alte Mühlenviertel

Vom Altstadtflair am Schlossplatz rief Stulz im früheren Quartier der Stadtmühle die verschwundene Szenerie am Kanal in Erinnerung. Nicht unerwähnt blieb die damalige Abstimmung im Gemeinderat, die mit 16:14-Stimmen zum Abriss der Stadtmühle geführt hatte. Wickertsheimer hatte den "schönsten Teil des Mühlenviertels", zu dem ein Haus mit einer Treppe gehört, verewigt. Vielen Lahrern und den Wanderteilnehmern älterer Jahrgänge ist das in bester Erinnerung.

Über die Lammgasse, Wasserklammstraße ging es hinauf zum Schutterlindenberg, wo Wickertsheimer zahlreiche Landschafts- und Naturmotive festgehalten hatte – vom roten Mohn über die Ernte bis zur Weinlese. Nach der Betrachtung von Motiven wie "Sommerflair" und "Winter-Impressionen" ging es zurück auf den Urteilsplatz , wo dem Rest der Wandergruppe die erfrischende Einkehr ins Süßes Löchle winkte.