"D’Mädle sind halt fort"

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Fr, 01. Dezember 2017

Lahr

Das polyglotte und polymusikalische Filippa Gojo Quartett.

LAHR. Nun waren sie also am Samstag zum zweiten Mal im Stiftsschaffneikeller zu Gast: die in Bregenz geborene Jazz-Sängerin Filippa Gojo und ihre drei musikalischen Begleiter David Andres (Kontrabass), Lukas Meile (Percussion) und Sebastian Scobel (Klavier). Dass sich die vier preisgekrönten Jung-Jazzer bei ihrem Auftritt beim Kulturkreis Freunde gemacht haben, war beim Blick auf die sehr gut besetzten Stuhlreihen ersichtlich. Dass das Publikum auch dieses Mal begeistert war von dem, zeigte sich an der hohen Aufmerksamkeit und natürlich am Applaus.

Jazz, der mit Pep und Leichtigkeit daherkommt, das haben die vier Musiker des Filippa Gojo Quartetts mit ihrem von der Anzahl der Stücke her wohl dosierten, facettenreichen Programm aufs Schönste gezeigt. "Seesucht" heißt die neue CD, deren Titel schon darauf hinweist, dass Filippa Gojo auch gerne mit Sprachen spielt: Dialekt, Hochdeutsch, Englisch, Brasilianisch – bei ihr klingt alles leicht und natürlich, so dass man sich beim Hören irgendwie heimisch fühlt, ohne dass man zwingend jedes Wort verstehen muss. Es ist das eng verwobene Zusammenspiel von Gesang und Instrumenten, das den Eindruck prägt. Das titelgebende Stück "Seesucht" etwa, lässt sich deuten als Sehnsucht nach der Heimat, kommt aber nicht etwa melancholisch, sondern in heiteren Klangfarben zum Ausdruck. Da haucht diese ausdrucksstarke junge Stimme scheinbar beiläufig eine Reihe von "Dadabda"’s ins Mikro, die Begleiter an Tasten, Percussion und Saiten tun es ihr gleich, es entsteht ein Bild vor dem geistigen Auge: dass sich diese vier Musiker einfach tragen lassen vom Rhythmus, der bald ruhig, bald lateinamerikanisch daherkommt. Eine ganz andere Atmosphäre verströmt der Titel "Försterhus": Was mit schwebenden Klaviertupfern und einer klagenden Stimme beginnt, die im sanften Vorarlberger Zungenschlag geheimnisvoll wie ein Mantra "D’Mädle sind halt fort" wiederholt, bekommt durch sich in Tempo und Intensität steigernde Percussion und einen allmählich schneidender werdenden Gesang eine spannende Dramatik: Den Krimi dazu kann man sich lebhaft vorstellen. Mit Witz geht das Quartett das Thema Zeit an: "D’Zitt" mahnt mit knackigen Staccati, überraschenden Breaks, unregelmäßigem Pulstakt und hörbar gemachter Hektik dazu, das Leben ruhiger anzugehen. Neben den Titeln aus eigener Feder hat das Quartett auch ein Klassiker im Repertoire: eingangs das samtig beginnende "O Bêbado e a Equilibrista", als Zugaben den Scat "Yatra Ta", den Filippa Gojo mit unbändiger Energie interpretiert. Zum Schluss gibt es mit dem melancholisch angehauchten Stück "Retalhos de Cetim" noch ein bisschen "Seesucht" der brasilianischen Art. Einfach schön das alles.