Der Druck im Kessel ist nicht mehr da

Ulrike Sträter

Von Ulrike Sträter

Sa, 23. Juni 2018

Lahr

Sulz hat sich in der Flüchtlingsfrage entspannt / Die vor zwei Jahren geschürten Ängste blieben bis heute unbegründet.

LAHR. Die Einrichtung einer Unterkunft für Geflüchtete in der Sulzer Kähnermatt hatte vor zwei Jahren für erhebliche Turbulenzen im Ort gesorgt. Heute ist die Lage erkennbar entspannt. Eine Bestandsaufnahme.

Eine irakische Mutter mit drei Kindern sowie ein syrisches Ehepaar waren die ersten Flüchtlinge, die im April 2016 in dem ehemaligen Kindergarten ein Zuhause fanden. Der Weg dorthin war steinig. Katholische Kirchengemeinde und Landratsamt verhandelten lange, bis der Verkauf des Gebäudes im Dezember 2015 unter Dach und Fach war. Wie sind die Flüchtlinge in dem 3600-Einwohner-Ort angekommen? Haben sich die Befürchtungen mancher Anwohner bewahrheitet, dass durch die Kessellage des Gebäudes ein sozialer Brennpunkt entsteht?

Matthias Ibach, Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Sulz, hatte sich damals für die Anwohner starkgemacht und für eine Obergrenze der Belegung mit maximal 40 Flüchtlingen gekämpft – "mit Blick auf den sozialen Frieden in Sulz und eine möglichst gute Integration der Flüchtlinge". Sein Resümee heute: "Die Befürchtungen von damals haben sich so nicht bewahrheitet." Ibach betont, dass der im April 2016 gegründete Verein "Sulz hilft" eine tolle Arbeit macht. "Es hat sich alles eingespielt", sagt der Pfarrer. Dieser Meinung ist auch Ortsvorsteher Rolf Mauch. Während der heißen Phase war für ihn klar: Sind die Flüchtlinge erst einmal da, sind auch sie Sulzer: "Der Alltag hat sich damals schnell wieder eingestellt. Wir sind auf einem guten Weg." Und was wurde aus der Bürgerinitiative, die seinerzeit unter dem Motto "Helfen ja – Überfordern nein" Unterschriften mit dem Ziel sammelte, nicht mehr als 30 Flüchtlinge aufzunehmen? "Die Initiative ist in der Versenkung verschwunden", sagt Mauch. Er hatte sich damals von den 600 Unterzeichnern ein aktives Ja zur Hilfe für die Flüchtlinge gewünscht. "Doch da kam nichts", so der Ortsvorsteher. Anders der Verein "Sulz hilft", dessen Vorsitzender Alfred Schleimer ist.

Rund 80 Interessierte hatten im Vorfeld ihre Hilfe angeboten. "Die Zahl hat sich auf den Bedarf reduziert", so der frühere Caritas-Referent für Armutsfragen heute. In Zahlen heißt das: 37 Mitglieder und fünf aktive Helfer. Aktuell leben 14 Flüchtlinge in Sulz: ein afrikanisches Paar, eine iranische sowie eine irakische fünfköpfige Familie und zwei Aussiedlerinnen aus Sibirien. Monika Weismann, seit gut einem Jahr stellvertretende Vorsitzende des Vereins: "Die Fluktuation der Bewohner macht es nicht einfach, etwas Beständiges aufzubauen." Anerkannte Flüchtlinge ziehen in eine eigene Wohnung, andere aus sicheren Herkunftsländern kehren in ihre Heimat zurück.

Der Aufenthalt der Flüchtlinge in Sulz ist nicht selten eine Übergangslösung. "Das frustriert manchmal auch die Helfer, besonders, wenn sie eine Bindung zu den Flüchtlingen aufgebaut haben." Dennoch, das Zusammenleben mit ihnen funktioniert. Die Menschen, die Hilfe brauchen, sind dankbar für jede Unterstützung. Eva-Maria Trahasch, bis Februar dieses Jahres Schriftführerin des Vereins: "Von Anfang an war die Atmosphäre gut, egal ob bei der Adventsfeier oder bei Ämtergängen."

Der Blick richte sich auf den zweiten Vereinszweck: Ansprechpartner für in Not geratene Menschen vor Ort zu sein. Nach dem Brand (siehe oben) liegt eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. "Sie haben alles verloren. Da starten wir jetzt einen Aufruf, um schnell zu helfen."