Der Funke sprang erst spät über

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 26. Februar 2018

Lahr

Joachim Zawischa in Lahr.

LAHR. Musik und Theologie hat Joachim Zawischa studiert, war und ist Schauspieler, Moderator, Liedermacher und Kabarettist. Mit seinem Programm "Vorn ist hinten" gastierte er am Samstagabend beim Lahrer Kulturkreis im Stiftsschaffneikeller. Gut vierzig Zuschauer ließen sich unter anderem in die Tücken der sächsischen Muttersprache Zawischas einweisen und können jetzt im typischen Singsang des Vogtlandes "Fodoabbaraad" sagen. Der Sprachkurs mit Publikumsbeteiligung kam recht spät im Programm. Schade, denn zuvor hatte es am direkten Draht zwischen Bühne und Zuschauerraum gefehlt, der Funke sprang nicht über. Das lag zum einen an der eher leisen und zurückhaltenden Art der Darbietung, aber auch an Stimmungskillern wie einem längeren Exkurs über Intimrasur-Moden oder einer Analyse einer Bild-Schlagzeile über die statistisch erfasste Länge erigierter Penisse.

Mit Verlaub, das passt vielleicht in pubertäre Schenkelklopfer-Comedy, aber nicht ins ansonsten eher beschaulich-familientaugliche Programm Zawischas.

Der punktet dafür mit ein paar wirklich gut getexteten Songs über Ikea-Einkaufstage und Karneval im Bundestag und beweist, dass Politiker ihre Phrasen wohl aus Horoskopen abschreiben, bei denen sie konsequent alle Personalpronomina durch die erste Person Plural ersetzen – ein Spaß, den so mancher im Publikum bei nächster Gelegenheit sicher einmal selbst ausprobieren wird.

Auch die Probleme des Mannes, der zur Bank geht und sein Geld sehen möchte, kann man nachvollziehen. Dass das Geld "arbeitet, während ich arbeitslos bin", ist schwer genug zu verstehen. Als "Schuldenschnitt" bezeichnet Zawischa einen Friseurbesuch, bei dem er das Portemonnaie zu Hause vergessen hat. Jedenfalls schaut er abends vor dem Schlafengehen immer noch mal kurz per Online-Banking auf sein Konto, um zu sehen, ob das Geld noch da ist. Für die Banker und Börsianer hat er eine gute Idee: Sie könnten mal ein Praktikum im Altersheim machen. Vielleicht würde dann mehr Geld in soziale Aufgaben investiert.

Als Günter-Netzer-Imitator läuft Zawischa dann zu Hochform auf. Die Pausen, der Augenaufschlag, das kurze Schmatzen, bevor er wieder eine süffisant-arrogante Bemerkung zu Sparringspartner Gerhard Delling zurückspielt, begeistert sehr zu Recht das Publikum. Nach gut zwei Stunden gibt’s nochmal ein bisschen Sächsisch und ein schönes, völlig ironiefreies Liebeslied für den Heimweg. Freundlicher Applaus.