Der Hang zum Paradoxen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 30. April 2018

Lahr

Max Zentawer Trio.

LAHR. Der Freiburger Gitarrist Max Zentawer liebt anscheinend das Paradoxe. Auf dem Cover seiner CD sitzt er auf einem antiquarischen Dreirad – das passende Bild zum doppelsinnigen Titel "Reduce to the Max" (Max/Maximum). Beim Konzert im Lahrer Stiftsschaffneikeller am Samstagabend geht sein Hang zur Paradoxie sogar musikalisch weiter.

Wie sonst wäre es zu erklären, dass sein durch den Putschversuch in der Türkei und die darauffolgenden Repressalien inspiriertes Stück "Sommerschluss am Bosporus", mit dem Zentawer ein Zeichen setzen will gegen "alle, die meinen, sehr laut und gewalttätig sein zu müssen", so heiter, orientalisch verspielt, tanzbar und wunderbar schräg daherkommt? Fast widersinnig auch das Stück "Der Fönig", gewidmet dem 2003 verstorbenen Jazz-Musiker, Schriftsteller und Zeichner Volker Kriegel, das im Gegensatz zur skurril-komischen Geschichte, auf der es beruht, eine melancholisch-romantische, zuweilen meditative Erinnerung an Kriegel bietet, der Zentawer in seinen Anfängen geprägt hat.

Nur knapp 30 Zuhörer hatte das Konzert. Als Dank dafür, dass überhaupt Menschen in ein normales Konzert kommen und nicht nur in sogenannte Hut-Konzerte, bei denen auf Spendenbasis gespielt wird, hat Zentawer den Titel "Admission free" geschrieben, ein Latin-angehauchtes flottes Stück, das klingt wie amerikanischer Jazz der 1950er- und 1960er-Jahre und Publikum wie Musikern offensichtlich und hörbar gute Laune macht.

Das Max Zentawer-Trio einzuordnen, fällt schwer. Auf jeden Fall ist es Jazz für Freunde der musikalischen Finesse, denn die Mischung aus Blues und Rock, Latin und Swing setzt einiges an Können voraus. Zentawer lässt seine E-Gitarre meist weich klingen, zwischen Hammond-Orgel und Steeldrum bewegt sich der Sound, und stets tänzerisch die Improvisationen. Kontrabassist Florian Döling und Schlagzeuger Matthias Daneck sind Seelenverwandte, die ohne musikalische Versatzstücke auskommen und sich dennoch nicht einspinnen in ihre Musik, sondern dem Publikum zugewandt bleiben – keine Selbstverständlichkeit im Jazz. Sehr verdient großer Applaus.