"Der Zuspruch zu Vortragsabenden hat abgenommen"

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Mi, 10. Januar 2018

Lahr

BZ-INTERVIEW mit Ingrid Lüderitz, die als Leiterin der Lahrer Muettersprochgruppe aufhört / Das ist wohl das Ende der Gruppe.

LAHR. Findet sich bis zur Mitgliederversammlung Ende des Monats kein Nachfolger, wird die hiesige Regionalgruppe der Muettersproch-Gsellschaft "Geroldsecker Land" wohl auseinander fallen. Mit der scheidenden Leiterin Ingrid Lüderitz hat die BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger über die Gründe gesprochen.

BZ: Frau Lüderitz, geht die Muettersprochgruppe "de Bach nab"?

Lüderitz: Es ist so: Wenn sich kein Nachfolger für mich findet, hat die Gruppe keine Leitung und damit keine Veranstaltungen mehr. Die Mitgliedschaft zum Verein bleibt jedoch bestehen und die Mitglieder müssten die Veranstaltungen der Regionalgruppen Offenburg oder Kahlenberg, also Ettenheim, besuchen.

BZ: Eine Gruppe ohne Veranstaltungen ist faktisch dann keine Gruppe mehr.

Lüderitz: Zum Hintergrund: Die Vorgabe des Vereins ist, pro Jahr drei kleinere Lesungen oder eine große Lesung zu organisieren, die nicht nur Gruppenmitglieder anlockt. Das muss geleistet werden, damit der Vereinszweck erfüllt und die Gemeinnützigkeit gewahrt ist. Aber der Zuspruch zu Vortragsabenden hat abgenommen und die Veranstaltungen, die wir sonst angeboten haben, erfüllten die Vorgabe nicht.

BZ: Was haben Sie denn angeboten?

Lüderitz: Stadtführungen, gehalten in Dialekt, oder Gartenbesichtigungen im Elsass. Ich habe mein Amt so verstanden, dass ich die Gruppe unterhalte mit Angeboten, bei denen Dialekt eine Rolle spielt.

BZ: Das jährliche Alemannenvesper, eine Lesung mit Essen, hat nicht ausgereicht?

Lüderitz: Nein. Zwar kamen durchschnittlich 20 Leute, aber das war zu wenig für die geforderte "große" Veranstaltung.

BZ: Für viele Vereine ist es schwierig, Nachwuchs zu gewinnen. Ist es beim Thema Mundart noch schwieriger?

Lüderitz: Die Mundart kommt eigentlich gerade wieder in Mode. Die Leute hören es gern. Uns fehlt trotzdem der Zuspruch. Als ich die Leitung vor elf Jahren übernommen habe, waren es rund 250 Mitglieder. Durch Austritte und Todesfälle sind wir noch 75, die meisten älter als 70 Jahre. Ich habe das Jahresprogramm deshalb auf Ältere abgestimmt und versucht, das Beste zu geben. Neue Mitglieder zu werben, war mir letztlich zu viel, denn ich war als Leiterin ja alles in einer Person. Andere Regionalgruppen haben Schriftführer und die Aufgaben verteilt.

BZ: Haben Sie Hoffnung, dass sich bis Ende Januar, zur Mitgliederversammlung am 31. Januar, doch noch ein Nachfolger findet?

Lüderitz: Nein. Auf den Brief, in dem ich geschrieben habe, dass bislang kein Nachfolger gefunden ist, hat es bis jetzt noch keine Reaktion des Bedauerns gegeben.

BZ: Der alemannischen Mundart bleiben Sie sicher dennoch verbunden. Was schätzen Sie am Dialekt?

Lüderitz: S isch e eigeni Welt! Und als Autor schätze ich den Kleis Schorsch (Georg Kleis) aus Meißenheim, mit seinen Geschichten über das alltägliche Leben.

Ingrid Lüderitz (73) ist in Oberweier aufgewachsen und lebt seit 1967 in Lahr. Die Rentnerin hat die Regionalgruppe 2006 übernommen. Die Muettersproch-Gsellschaft, ein Verein für alemannische Sprache, ist in Regionalgruppen gegliedert. Die Mitgliederversammlung der Regionalgruppe "Geroldsecker Land" (Lahr und Umland) ist am Mittwoch, 31. Januar, 15 Uhr, im Gasthaus Zarko, Schillerstraße 3, Lahr.

Mehr Informationen finden Sie unter www. alemannisch.de