Ein Abend für Querbeet-Hörer

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 13. März 2018

Lahr

Das Ausbruch-Duo bricht aus.

LAHR. Man kann den Kulturkreis Lahr nicht oft genug loben dafür, dass er jungen Musikern die Chance gibt, ihr "Ding" zu präsentieren. Am Samstagabend gastierte das "AusbruchDuo" im Stiftsschaffneikeller mit seinem Programm, das geprägt war von einem innovativen Ansatz.

Der 24-jährige Mathieu Bech (Piano und Percussion) und der 25-jährige Bratscher Lukas Stubenrauch haben eine erfrischend unprätentiöse Art der Präsentation, eine Rarität in Klassik- und Jazzkreisen, aus denen sie mit ihrem Duo ausbrechen. Vor zwei Jahren war es noch ihrer Repertoire-Knappheit geschuldet, dass sie neben klassischer Literatur auch eigene Improvisationen spielten. Mittlerweile aber entwickelt sich aus der pragmatischen Notlösung ein eigenes Konzept, das wunderbar aufgeht. Ein Abend für die Querbeet-Hörer unter den Musikliebhabern, die weder mit den starren Genregrenzen noch mit den Manierismen des Konzertbetriebs etwas anfangen können.

Das Konzert begann mit Bohuslav Martinus Bratschensonate, deren wechselnde Rhythmik und an osteuropäischer Volksmusik orientierte Melodik die beiden Musikstudenten intensiv und zugleich frisch interpretierten. Auch wenn die Konzentration der beiden durchaus zu spüren war, gelang eine schlüssige und sehr stimmige Umsetzung, der sich die Improvisation fast nahtlos anschloss. Bech, von Haus aus Schlagzeuger, bezieht eine Snare-Drum und eine zur Base-Drum umgebaute Cajon in sein Spiel mit ein, bedient dazu mit der linken Hand noch das Klavier und spielt sich in einen regelrechen Flow hinein. Lukas Stubenrauchs Ton ist warm und sicher, zunächst klassisch, dann immer jazziger. Bei Antal Dorátis "Adagio für Bratsche und Klavier" packen die beiden das von ungarischer und US-Musiktradition geprägte Stück zwischen ihre Improvisationen und arbeiten den zwischen Minimalismus und Gershwin-Sound angesiedelten Charakter glanzvoll heraus.

Nach der Pause betritt Lukas Stubenrauch ohne Schuhe die Bühne: Er bedient nicht nur die Fußtasten seines Loop-Geräts, sondern auch die Drehschalter mit den Zehen. Und Mathieu Bech dämpft am Flügel die Saiten, mit der Hand. Bei aller Experimentierfreude werden Schumanns Märchenbilder aber keineswegs durch Mätzchen verzwergt, sondern ernsthaft und mit viel Gefühl interpretiert. Herzlicher Applaus für einen spannenden, innovativen Abend.