Ein Konzert wie Marketing für einen Paris-Besuch

U. Le Bras

Von U. Le Bras

Di, 04. Dezember 2018

Lahr

Das Duo Pariser Flair verbindet im Lahrer Stiftsschaffneikeller französische Chanson mit einer Führung durch die französische Hauptstadt.

LAHR. Wetten, dass die Buchungen für den TGV Lahr-Paris vom kommenden Wochenende an sprunghaft ansteigen werden? Den Besuchern, die am Samstag im Lahrer Stiftsschaffneikeller waren, um in die Welt des französischen Chansons einzutauchen, hat das Duo Pariser Flair jedenfalls Lust auf eine Spritztour an die Seine gemacht. "Eine musikalische Stadtführung", betitelten Marie Giroux und Jenny Schäuffelen ihr Programm, und beide Komponenten – Musik und Tourismus – waren professionell ausgearbeitet.

Musikalisch sind die beiden top: Marie Giroux mit ihrem in Berlin ausgebildeten Mezzosopran, der mit energiegeladener Tiefe auch in eine Kellerbar passen würde wie mit klassischem Vibrato auf eine Opernbühne. Jenny Schäuffelen begleitet sie mit routinierter Leichtigkeit am Akkordeon oder am Flügel. Für den Part Tourismus haben sich die beiden einen coup de théâtre ausgedacht: Jenny, in wadenlangem Rock und glattgekämmter Frisur, mimt die nüchterne Deutsche, die Passagen aus Reiseführern zitiert, exakte Preise und Speisenfolgen von Feinschmecker-Menüs nennt oder in buchhalterischer Manier aktuelle Eintrittspreise berüchtigter Etablissements bekannt gibt. Ja sogar das Angebot von Sexshops wird im Spannungsbogen zwischen Nachrichtensprecher-Stimme und Augenzwinkern reportiert. Marie, die während ihres ersten Studiums in Paris gelebt hat, gibt sich dagegen schon äußerlich als kesse Französin und wartet mit persönlichen Erinnerungen und Stimmungen auf: Wo ist der beste Platz, um nach einer durchtanzten Nacht einen Sonnenaufgang zu erleben, wie zergehen die Macarons des Luxus-Herstellers Ladurée auf der Zunge, wie riecht echte Luft vom Montmartre, die sie aus einem Flacon entweichen lässt? Ob es in Wirklichkeit ein Hauch Berliner Luft ist, den Marie in ihrem neuen Wohnort wie den Geist in die Flasche gesteckt hat – wen interessiert das? Hauptsache, man kann sich wegträumen. Und das schaffen diese beiden Künstlerinnen mit stimmigen Inszenierungen: mit Koketterie das Chanson von Sacha Guitry "J’ai Deux Amants", dem Jenny simultan die deutsche Übersetzung unterlegt. Gefühlvoll-dramatisch der Herzschlag-Rhythmus des Edith Piaf-Klassikers "Padam", witzig nachlässig das Klagelied über eine langweilige Ehe, das Charles Aznavour selbst auch auf Deutsch gesungen hat: "Du lässt dich geh’n". Eine ganz andere Stilrichtung schlagen die beiden mit einem als Gangsta-Rap in Szene gesetzten Song von Serge Gainsbourg ein: "Le Nouveau Western". Mit einem Ratespiel fürs Publikum leiten sie den Titel "Comme d'habitude" von Claude Francois ein (hierzulande besser in der Version "My Way" bekannt). Wen wundert es also nach diesem lustvoll-verspielten Abend, dass beim Hinausgehen mancher Ehemann am Ärmel gezupft wurde: "Komm, lass uns einfach auf einen Sprung hinfahren!"