Entenköpfer-Waggon fährt ins Museum

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 04. September 2017

Lahr

Die Eisenbahnfreunde aus Gangelt haben den Waggon nach langem Warten abgeholt, um ihn für ihr Museum zu restaurieren.

LAHR (BZ). Nur wenigen Lahrer Bürgerinnen und Bürgern dürfte es aufgefallen sein, dass in der vergangenen Woche ein Waggon der früheren Schmalspurbahn die Stadt Lahr verlassen hat. Ganz unauffällig auf einem Gartengrundstück an der Breisgaustraße hat er die letzten etwa 70 Jahre gestanden: der Güterwagen Nummer 133 der Mittelbadischen Eisenbahn-Gesellschaft (MEG), der dort als Geräteschuppen gedient hatte. Jetzt soll an seinem bisherigen Standplatz ein Wohnhaus errichtet werden.

Das hätte auch sein Ende bedeuten können, gäbe es da nicht das Kleinbahnmuseum Selfkantbahn, schreibt Martin Kilb, der Leiter des Museums in Gangelt, eine Kleinstadt an der Grenze zu den Niederlanden. Dieses Eisenbahnmuseum in Nordrhein-Westfalen widmet sich seit Jahrzehnten auch intensiv der Geschichte des "Entenköpfers", wie die Kleinbahn im Volksmund genannt wurde, die von Straßburg und Lahr ausgehend das Land zwischen Rastatt und Seelbach in der Zeit von 1892 bis 1970 erschloss. Schon einmal hatte das Kleinbahnmuseum in Lahr in einer bemerkenswerten Aktion an die Schmalspurbahn erinnert, als im September 2009 auf dem Urteilsplatz eine originale Dampflok und ein Personenwagen ausgestellt waren. Mit dem Neuerwerb aus Mietersheim ist nun die Sammlung des Museums an MEG-Fahrzeugen auf 13 Exemplare anwachsen. Der Güterwagen 133 war im Jahr 1900 in der Waggonfabrik Rastatt erbaut worden und gehörte zunächst der Straßburger Straßenbahn Gesellschaft. Mit einer Breite von 2,75 Metern konnte er damals noch nicht die Lahrer Innenstadt durchqueren. Wegen einer Engstelle in der Kaiserstraße war für ihn in Dinglingen Endstation – auch dann noch, als die Lahrer und Straßburger Straßenbahnen ihr rechtsrheinisches Netz gemeinschaftlich betrieben.

In den 1930er-Jahren wurde dieser gedeckte Güterwagen zu einem Gepäckwagen umgebaut, erhielt Türen in seinen Stirnwänden, eine Innenbeleuchtung und eine durchgehende Dampfheizleitung. Doch schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg quittierte er seinen Dienst, in einem Betriebsmittelverzeichnis von Juli 1953 ist er nicht mehr enthalten. Damals dürfte er schon, seines Fahrwerks beraubt, in dem Mietersheimer Garten gestanden haben, vermutet Martin Kilb.

Bereits im Jahr 1996 waren die Eisenbahnfreunde aus Gangelt auf diesen historischen Wagen aufmerksam geworden, aber der Garten und damit auch der "Geräteschuppen" wurden noch intensiv genutzt und gepflegt. Die Vereinsmitglieder warteten weitere 20 Jahre, bis dann schließlich ein Anruf aus Mietersheim kam, der Waggon werde nun nicht mehr benötigt und stehe zur Abgabe bereit.

Nach mehrtägigen Vorbereitungsarbeiten kam dann schließlich ein Lastwagen mit Ladekran in die Breisgaustraße gefahren, versetzte den Wagenkasten in Straßennähe und von dort auf einen Lastzug, der ihn noch am gleichen Tag nach Gangelt brachte. Jetzt wartet er darauf, restauriert zu werden. Im Kreise alter "Kollegen", die mit ihm seit vielen Jahrzehnten nicht mehr zusammengetroffen waren, werde er sich aber bestimmt wohlfühlen, da ist sich Martin Kilb sicher.

"Auf jeden Fall ist er aber an seinem neuen Standort im Bahnhof Gangelt der Aufmerksamkeit der Museumsbesucher sicher", freut sich der Museumsleiter, der den Umzug des Eisenbahnwaggons organisiert und auch persönlich begleitet hat.