Erfrischend unkompliziert

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 19. März 2018

Lahr

Bluesiger Jazz mit "Mareeya".

LAHR. Am Samstagabend herrschte im Lahrer Stiftsschaffneikeller eine Stimmung wie kurz vor Weihnachten. Draußen rieselt der Schnee und drinnen gibt es weichen, soulig-bluesig-swingenden Jazz von der Stuttgarter Band "Mareeya".

Der exotisch klingende Name ist nur eine phonetische Schreibweise des Vornamens von Frontfrau Maria Gießmann, der damit klingt, wie aus Gershwins West Side Story gefallen. Und zumindest zu einem Teil der Titel des zweistündigen Konzerts passt diese Assoziation gut. Zu Balladen wie den Klassikern "Skylark" oder "What a difference a day makes". Schmusejazz, ohne jeden Schmalz dargeboten von der jungen, geschmeidig singenden und tanzenden Sängerin. Erfrischend unkompliziert sind Moderation und Arrangements der Band, die in vielerlei Besetzungen unterwegs ist. In Lahr mit dabei: der wache, unprätentiös agierende Felix Schrack am Schlagzeug, Andy Streit als versierter Begleiter und gut gelaunter Solist am Kontrabass und der italienische Gitarrist Davide Petrocca, dessen Soli dem Konzert ordentlich Glanz verliehen.

Nach viel Spezialitäten-Jazz im Programm des Kulturkreises Lahr also mal wieder ein Abend, an dem vor allem Standards zu hören waren, frisch und manchmal funkig angehaucht dargeboten wie bei "Angel Eyes", bei dem die pointierte Zäsur im Begleitrhythmus das ganze Stück über durchgehalten wird. Beim Frank Sinatra-Klassiker "Cheek to cheek" ist Mareeya tatsächlich so "cheeky" (frech), das Tempo ordentlich anzuziehen, genau wie bei "I know you know" der amerikanischen Bassistin und Sängerin Esperanza Spalding. Wohltuend war dieser Ausflug in die Jetzt-Zeit, genau wie die sehr persönlich gefärbte Cover-Version des Sting-Hits "Fragile". Ein Genießer-Konzert, das mit kurzen Scat-Einlagen der Sängerin und einer schönen Abwechslung zwischen flotten und langsamen, tanzbaren und eher beschaulichen Songs überzeugen konnte. Ein bisschen Blech hätte dem ganzen noch Glanz verliehen, aber auch so sprang der Funke aufs Publikum über. Eigentlich hätte die Band zu Beginn Bingo-Karten austeilen können, denn Gitarrist Petrocca streute musikalische Zitate en masse ein. Ein halber Takt "Fever", "Heartbreak Hotel", die "Marseillaise" oder "John Browns Body" klingen kurz an und sind auch schon wieder vorbei, bevor man richtig realisiert hat, was da gerade an musikalischen Assoziationen aufblitzt. Sehr passend die Zugabe: "Stormy Weather", mit schönem Groove und ordentlich Drive dargeboten, und die Textzeile "keeps rainin all the time" in flinkem Scat aufgelöst. Netter Abend, viel Applaus.