Ernste Appelle mit Eleganz

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 15. Januar 2018

Lahr

Frederic Hormuth in Lahr.

LAHR. Weniger Meinung, mehr Wissen. Weniger Alarmismus, mehr Engagement. Weniger Selbstdarstellung, mehr Fragen. Der Kabarettist Frederic Hormuth hat klare Botschaften in seinem Programm: "Halt die Klappe – wir müssen reden". Am Freitag verpackte er seine ernst gemeinten Appelle an die Zuhörer im voll besetzten Stiftsschaffneikeller in ein spritziges Programm mit sprachlicher Eleganz und fetziger Musik.

Auch wenn Hormuth zu Beginn ein paar Seitenhiebe auf die beiden designierten Regierungsparteien loswerden muss, im Kern ist sein Programm keine Polit-, sondern Gesellschaftskritik. "Eine Minderheitsregierung" wäre Hormuth recht gewesen. "Da hätte Merkel ihre Politik erklären und diskutieren müssen". Doch sieht Hormuth eben nicht nur die Politiker in der Pflicht, sondern alle, die immer so schnell eine Meinung haben, ohne vorher etwas verstanden oder gar darüber nachgedacht zu haben. In der medialen Filterblase falle es allzu leicht, die eigene Meinung bestätigt zu sehen, wie die schrägen Bewegungen von Reichsbürgern über Rothschild-Verschwörungstheoretiker bis zu Mitgliedern der Flat-Earth-Society zeigten. "Die Leute erreichst du nicht mehr", befürchtet Hormuth, aber es müsste doch möglich sein, zum Beispiel den offensichtlichen Versuchen der Einflussnahme von Großkonzernen und Lobbyisten auf den Schulunterricht etwas entgegenzusetzen.

Der 49-jährige Kabarettist erinnert sich daran, dass ihm die Lehrer zum Abitur Günther Eichs Gedicht "Wacht auf" mitgegeben hatten: "Tut das Unnütze, … seid unbequem, seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt!", wogegen heute "der Burn-out zum neuen Seepferdchen" geworden sei, weil jeder ihn habe. Das liegt vielleicht daran, dass schon die Kinder in einem Umfeld von Reizüberflutung und Hamsterrad-Bildung aufwachsen, betreut von Helikoptereltern, die jede Menge Wind machen und finden, Erziehung müsse sich lohnen.

Natürlich bekommt Donald Trump ein paar Seitenhiebe ab, doch fragt Hormuth auch, ob dieser nicht einfach ehrlich ist. Die Maschen der Rechten, vom nationalkonservativen Vordenker bis zum dumpfbackigen Pegida-Marschierer sind Hormuth einen Exkurs und einen Boogie-Woogie wert, bei dem einem in bester Kreisler-Manier der heitere Rhythmus den Abgrund des Textes besonders deutlich vor Augen führt. Großer Applaus.