Erst zuhören, dann vorlesen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 20. November 2018

Lahr

Sandra Boser kommt zum Vorlesetag ins Scheffel-Gymnasium, bespricht aber auch andere Themen.

LAHR. Aus Anlass des bundesweiten Vorlesetages am Freitag war die Landtagsabgeordnete Sandra Boser (Grüne) im Lahrer Scheffel-Gymnasium zu Gast. Doch statt mit Vorlesen verbrachte sie die meiste Zeit mit Zuhören. Zunächst Schulleiterin Sabine Rühtz, und später einer sechsten Klasse des Hochbegabtenzuges, die sich auf die Teilnahme am Vorlesewettbewerb vorbereitet.

Der Rundgang durch das Gebäude des Scheffel-Gymnasiums wurde zu einer Baustellenbesichtigung, hat doch die Schule mit einem Wasserschaden noch ungeklärter Ursache zu kämpfen. Die Situation, dass die Aula nicht genutzt werden kann und die Schulsozialarbeit ihren Pavillon als Ausweichquartier für den Kunstunterricht zur Verfügung stellen musste, sei sehr belastend, betonte Sabine Rühtz. Eng ist es auch in den Lehrerzimmern und in den Vorbereitungsräumen für den Unterricht, doch die vielen Aktivitäten der Schule im naturwissenschaftlichen Bereich finden – wie mehrere neue 3D-Drucker – immer einen Platz.

Nils Henkel, Mitglied der erweiterten Schulleitung, bezeichnete allerdings die Aufgabe der beiden Lehrer, die sich um die Computerausstattung der Schule kümmern, als "den schlimmsten Job der Schule", was bei Sandra Boser auf großes Verständnis stieß. Sie verwies auf die Planungen der Landesregierung, Schulen mit Verwaltungsassistenten in Zukunft von nicht-pädagogischen Aufgaben zu entlasten.

Wichtige Funktion der Schulsozialarbeit

Mit Blick auf die Schulsozialarbeit erklärte Rektorin Rühtz, dass sie "gar nicht mehr weiß, wie wir das früher ohne gemacht haben". Schulsozialarbeiterin Lisa Thessen berichtete, dass der Kontakt zu den Schülern sehr gut sei, seit die beiden Schulsozialarbeiter regelmäßig in den sechsten und siebten Klassen präsent seien. Als Lektüre für den Vorlesewettbewerb hatten Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin Antje Bohnsack einen historischen Jugendroman ausgewählt, in dem über das Leben im alten Rom und den Bau des Kolosseums berichtet wird. Die Schülerinnen und Schüler übten die zuweilen schwierigen Fachbegriffe und Namen. Sandra Boser erzählte, dass sie einige Bücher der Reihe von ihren eigenen Söhnen kenne, und übernahm eine Passage als Vorleserin.

Nur wenig Zeit blieb den Schülern, um Sandra Boser nach ihrer Arbeit zu fragen. Was sie zu Artikel 13 sage, wurde die Landtagsabgeordnete gefragt, die schon öfter an Schulen mit der Sorge um die Einschränkung aus Urheberrechtsgründen konfrontiert worden war. Boser verwies darauf, dass dies eine europäische Regelung sei, warb aber um Verständnis dafür, dass der Gesetzgeber dafür sorgen wolle, "dass diejenigen Geld verdienen, die die Arbeit gemacht haben, und nicht nur die Internetfirmen, die Filme und Musik hochladen". Die Sorge, dass zum Beispiel der Youtube-Kanal abgeschaltet werden könnte, sei aber unbegründet. Auf die Frage, ob sie ein Lieblingstier habe, kam spontan die Antwort: "Ich habe einen Mops. Das ist mein Lieblingstier".