Evangelikaler Pastor gewinnt ersten Wahlgang in Costa Rica

afp

Von afp

Mo, 12. Februar 2018

Lahr

Fabricio Alvarado war bei der Präsidentschaftswahl mit seinem Wahlkampf gegen die Homo-Ehe in dem mittelamerikanischen Land erfolgreich / Stichwahl am 1. April.

COSTA RICA (afp). Der konservative evangelikale Pastor Fabricio Alvarado hat mit seinem Kurs gegen die Homo-Ehe die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Costa Rica gewonnen. Nach Auszählung von rund 87 Prozent der Stimmen kam er auf knapp 25 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht des Landes in der vergangenen Woche mitteilte. Weil jedoch kein Kandidat die erforderliche Mehrheit von 40 Prozent erreichte, findet am 1. April eine Stichwahl statt.

Der ehemalige Arbeitsminister Carlos Alvarado von der regierenden Bürgeraktion (PAC) erhielt den Teilergebnissen zufolge knapp 22 Prozent. Der drittplatzierte ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Antonio Alvarez Desanti räumte seine Niederlage ein.

Nach Angaben der Behörden verlief die Abstimmung am Sonntag in dem kleinen zentralamerikanischen Land ruhig. Die Wahlbeteiligung war mit 66 Prozent hoch. 13 Kandidaten hatten sich um die Nachfolge von Staatschef Luis Guillermo Solis beworben, der gemäß der Verfassung nicht noch einmal antreten durfte. Das endgültige Resultat wird erst heute erwartet. Die 3,3 Millionen Stimmberechtigten waren auch aufgerufen, die 57 Abgeordneten des Parlaments zu wählen.

Zentrales Thema des Präsidentschaftswahlkampfs war die Homo-Ehe. Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (CIDH) hatte Anfang Januar den Ländern der Region empfohlen, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Die scheidende Regierung in Costa Rica hatte angedeutet, der Empfehlung folgen zu wollen, stieß damit aber auf den Widerstand kirchlicher Gruppen und der Vereinigung der für Eheschließungen zuständigen Notare.

Gegen die Einführung der Homo-Ehe stemmte sich der evangelikale Kandidat Alvarado, woraufhin die Umfragewerte des 43-Jährigen im mehrheitlich konservativen Costa Rica deutlich stiegen. "Die Religion hat in dieser Wahl eine sehr starke Rolle gespielt", erklärte der Analyst Carlos Chinchilla mit Blick auf die ersten Ergebnisse. Obwohl nur eine Empfehlung, habe die Aussage des CIDH "einen religiösen Schock" in dem Land ausgelöst, erklärte das Zentrum für politische Forschung und Studien (CIEP).

Der Politikwissenschaftler und CIEP-Direktor Felipe Alpizar sagte, die Empfehlung zur Homo-Ehe habe den "religiösen Nerv" der Bevölkerung getroffen und sei es nur vorübergehend. Die Menschen in Costa Rica seien mit großer Mehrheit auch gegen Drogenkonsum, eine Trennung von Kirche und Staat und Abtreibung. Vor der CIDH-Entscheidung hatte sich der Wahlkampf vor allem um Themen wie Korruption, innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit gedreht.

Die Meinungen zu Fabricio Alvarado gingen auch am Wahltag stark auseinander. Eine 20-jährige Studentin, die zum ersten Mal wählte, zeigte sich besorgt wegen des "homophoben Diskurses". Eine pensionierte Lehrerin hingegen applaudierte dem Pastor: "Endlich haben wir einen Kandidaten, der unsere Werte teilt."