Filmszenen aus der Zürcher Lieblingsbar

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Di, 09. Oktober 2018

Lahr

Attila Vural und Isam Shéhade inszenieren im Stiftsschaffneikeller ein musikalisches Kurzfilmfestival.

LAHR. Von zehn Instrumenten und von Jazzmusik ist in der Vorankündigung des Konzerts der beiden Musiker Attila Vural (Gitarre, Gesang) und Isam Shéhade die Rede gewesen. "It might as well be a movie" ist das neue Album des Jazzduos betitelt. Am Samstagabend haben die beiden Zürcher ihre Klangkombination aus Klarinette, Saxophon und Gitarre (n) im Stiftsschaffneikeller vorgestellt.

Weich klingt das, bisweilen eher nach Folk als nach Jazz, und akustisch ist alles sehr gut austariert. Shéhade dekliniert seine Blasinstrumente von Es- bis Bassklarinette, von Holz bis auf Blech (Sax) durch, und Attila Vural spielt sich durch die Klangfarben seiner Gitarrensammlung. Ab und zu nimmt der Gitarrist auch einige Loops zur Hilfe. Das ergibt auch musikalisch einen sepiablauen Hintergrund für ein musikalisches Schauspiel. Keine Frage: der Bühnenaufbau macht etwas her.

Doch wo ist der Movie ? Die Klangwelten, von den Kompositionen über die Arrangements bis hin zu den Spieltechniken sind angenehm und ließen sich sogar in ein Großstadtcafé mit lässigem Chic packen. Beste Freundinnen würden dort beim Muffin-Durchprobieren sicher nicht von schrillem Quietschen einer ES-Klarinette oder von Zwölfton-Kadenzen auf der kleinen Cut-Away-Gitarre Vurals verschreckt. Hollywood ist das nicht – eher ein Kurzfilmfestival, bei dem sich die Zuschauer auf eine gefällige Klangsprache verlassen können, wenn auch einige Filmsequenzen geheimnisvoll bleiben.

Bereits das erste Stück verblüfft mit einem ausgesprochenen Folkstil, denn Vural shuffelt sich scheinbar durch eine amerikanische Landschaft, während seine Mundhamonika etwas Bluesiges singt. Im vierten Stück beschreiben die beiden ihre Lieblingsjazzbar in Zürich. Das Saxofon verbreitet ein urbanes Lebensgefühl, Vural benutzt den Klankörper seiner Gitarre, um das entsprechende Leben jenseits der Glasfront der Bar pulsieren zu lassen. Da wird man mal ganz kurz aus dem kleinen Lahr herausgebeamt. In "Change the Painting" geht es laut Vural eigentlich nur über einen Bauherren, der nicht weiß, wie er sein Haus streichen lassen soll. Er ist farbenblind. Das ist nun wirklich etwas banal. Denn musikalisch trauen sich die beiden an diesem Abend durchaus, auch einmal in orientalischen Melodieläufen zu mäandern. Da wird es dann wahrlich interessanter.

Ausflüge in die Zitatenwelt von Sting oder Reprisen von James Brown und Simon and Garfunkle hätten sich die beiden da nicht antun müssen. Sie hätten selbst Interessanteres zu erzählen, jedenfalls musikalisch.