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25. Juni 2014 19:19 Uhr

Catch and Release

Fische für Fotos missbraucht – Für Staatsanwalt Verstoß gegen Tierschutz

Angler ziehen 30-Kilo-Karpfen aus dem See, machen ein Foto und werfen sie zurück ins Wasser. Das Internet hat den Lahrer Dachswaldsee europaweit berühmt gemacht. Jetzt spricht die Staatsanwaltschaft Klartext.

  1. Trügerische Idylle: der Dachswaldsee – kein guter Ort für Fische Foto: CHRISTOPH BREITHAUPT

Martin Seifert, der Pressesprecher der Offenburger Staatsanwaltschaft, spricht Klartext: "Das Fischen von großen Fischen allein aus Spaß, ohne die Absicht, den Fisch danach zu verzehren, verstößt gegen das Tierschutzgesetz." Auch wenn die Methode in der Landesfischereiverordnung von Baden-Württemberg nicht ausdrücklich verboten ist, scheint damit doch festzustehen, dass diese Praxis, bei der die gefangenen Fische nach dem Wiegen und Fotografieren wieder ins Wasser geworfen werden, am Dachswaldsee der Vergangenheit angehört.

Dass Staatsanwaltschaft und Polizei, dass die Stadt Lahr und das Landratsamt auf die Vorgänge am See aufmerksam wurden, geht auf die Aktivitäten des Oberkircher Naturschützers Christoph Münch zurück, der im Dezember vergangenen Jahres in einem Offenen Brief die Praxis des sogenannten Catch and Release öffentlich gemacht und die Behörden aufgeschreckt hatte. In der Folge gab es durchaus Bewegung: Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Bei der Stadt Lahr entdeckte man, dass man Martin Zehnder, dem Besitzer des Sees, zwar eine Erlaubnis zum Bau einer Blockhütte am See erteilt hatte. Im Lauf der Jahre war daraus aber eine richtige Campingsiedlung mit zum Teil befestigten stationären Unterkünften geworden – ein klarer Verstoß gegen das Baurecht, der von der Verwaltung in der Vergangenheit aber offenbar stillschweigend geduldet worden war.

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Angler aus ganz Europa kommen nach Lahr

Angler aus ganz Europa kamen nach Lahr. Unter ihnen hatte sich – befeuert durch Fotoberichte in einschlägigen Internetforen – herumgesprochen, dass man in dem sechs Hektar großen See kapitale Karpfen an Land ziehen kann – nicht zum Verzehr, sondern nur zur Fotodokumentation. Ob tote Tiere zum Teil auch in Plumpsklos entsorgt werden, wie jetzt ein Anonymus per E-mail an Gemeinderäte und Medien mitteilte, ließ sich nicht verifizieren. Dem Landratsamt, das als untere Naturschutzbehörde für die Einhaltung des Tierschutzgesetzes zuständig ist, liegen keine Kenntnisse vor. Man wolle der Sache aber nachgehen, teilte Pressesprecher Kai Hockenjos mit.

"Das Veterinäramt des Ortenaukreises ist der Auffassung, dass durch das Angeln, das allein dem Ziel dient, große Fische zum Zweck von Fotos oder Videoaufnahmen zu fangen, den gefangenen und dann auch noch unnötig lange in der Luft hochgehaltenen Fischen ohne vernünftigen Grund unnötige Schäden zugefügt werden. Das stellt mindestens eine Ordnungswidrigkeit dar, da zum einen Verletzungen durch Angelhaken entstehen, zum anderen auch – durch das unnötige und lange Halten und Handhaben außerhalb des Wassers – der Organismus der Fische geschädigt wird", heißt es in der Stellungnahme.

Den Anglern auf der Spur

Catch and Release-Angler bei ihrem Tun unmittelbar in flagranti zu ertappen, stellte die Ermittler vor eine unlösbare Aufgabe. Für die Polizei, so Hockenjos, sei es schwierig, den Tatzeitpunkt für das Fangen und Freilassen von Fischen festzumachen. Erleichtert wurde die Arbeit der Ermittler, weil die Klientel Aufnahmen ins Internet gestellt hatte. "Dennoch", so Martin Seifert, "war es relativ aufwändig, die Personen zu identifizieren, die zum Teil aus dem gesamten Bundesgebiet und östlichen Ländern nach Lahr gekommen sind, um hier zu fischen." Da die Akten noch nicht bei der Staatsanwaltschaft eingetroffen sind, sei offen, ob die Vergehen rechtlich als bloße Ordnungswidrigkeit behandelt werden oder einen Straftatbestand erfüllen.

Thomas Biendl, der Lahrer Rechtsamtsleiter, versteht die Ungeduld der Öffentlichkeit und des Gemeinderats, der sich im Januar nach einem SPD-Antrag für eine rasche Beseitigung der Hütten ausgesprochen hatte. Die Stadt sei in Gesprächen mit dem Anwalt des Seebesitzers, der Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung signalisiert habe, die im nächsten halben Jahr greife. "Wenn wir zwangsweise gegen den Besitzer vorgehen würden, hätten wir bis Jahresende sicher keine Veränderung."

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Autor: Manfred Dürbeck