"Frieden ist eine innere Haltung"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 17. Dezember 2018

Lahr

Der ökumenische Lichtermarsch bringt fast hundert Menschen auf die Straße / Spenden gehen an syrisches Waisenhaus.

LAHR. Zum fünften Mal ist am frühen Samstagabend das Licht von Bethlehem durch die Lahrer Straßen getragen worden. Der vom ehemaligen evangelischen Pfarrer Frank-Uwe Kündiger ins Leben gerufene ökumenische Lichtermarsch war erstmals als Rundkurs angelegt. Fast hundert Menschen beteiligten sich an dieser Demonstration für den Frieden.

Start und Ziel waren in der katholischen Kirche Sancta Maria in der Oststadt, dazwischen gab es Stationen in der Stiftskirche, auf dem Rathausplatz, in der Christuskirche und in St. Peter und Paul. In den Kirchen gab es kurze Andachten, dort wie auch auf dem Weg wurden Lieder wie der Kanon "Mache dich auf und werde Licht", das Taizé-Lied "Ubi caritas" und die Bürgerrechts-Hymne "We shall overcome" angestimmt.

Das Friedenslicht von Bethlehem wird von Pfadfindern – ähnlich der olympischen Flamme – jedes Jahr kurz vor Weihnachten in der Welt verbreitet. Für den Friedensmarsch in Lahr kam die Flamme, an der Fackeln und Kerzen zu Beginn entzündet wurden, direkt aus der Schweiz. Auf dem Rathausplatz wurde die Gruppe vom Freundeskreis Flüchtlinge Lahr erwartet, der für die Teilnehmer heißen Tee bereithielt. Der ehrenamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Walter Caroli, betonte in seiner Ansprache, dass symbolische Zeichen wichtig seien, doch wichtiger sei es, im Umgang miteinander in Politik und Gesellschaft nicht "unvorsichtig oder nachlässig zu werden", wenn es den Frieden, die Meinungs- und Religionsfreiheit zu verteidigen gilt. Dies umso mehr, als es Strömungen, Parteien und Gruppierungen gebe, die – wie unlängst in der Marktstraße – die im Grundgesetz geforderte Toleranz und die Unteilbarkeit der Menschenrechte untergraben.

In einer kleinen Szene thematisierten Elisabeth Akwaba (aramäische Gemeinde) und Monika Esken (evangelische Gemeinde) die Frustration, die viele Menschen angesichts der andauernden Ungerechtigkeit und Kriege in der Welt empfinden. "Frieden ist nicht Nicht-Krieg, sondern eine innere Haltung" betonten sie, und zitierten sowohl die biblische Bergpredigt wie auch den indischen Pazifisten Mahatma Gandhi.

Rund um den Lichtermarsch regelte die Polizei den Verkehr, große Aufmerksamkeit erregte die Gruppe der Friedenspilger jedoch auf den weitgehend leeren Straßen nicht. Dass sich Menschen verschiedener Konfessionen mit und ohne Migrationshintergrund an dem Marsch beteiligten, kann als Zeichen für den gemeinsamen Willen gewertet werden, "Gewalt nicht schweigend hinzunehmen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen", so Pfarrer Michael Donner. Die Spenden, die beim Lichtermarsch gesammelt wurden, kommen einem Waisenhaus in der syrischen Stadt Homs zugute.