Frischer Wind aus dem Osten weht durch Lahr

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Fr, 05. Oktober 2018

Lahr

Die Formation Lose Skiffle Gemeinschaft Leipzig-Mitte hat am Tag der Deutschen Einheit auf der Seeparkbühne der Landesgartenschau ein Gastspiel gegeben.

LAHR. Die Formation Lose Skiffle Gemeinschaft Leipzig-Mitte hat am Abend des Feiertages zur Deutschen Einheit auf der E-Werk-Bühne im Seepark den Schlusston unter das stark musikalisch geprägte Programm der Landesgartenschau gesetzt.

Es war ein gelungener Coup: Während sich gefühlt die Hälfte der Republik auf den Weg nach Berlin gemacht hatte, um dort mit Pomp und Gloria den Jahrestag der Wiedervereinigung zu feiern, entschied man sich in Lahr, bei der Zusammenstellung des Feiertagsprogramms der Landesgartenschau den Spieß umzudrehen und eine Gruppe aus dem Osten, genauer gesagt aus Leipzig, in den Südwesten einzuladen. Den Kontakt hergestellt hatte der ebenfalls aus Leipzig stammende Erste Bürgermeister Guido Schöneboom, der mit mehreren Mitgliedern der Band befreundet ist.

Dass viele, vor allem jüngere Leute, heutzutage mit dem Begriff "Skiffle" nicht wirklich etwas anfangen können, war wohl einer der Gründe, weshalb nur rund die Hälfte der Stuhlreihen unter dem Zeltdach der E-Werk-Bühne besetzt waren. Die Skiffle-Kenner dagegen, in der Mehrzahl der Generation 50 plus zugehörig, erlebten einen vergnügten Abend. Denn die acht Mitglieder der Band mit dem etwas sperrigen Namen Lose Skiffle Gemeinschaft Leipzig-Mitte sind nicht nur allesamt versierte Musiker an Akkordeon, Banjo, Gitarre, Klarinette, Kontrabass, Saxofon und Trommeln. Sie können auch mit starken Stimmen in unterschiedlichsten Lagen aufwarten.

Was sie auch beherrschen, ist feinstes Kabarett, das sie in wohldosierten Portionen in den Übergängen zwischen den Liedern wie nebenbei einwoben. So gab es zwischen dem "Schuld war nur der Bossa Nova" und "I'm satisfied with my girl" eine Prise selbstironischen Stolz mit dem Einwurf, dass wir diesen Feiertag ja ihnen, den Menschen aus dem Osten, zu verdanken hätten. Nach der deutschen Version des Chansons "Nathalie" von Gilbert Bécaud wurden ein paar Spitzen zum Thema Diesel und Stickoxide gesetzt und Pfeilchen in Richtung westdeutscher Autofahrer abgeschossen, die sich "brav von lichthupenden PS-Protzen auf die rechte Spur verdrängen lassen".

Dem in Vergessenheit geratenen Liedchen "Butterfly" des Franzosen Danyel Gerard wurden Betrachtungen zum Thema Garten vorangestellt. Perfekt in der Rolle des Kabarettisten passte der Trommler: Nicht nur die Schiebermütze, auch die stoisch-unaufgeregte Sprechweise erinnerte an die Figur Heinz Becker – ein vergnüglicher Mix aus Hochpolitischem und Banalem, immer hintergründig, ironisch, manchmal beißend sarkastisch.

Musikalisch das eine oder andere Schmankerl serviert

Doch auch wer nur der Musik wegen gekommen war, bekam manches Schmankerl serviert: den fetzigen Chris Barber Song "Ice Cream", Klamauk im Vintage-Stil bei "Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt", das in rasanten Skiffle-Jazz verpackte "Buona Sera, Signorina", das in ihrer Version zu "Borna-Sera" umgemodelt den Kohlepott Sachsens, die Region um die Stadt Borna, karikiert. Ein Lied auf Russisch, der flotte Swing vom "Gigolo", eine Persiflage im griechischen Stil – und schon war das Programm mit Hans Albers’ "Es weht der Wind von Norden" zu Ende.

Fazit: erfrischend, dieser mal so ganz andere Wind, den die Leipziger Skiffler aus dem Osten hereinwehen ließen.

Weitere Informationen zur Landesgartenschau gibt es unter http://landesgartenschau-lahr2018.de und im Online-Dossier der Badischen Zeitung unter http://mehr.bz/lgs-2018