Heilika gründete das erste Spital

Juliana Eiland-Jung und Christian Kramberg

Von Juliana Eiland-Jung & Christian Kramberg

Fr, 12. Januar 2018

Lahr

In einem Vortrag hat Norbert Klein die Geschichte des Lahrer Bezirkskrankenhauses beim Altvater beleuchtet.

LAHR. In seinem fünften Vortrag an der Lahrer Volkshochschule unter der Überschrift "Straßen und Plätze in Lahr" hat der Hobby-Historiker Norbert Klein vor etwa 100 Zuhörern vor allem das Gebiet am Altvater mit dem Krankenhaus und dem Reichswaisenhaus in den Mittelpunkt gestellt.

Die Geschichte des Lahrer Krankenhauses beginnt 1259, als Heilika von Finstingen – die Gattin des Stadtgründers Walter I. von Geroldseck – ein Armen-Spital stiftete, das sich vermutlich im Bereich des Klosters (heute Stiftskirche) befand und beim großen Lahrer Brand 1677 völlig zerstört wurde. Bis zum Wiederaufbau in der Nähe des Vogtstores vergingen mehr als 80 Jahre. In den Jahrhunderten danach folgten verschiedene Standorte zunächst nördlich der Stadtmauer.

Erst der 1837 neu erbaute Südflügel des Spitals an der Kreuzstraße diente erstmalig ausschließlich Krankenhauszwecken. Er beherbergte neben den Geschäftszimmern für einen Arzt und einen Verwalter und den Wohnräumen für die Hauseltern, die die Pflege übernahmen, sieben große Krankenzimmer mit je sechs bis acht Betten sowie drei kleine Zimmer mit je zwei Betten. Außerdem gab es eine Badstube, eine Küche sowie zwei Krätzestuben. Die Kapazität reichte für 20 bis 40 Personen, das Angebot zielte besonders auf Handwerksgesellen, Gewerbsgehilfen und – besonders weibliche – Dienstboten, die keine Möglichkeit familiärer Krankendienste hatten. Festangestellte Ärzte gab es nicht, die Versorgung übernahm der örtliche Wundarzt.

Ende des 19. Jahrhunderts teilten sich drei private Lahrer Ärzte den Dienst. Um 1870 versorgte das Krankenhaus jährlich um die 200 Menschen, 1895 waren es bereits mehr als 500. Die räumliche Nähe zum Spital und mangelnde Möglichkeiten zur differenzierten medizinischen Pflege und Behandlung führten ab den 1870er-Jahren zu Diskussionen, sodass 1890 ein Neubau geplant wurde. 1898 wurde mit dem Bau des Bezirkskrankenhauses am Altvater begonnen, das am 1. Mai 1900 seinen Betrieb auf dem Gelände der heutigen Klinik aufnahm.

Es verfügte über 160 Betten, Träger war ein 1893 gegründeter Bezirkskrankenhausverband mit den 26 Gemeinden des Bezirks Lahr als Mitgliedern. Bis 1934 leitete der staatliche Bezirksarzt das Krankenhaus, erst ab diesem Jahr wurden hauptberufliche Chefärzte für Chirurgie und Innere Medizin angestellt. Eine erste Erweiterung erfolgte 1929 durch den Ausbau eines Isoliergebäudes zu einem Wöchnerinnenheim. 1952 wurde ein weiterer Anbau für 80 Krankenbetten erstellt.Keine zehn Jahre später – im Jahr 1961 – beschlossen die Stadt und der damalige Landkreis Lahr den Abriss des alten und den Bau eines neuen Krankenhauses. Es wurde nach fast neunjähriger Planungs- und Bauphase am 24. September 1971 feierlich eröffnet. Im Jahr 2004 erfolgte der Zusammenschluss des Klinikums Lahr mit dem Kreiskrankenhaus Ettenheim zu einem gemeinsamen Eigenbetrieb, im Februar 2007 folgte die Umfirmierung in Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim. Zuletzt wurde am Standort Lahr im vergangenen Jahr das Bettenhaus Süd ersetzt.

Ein weiteres Krankenhaus bekam Lahr durch die Übernahme des ehemaligen kanadischen Militärhospitals durch die Kraichgau Klinik AG im Jahr 1994. Das Herzzentrum wurde 2007 von der MediClin AG Offenburg übernommen. Außerdem verwies Norbert Klein in seinem Vortrag darauf, dass es in Lahr im heutigen Integrierten Beruflichen Gymnasium ein Militärkrankenhaus gegeben hat.

Weitere Quellen: Ortenau-Klinikum; Thorsten Mietzner (Lahr-Lexikon)