Lahr

Heimatküche bringt Geflüchtete und Einheimische an einen Tisch

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mo, 05. Juni 2017 um 19:00 Uhr

Lahr

Die Heimatküche der Evangelischen Erwachsenenbildung richtet sich an Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Rezepte aus Ghana, Tansania, Nigeria und der Karibik standen am Freitag auf der Speisekarte.

Kochen, lachen, nebenher mit den Kindern spielen – das alles geht für die Lahrer Flüchtlinge, die aus afrikanischen Ländern kommen, durchaus zusammen. Katharina Lindner, Bezirksbeauftragte für Migration bei der Evangelischen Erwachsenenbildung, hatte sie eingeladen, die zweite "Heimatküche" für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im Gemeindehaus der Melanchtongemeinde anzuleiten.

"Das erste Kochtreffen haben die syrischen Flüchtlinge ausgerichtet. Als das Essen auf dem Tisch stand, gab’s Tränen. Es schmeckte eben so sehr nach Heimat", sagt Katharina Lindner und illustriert damit die seelische Bedeutung, die Essen als ein Stück Heimat in der Fremde für Geflüchtete haben kann. Essen – insbesondere die Kochkultur – verbindet aber auch, und das manchmal auf äußerst heitere Weise, wie nun der afrikanische Kochabend bewies.

Am frühen Freitagabend sind jedenfalls gut ein Dutzend Köchinnen und Köche zusammengekommen, die sich nun über die Rezepte aus Ghana, Tansania, Nigeria und der Karibik beugen, die Silvia Boniface sorgsam notiert und auf kleine Teams verteilt hat. Boniface hat genau wie Gwen Lamand, eine weitere Teilnehmerin, einige Zeit selbst in Afrika gelebt. Beide werden an diesem Abend vor allem den Lahrern in den Kochteams zur Seite stehen, um ihnen dabei zu helfen, die Rezepte der afrikanischen Küche richtig umzusetzen.

Allerdings: "Die scharfe Soße mache ich lieber selber, den Pfefferschotensaft sollte man sich wirklich nicht versehentlich in die Augen reiben", warnt sie vor. Mittendrin, und ziemlich ungerührt vom Gewusel in der Küche, steht Schwester Lotachi aus Nigeria – zufällig zu Besuch aus Köln – an einer der sechs Herdplatten und mischt routiniert Yamswurzelstücke mit milden Gewürzen und Spinat. Später wird daraus ein Ragout. "Ich bin seit 7 Uhr auf den Beinen, habe beim Einkaufen beraten und geholfen", erzählt sie.

Wer an diesem frühen Abend gekommen ist, um beim Kochen zu helfen, der ahnt nicht, dass ein kleines Team bereits seit den Morgenstunden im Lahrer Afrikashop und in diversen Supermärkten auf der Jagd nach den richtigen Zutaten war. Kokosmilch und Erdnüsse waren da wohl noch die leichtesten Rechercheaufgaben. Für die Yamswurzeln, diverse Gewürze und besondere Zutaten, an die kein Europäer denkt, musste es schon das Fachgeschäft sein.

Darf’s etwas Yamswurzel mit Kaimatis sein?

Indessen versammeln sich die afrikanischen "Chefköche" Yaya, Teti und Fodey erstmal gemütlich vor den Töpfen, lachen viel und bringen nebenher kaum merklich das Rindfleisch in Erdnusssoße auf den Weg. In der Küche nimmt nun das Gewusel zu. Wer keinen Platz gefunden hat, der verlagert seine Aktivitäten nach draußen auf Tische. Dort steht auch die junge Lahrerin Jessica Bothor mit einer Freundin und brütet über dem Hefeteig, aus dem später in Fett ausgebackene Beignets, sogenannte Kaimatis, werden sollen. Unter resolutem Geknete wird schließlich etwas daraus – allerdings eher die Vorstufe zu einem deutschen Hefezopf. Lamand erkennt sofort, dass der Teig flüssiger sein soll: "Da fehlt noch etwas Kokosmilch."

"Ob das noch was wird?", fragt sich Jessica. Da kommt Teti mit einem Kochlöffel, schlägt und rührt beherzt den Teig – es ist Schwerstarbeit. Nach einer halben Stunde Gehzeit machen alle große Augen: Das reicht nun für sehr viele Kaimatis. Während all dieser sprichwörtlichen Rührigkeit trudeln allmählich immer weitere Gäste ein.

"Wir warten noch auf die Syrer, die können erst später kommen", erklärt Lindner. Es ist Ramadan. Doch Fastenbrechen bei den Europäischen Tageszeiten, das bedeutet Warten bis fast 21.30 Uhr. Ab 20 Uhr treffen die ersten Syrer ein, beschäftigen sich mit dem Aufstellen der Tische und Stühle. Als es dann doch etwas lange wird, beschließt eine Abordnung der Band "The Worlderers", ein wenig afrikanische Musik zu spielen. Auf den Sesseln und Stühlen der Empfangshalle im Gemeindehaus wird es jetzt gemütlich: Man unterhält sich, tauscht sich über Umzüge, endlich gefundene Jobs oder auch Familiäres aus.

Am Ende sitzen mehr als 40 Menschen an den Tischen – Männer, Frauen, Kinder, Geflüchtete, Lahrer mit und ohne Migrationshintergrund. Und es schmeckt einfach herrlich. Jeder probiert dann auch mindestens zwei Teller. Am Ende bleibt fast nichts übrig.

Drei weitere Termine für die Kochabende sind vorgesehen. Der Unkostenbeitrag beträgt zehn Euro, Leistungsempfänger können kostenfrei teilnehmen. Anmeldung und Infos: Evangelische Erwachsenenbildung Ortenau, Tel. 0781/24018.