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09. August 2016 14:18 Uhr

Rappen ist wie eine gemeinsame Sprache

HipHop-Workshop in Lahr auch für Flüchtlinge

Die beiden Zwillinge Felix und Till Neumann haben im Lahrer Schlachthof für junge Menschen, darunter auch Flüchtlinge, einen HipHop-Workshop angeboten.

  1. Beim Rap-Workshop geht es erst einmal um die Theorie. Foto: WOLFGANG KUENSTLE               

LAHR. Die Zwillinge Felix und Till Neumann rappen schon seit 15 Jahren durch die Welt. Mauretanien, Kasachstan, Mali und die Ukraine sind nur einige ihrer Stationen. Ihr Bandprojekt "Zweierpasch" ist auf zwischenzeitlich bis zu sieben Musikern angewachsen. Jetzt waren sie auch in Lahr zu einem Workshop im Schlachthof.
Ihre Liebe zum HipHop geht einher mit einem Pädagogikstudium und der Faszination für die Sprache. Ihre Reisen dienen nicht nur dem Vernetzen von Rappern auf der ganzen Welt, sondern auch der Förderung des künstlerischen Ausdrucks bei jedem Einzelnen. Zum vierten Mal bieten die beiden einen Kurs im Rahmen des Lahrer Sommerprogramms an, der den Teilnehmern die Grundlagen des Rappens vermitteln soll.

Felix Neumann arbeitet für den Jugendmigrationsdienst der Diakonie in Lahr, der den Workshop veranstaltet. Dabei hat er auch mit Flüchtlingen aus Guinea, Gambia, Eritrea und Nigeria zu tun. Da der Zeitbegriff in diesen Ländern etwas anders ausgelegt wird, und es für einige nicht ganz so einfach ist, von ihren Unterkünften zum Schlachthof zu gelangen, fängt der Workshop nicht ganz pünktlich an.

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Jennifer Wayz, mit ihren 13 Jahren die Jüngste und das einzige Mädchen, ist unbeeindruckt von der männlichen Überzahl. Sie weiß nichts über Rap, aber sie ist in den Schlachthof gekommen, um das zu ändern.

Bubacat Djalo ist 17 Jahre, kommt aus Guinea und ist seit 18 Monaten in der Region. Seine Gastgeberfamilie hat ihn auf den Workshop aufmerksam gemacht. Seine Heimatsprache ist portugiesisch, aber er schlägt sich tapfer mit den deutschen Worten durch.

Nicht alle Kursteilnehmer sind musikalisch unbeschriebene Blätter, wie zum Beispiel Warrior Singhateh, auch Ya Ya genannt, der gerade sein drittes Album mit Reggae veröffentlicht hat. Mit seiner Gitarre gibt er den Rhythmus vor und die ersten rappen sich schon mal etwas warm.

Reime, Flow, Bass und Message

Felix und Till rappen auf deutsch und französisch, kennen aber auch viele afrikanische Sprachen, was das Eis bei den Teilnehmern schnell bricht. Als erstes sucht jeder Reime auf den eigenen Vornamen. Jenny und Felix haben es da leichter als Mohammed oder Bubacat, aber es ist eine gute Einstiegsübung. Silben und Wörter müssen auch mal gedehnt werden, damit sie passen. Wichtig ist die Beschäftigung mit der Sprache, denn "Man kann ja nicht immer Haus auf Maus reimen", so Felix Neumann. Die Folge ist eine permanente Erweiterung der Sprachkenntnisse.

Nachdem Reime für den eigenen Namen gefunden worden sind, müssen die natürlich auch vorgetragen werden. Diese Aufgabe führt die Teilnehmer schon zum nächsten Punkt, dem Flow. Die Sprachmelodie und der Takt, mit dem jeder individuell seinen Text präsentiert. Felix und Till Neumann unterstützen die jungen Menschen, für die deutsch eine schwierige Fremdsprache ist, dabei auf eine lockere Art.

Meisterstück des Tages ist das gemeinsame Rappen eines Stückes von Zweierpasch mit dem Titel "Love and Hate" – was ja bekanntlich dicht beieinander liegt. Thematisch geht es darin um viele Dinge, die den Flüchtlingen gut bekannt sind. "Together as one" – so die Überschrift des Rapworkshops, wird zwar holperig, aber mit sehr viel Gelächter und Spaß umgesetzt.

Am 17. November stellen die besten Teilnehmer ihr Werk dann im Rahmen der interkulturellen Wochen im Schlachthof vor.

Autor: Heidi Ast