Integration

Integrationsmanagerinnen fördern Selbstständigkeit von Flüchtlingen

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Di, 19. Juni 2018 um 19:00 Uhr

Lahr

Sie übersetzen Amtsschreiben in einfache Sprache oder erklären, wie man eine Haftpflichtversicherung abschließen kann: Tatjana Klauser und Ann-Kathrin Herr sind Integrationsmanagerinnen in Lahr.

Zusammen kümmern sich die beiden jeweils um 100 bis 120 Geflüchtete, die in Lahr und im Umland in Anschlussunterbringungen, also in privaten Wohnungen leben. "In der Anschlussunterbringung müssen die Menschen selbstständig werden", sagt Tatjana Klauser, die seit Oktober 2017 in Lahr arbeitet. Früher, in der vorläufigen Unterbringung, hat sie Flüchtlinge bei Arztbesuchen begleitet. Jetzt zeigt sie ihnen, wie sie eine Arztpraxis und die passende Busverbindung für die Anfahrt finden. Hilfe zur Selbsthilfe: So könnte man die Aufgabe von Klauser und ihrer Kollegin Ann-Kathrin Herr beschreiben.

Wie kommt man in Deutschland an eine Waschmaschine?

Die beiden Frauen sind beim Ortenaukreis angestellt, um in Lahr bei der Integrationsarbeit zu helfen. Ihr Büro haben sie in der Geroldsecker Vorstadt 73. Dreimal die Woche bieten sie Sprechstunden an, sind aber auch sonst sie stets per Handy oder E-Mail erreichbar. Anders ginge es auch gar nicht, erklärt Ann-Kathrin Herr, die seit Januar 2018 in Lahr arbeitet. Schließlich arbeiten einige der Geflüchteten bereits, die die 26-Jährige und ihre Kollegin betreuen.

Ein Besuch während der Sprechzeiten ist somit schwierig. Meist haben die Neubürger Fragen zu Briefen, die sie nicht verstehen, zu Anträgen auf Eltern- beziehungsweise Kindergeld oder zur Kindergartenanmeldung. Manchmal geht es auch einfach nur darum, wie man in Deutschland an eine Waschmaschine kommt. Und immer öfter geht es um komplexe Dinge wie Versicherungen oder die Steuererklärung.

"Viele der Menschen, die wir betreuen, sind schon seit drei Jahren in Deutschland", sagt Tatjana Klauser. "Die können sich äußern; sagen, was sie möchten." Deshalb sei es wichtig, den Männern und Frauen nur das nötige Handwerk mit auf den Weg zu geben, damit sie unterschiedliche Situationen alleine bewältigen können. Denjenigen, die noch mehr Unterstützung brauchen, greifen Klauser und Herr verstärkt unter die Arme. Ältere etwa, die in ihrer Heimat nie Lesen und Schreiben gelernt haben, versuchen sie durch Veranstaltungen wie das Internationale Café in Kontakt mit anderen zu bringen. Weitere vermitteln sie in Sport- und Musikvereine.

"Was wir machen, ist ein Angebot, keine Pflicht."
Ann-Kathrin HerrAuch interkulturelle Bildung und die Vorbereitung auf die Berufswelt stehen auf dem Programm: Für junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren haben die Integrationsmanagerinnen einen Workshop organisiert, bei dem es unter anderem um verschiedene Bildungswege und um den Unterschied zwischen Netto und Brutto ging. In einem weiteren Workshop waren das Grundgesetz, Mülltrennung und Konfliktmanagement Themen.

Der Großteil der Flüchtlinge, die in Lahr in einer Anschlussunterbringung leben, sind Syrer, gefolgt von Afghanen. Vereinzelt sind auch Männer und Frauen aus Iran, Irak, Eritrea, Nigeria, Somalia oder Pakistan darunter. Einen jungen Mann aus Gambia nennt Klauser als Vorzeigebeispiel für gelungene Integration: "Nach drei Jahren spricht er schon sehr gut Deutsch – sogar mit badischem Dialekt. Er hat sich richtig reingehängt, die Sprache gelernt, und jetzt eine Arbeit gefunden."

Gute Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen

Doch nicht alle geben sich so viel Mühe: "Einzusehen, dass manche Leute einfach wenig machen wollen, den Sprachkurs nicht regelmäßig besuchen, Hilfe nur begrenzt annehmen", das sei bisher die größte Herausforderung in ihrer Stelle als Integrationsmanagerin gewesen, sagt Ann-Kathrin Herr. "Man muss einsehen: Was wir machen, ist ein Angebot, keine Pflicht", sagt die Ettenheimerin. Dankend angenommen haben die Integrationsmanagerinnen die Unterstützung durch die ehrenamtlichen Helfer in Lahr und die Wohlfahrtsverbände. "Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich gut", so Herr.

Um Stellen für die Integration der Neubürger in Lahrer Anschlussunterbringungen zu schaffen, hat das Land der Kommune 243.000 Euro bereitgestellt. Das entspricht knapp vier Stellen. Zwei davon wurden mit Ann-Kathrin Herr und Tatjana Klauser besetzt. Daneben wurden ein Teamleiter eingestellt und eine weitere Integrationsmanagerin, die am 1. Juni ihren Dienst aufgenommen hat. Wie die meisten Kommunen im Ortenaukreis hat die Stadt Lahr dem Kreis das Integrationsmanagement übertragen.
Flüchtlinge in Lahr

Vorläufige Flüchtlingsunterbringung (Stand Juni 2018):
Rainer-Haungs-Straße : 205 Personen
Geroldsecker Vorstadt 73 : 31 Personen
Geroldsecker Vorstadt 81 : 33 Personen
Willy-Brandt-Straße : 68 Personen
Sulz : 16 Personen
Anschlussunterbringung (Stand Juni 2018): 251 Personen