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02. März 2012

Jimmy Page trifft Jeff Beck

Die Liveschicht Allstar Band um Henning Lehmann mit einer Hommage an die Konzertreihe.

  1. Druckvolle Rockstimme und großes Organ der Liveschicht Allstar Band: Henning Lehmann Foto: Ch. Breithaupt

LAHR. Es war so wie früher in der Liveschicht, und durch die Idee der Liveschicht Allstar Band sogar noch einen Tick besser. Hennig Lehmann – einer der Top-Rocksänger der Region – hat die Liveschicht im Schlachthof wiederbelebt. Nun setzten er und seine Rockkumpels dem noch eine dicke fette Sahnehaube auf. Bekannte Musiker der Region, darunter Lehmanns langjähriger Partner Axel Deyda, bildeten sessionmäßig und ohne eine einzige Probe im Vorfeld eine Liveschicht-Band. Sie bot am Mittwoch Rock’n’Roll, Blues’n’Boogie plus drei, vier Balladen in stets wechselnder Besetzung. Die Begeisterung des dichtgedrängten Publikums im Schlachthof – alle alten Fans der Liveschicht von früher waren da – kannte keine Grenzen.

Eröffnet wurde der Abend mit eher leisen Tönen. Lehmann und der Pianist Patrick Babak, der in Oberkirch ein Aufnahmestudio hat, boten eher intime Sachen, etwa "Easy" von den Commodores oder Lou Reeds "Perfect Day", verbunden mit zwei Songs aus der aktuellen CD von Babak. Der Mann hat eine intensive Art zu singen, und sein Stück "Until The Day" ist eindringlich und hymnisch, voller emphatischer Aufschwünge und Aussagen – schöne Popmusik, die ins Ohr geht und dort bleibt. Henning Lehmann, rhythmisch unterstützt von seinem Sohn Luca Lehmann, bot Selbstgebautes in Deutsch, Titel: "Schau die Kinder, wie sie gehen". Der Song ist leicht folklastig, setzt sich mit dem Thema Kinder und Krieg auseinander. Obwohl Lehman eine "gehobene" lyrische Sprache benutzt, keine Alltags- und Szeneausdrücke verwendet, wirkt das Lied nicht aufgeblasen, was mit an Henning Lehmanns Integrität als Rockmusiker liegt.

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In Teil zwei ging es dann zur Sache, unter anderem mit Nummern von ZZ Top. Das Riff von "Tush" kam aufreizend, Hennig Lehmann sang mit druckvoller Rockstimme und großem Organ. Richtig spannend waren die Gitarrenduelle zwischen Deyda und Thomas Sauter. Sauter war zumindest anfangs kaum zu bremsen, bot fast schon zu viel an Licks und Tricks, wobei andererseits die Spiellaune, das zitieren von Stilen, von Bluesläufen und Boogie-Riffs dem Abend gerade das Lustvolle gaben. Sauter ist eher der Typ, der nach vorne geht mit der Gitarre, der Explosive, der Jimmy Page der Allstar Band, wenn man so will. Deyda ist dagegen eher ihr Jeff Beck, überlegt und eher introvertiert.

Zu den Glanzstücken des Abends gehörte "Rebel Rebel" von David Bowie – irre, wie Deyda diesen Gitarrenriff mit dem sirrenden Oberton hinlegte – und "All The Young Dudes", grell, schräger Sound bei schrägem Song. Bei diesem dritten Part des Abends war der Freiburger Saxophonist Nikolaus Halfmann mit auf der Bühne und bot teils wild-ekstatische Soli, teils schöne geradlinige entspannte Sax-Sounds. Sauber und druckvoll war die Arbeit von Bassmann Markus Moser und Drummer Jürgen Spänle, dem Rhythmusrückgrat von Orange Cue. Klar, dass ein derart launiger Jam-Abend sich zur Wiederholung empfiehlt.

Nächsten Mittwoch kommt eine Rocklegende zur Liveschicht: Dieter Bornschlegel, in den 1970ern Gitarrist bei Atlantis, der Band von Inga Rumpf.

Autor: Robert Ullmann