Duo

Lahrer Musiklehrer und ein Flüchtling singen zusammen gegen Vorurteile

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 03. August 2018 um 16:44 Uhr

Lahr

Sorian Flydd feat. Warrior Singhateh, das sind der Lahrer Musiklehrer Florian Schmid und der gambische Flüchtling Yaya Singhateh. Sie singen gemeinsam gegen Vorurteile.

Hinter dem Künstlernamen Sorian Flydd feat. Warrior Singhateh verbergen sich der Lahrer Musiklehrer Florian Schmid und der gambische Flüchtling Yaya Singhateh. Sie haben gemeinsam den Song "Sticky Pulp" aufgenommen, der zeigen soll, was miteinander alles möglich ist und das ohne Vorurteile.

Der Musiker Florian Schmid ist Lehrer an der Städtischen Musikschule Lahr, Yaya "Warrior" Singhateh ein Flüchtling aus Gambia, der in seiner Heimat bei der Flugsicherung beim Militär gearbeitet hat. Fliehen musste er nach seinen Angaben, weil er als Mitglied der African Peace Troopers die Verhaftung eines Arbeitskollegen verhindert habe und somit ins Visier der gambischen Geheimpolizei geraten sei. Derzeit wohnt er in Friesenheim und hat einen anerkannten Aufenthaltsstatus. Yaya Singhateh absolvierte den Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten.

Florian Schmid war sich schnell bewusst, wie talentiert Singhateh ist

Der Förderkreis der Musikschule ermöglichte es Yaya Singhateh, Gitarrenunterricht bei Florian Schmid zu nehmen. Dem Musiklehrer sei schnell bewusst geworden, über welches Potenzial der Gambier verfügt. "Es macht einfach Spaß, mit Yaya zu arbeiten. Leidenschaftlich geht er an das Thema Musik ran und zeigt keine Hemmungen." Der Gambier hat schon in Afrika Musik gemacht und aufgenommen und durfte seine Reggaetexte über fertige Kompositionen von Florian Schmid legen. Dabei entstand die Idee, einen Song zu produzieren, der nach zwei Wochen fertig war.

Ihren ersten gemeinsamen Song finanzierten sie über Crowdfunding

Durch ein Crowdfunding-Projekt haben die beiden mehr als 4000 Euro gesammelt und konnten ihren Song "Sticky Pulp" produzieren und veröffentlichen. Da Florian Schmid in der Gastronomie groß geworden ist, kam die Idee, als Dankeschön ein Kochvideo zu produzieren. Gekocht wird das gambische Nationalgericht Domoda. Bei der Kommunikation gebe es im Übrigen keine Probleme. Zu Beginn sprachen sie noch Englisch miteinander, später Deutsch, nachdem Yaya Singhateh Deutschkurse besuchte.



Schmid und Singhateh wollen mit ihrem Song erreichen, dass mehr Menschen in Deutschland mit Flüchtlingen zusammenarbeiten und kommunizieren. "Mir sträuben sich die Haare, wenn ich sehe, dass fast nur negative Schlagzeilen über Flüchtlinge veröffentlicht werden", sagt Schmid. Er kritisiert das Verhalten ihnen gegenüber – Vorurteile würden nicht das widerspiegeln, was die Mehrheit an Flüchtlingen ausmache. Sein Wunsch ist, dass Menschen auf andere zugehen, einander kennenlernen und zusammenarbeiten – in der Hoffnung, das noch mehr solcher Projekte erfolgen. Ihre eigenen Zukunftspläne als Musikduo sind offen: "Wir schauen, wie der Song bei den Leuten ankommt und planen dann weiter. Derzeit üben wir zusammen weiter", erzählt Schmid.



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