Stiftsschaffneikeller

Lahrer Kultband IFE United rockt auch nach 50 Jahren Bandgeschichte

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mo, 09. April 2018 um 11:05 Uhr

Lahr

Fetzige Töne, die vor 50 Jahren honorige Bürger in Entrüstung versetzen konnten, sorgen im Stiftsschaffneikeller für Nostalgie. Die Lahrer Kultband IFE United rockten im Stiftsschaffneikeller.

Für einen ausverkauften Stiftsschaffneikeller hat die Lahrer Kultband IFE United am Samstagabend gesorgt. Mit ihrem Konzert haben sie gezeigt, dass sie auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch einen ganzen Saal voller Leute begeistern können.

Ab 50 wird’s ernst. Das gilt für Otto Normalo genauso wie für die Band IFE, die ihre ersten Auftritte im schicksalhaften Jahr 1968 hingelegt hat: Dann wird dem über der Bühne hängenden Banner schnell noch ein goldener Lorbeerkranz mit der Zahl beigegeben, und bevor man loslegen darf, spricht sogar der Stadthistoriker Thorsten Mietzner ein paar weise Worte. Die aber in diesem Fall recht launig, unverkrampft und nicht ohne eine gute Portion Stolz rüberkommen – dem Umstand angepasst, dass es hier nicht um Steine oder Scherben geht, sondern um ein Stück Legende gewordene Jugendkultur und um fetzige Töne, die damals, vor 50 Jahren, noch dazu angetan waren, honorige Bürger in Entrüstung zu versetzen.

Genau diese Töne versetzen heute die zu honorigen Bürgern gewordenen früheren Aufmüpfigen in nostalgische Ekstase: den Zahnarzt, der am Keyboard sitzt und in die Tasten klopft, den Apotheker, dem es nichts ausmacht, für den Musikgenuss auf kalten Treppenstufen zu sitzen, den Architekten, der sich lässig ans Geländer lehnt – um mal ein paar Beispiele zu nennen. Und dann treten sie mit einem gehörigen Trommelwirbel (dynamisch produziert von Drummer Horst Munz) ins Rampenlicht: zuerst die "Jungs" – Wolfgang "Ede" Lauer am Bass, Roland Zitzlaff an den Tasten, und der eigens aus Kanada eingeflogene Sänger Doug Grose. Natürlich nicht zu vergessen der Junior der Truppe, Gitarrist Stefan Maier, der die Anfangszeiten der Band noch nicht live miterlebt haben dürfte, weil zu jung. Mit dem ersten Song geben sie auch gleich eine Art Statement ab: "Keep on running – Wir sind noch im Rennen".

Diese Frau hat Ausstrahlung

Zum zweiten Song gesellt sich das "Mädel" Isolde Wawrin dazu. Das als Frontfrau auch nach 50 Jahren noch eine super gute Figur macht: kess im schwarzen Minirock, dazu ein lässiges Shirt mit tiefem Dekolleté, das Ganze getoppt durch eine frech-görenhafte Frisur mit wippendem Pferdeschwanz – von ihr geht immer noch eine Ausstrahlung aus, die in keiner Weise peinlich wirkt und man fragt sich, warum zu Werbezwecken immer noch auf das alte Foto zurückgegriffen wird, das die Gruppe auf dem legendären Ochsenkarren für den Fernsehbeitrag zeigt. Denn echt, diese Band kann sich durch die Bank sehen lassen. Und hören natürlich auch.

In gut drei Stunden Spielzeit lassen sie es laufen wie geschmiert: von den groovigen Tasten-Intros über die mit Leichtigkeit dahin grummelnden Bassläufe, das punktgenaue Trommelknacken bis zu den präzise fließenden Gitarrenlicks – macht alles Laune und sichtlich allen Spaß. Auch der Gesang passt: "s’ Mädel" lässt ihre normale Singstimme in "Season of the Witch" zum wild hexenhaften Fauchen werden oder gibt bei "Minnie The Moocher" die Sirene. Ede Lauer dagegen raspelt und röhrt tief kehlig-soulig, während Doug mehr für die Höhen zuständig ist und bei "Little Sister" sogar echtes Elvis-Timbre durchscheinen lässt. Fazit: IFE sind einfach ein Erlebnis!