Leise Töne im kühlen Keller

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 16. Juli 2018

Lahr

Mediatives Heidepriem-Trio.

LAHR. Für ihre aktuelle CD "Silence in Motion" wurde das Lucas Heidepriem-Trio allseits hoch gelobt. Innovativer Jazz, der so durchdacht ist, dass er wirkt wie ein Klassiker. Ruhige, detailgenaue, aber nie verkopfte Improvisationen, in die die Zuhörer sich meditativ fallen lassen können, die aber auch beim aufmerksamen Zuhören faszinieren. Am Freitagabend gastierte das Lucas-Heidepriem-Trio im Lahrer Stiftsschaffneikeller vor gut vierzig Zuhörern – eine echte Leistung, wenn man bedenkt, dass zeitgleich Gregor Meyle auf der Landesgartenschau und ein lauer Sommerabend auf dem Balkon lockten. Dass es sich dennoch gelohnt hat, in den kühlen Keller zu kommen, bezeugten die Zuhörer mit rauschendem Applaus nach zwei Stunden Konzert. Dabei hat es der Freiburger Pianist dem Publikum anfangs nicht leicht gemacht. Den nicht den Ansprüchen klassischer Konzerte entsprechenden Flügel verstärkt Heidepriem elektronisch. Beides zusammen schmerzt bei harten und lauten Anschlägen – gut, dass er eher ein Meister der leisen Töne ist. Und einer, der sich bewusst von der "Nervosität des Jazz" entfernt, Töne sparsam setzt, Pausen auskostet, nachhorcht.

Das schönste Stück im ersten Set war eine Uraufführung und fiel gewissermaßen aus dem Rahmen: "Soundproofing" ist ein wilder Wirbel um ein orientalisch anmutendes Motiv, das über Tonarten hinweg immer schneller und lauter durchgeführt wird und sogar im Schlagzeug wieder aufzutauchen scheint.

Erst zum dritten Mal spielt Lucas Heidepriems Sohn Michael im Trio mit. Er war bereits mit der Band "Otollo4" und mit "Neele and the Sound Voyage" in Lahr zu hören. Damit geht die Musikerfamilie Heidepriem in die dritte Generation. Michael Heidepriem produziert keinen Rhythmusteppich, sondern klar akzentuierte Beiträge zum Gesamtklang, der maßgeblich auch vom dritten Mann auf der Bühne, dem Kontrabassisten Thomas Stabenow bestimmt wurde, der als Vertretung für die Stammbesetzung Johannes Schaedlich agierte. Stabenows kreativer Umgang mit den Kompositionen von Lucas Heidepriem zeugte von tiefem Einverständnis. Aber auch bei den – wenigen – Standards, die sich das Lucas Heidepriem Trio einverleibt, bleibt die Handschrift ganz eigen.