Lieber einen Schluck Frauengold als das Simplify-your-Life-Gegängel

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 21. März 2017

Lahr

Das Frauenmusikkabarett Frauengold aus Herrenberg singt im Stiftsschaffneikeller über die Wut der Doppelbelastung und trinkt sich die Männer schön.

LAHR. Frauenkabarettabend mit vielen Männern im Publikum – das geht wohl nur, wenn die Veranstaltung nicht am Internationalen Frauentag, sondern zehn Tage später angesetzt ist. So hatte es der Lahrer Kulturkreis gemacht und das Kabarett-Duo "Frauengold" aus Herrenberg in den Stiftsschaffneikeller eingeladen.

Volles Haus, beste Stimmung – und das, obwohl das Publikum den 50er Jahre-Stimmungsaufheller "Frauengold" gar nicht zu trinken bekam. Dem als Stärkungsmittel verbrämten Schnaps, mit dem Frauen ihre Wut über Doppelbelastung wegdröhnen und sich den Mann schön saufen konnten, spricht zu Beginn des Abends die selbstbewusst daherkommende "spätberufene Sängerin Margot Finkbeiner" zu. Eine Rolle, die die Herrenberger Frauenbeauftragte Birgit Kruckenberg-Link hervorragend ausfüllt. Mit Originalzitaten aus dem "Handbuch der guten Ehefrau" wird das Publikum daran erinnert, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zwar immer noch nicht verwirklicht ist, sich aber in den vergangenen 50 Jahren doch einiges getan hat. Die singende Margot jedenfalls steht zu ihren Fehlern und ihren Hitzewallungen und stellt fest, dass die Wechseljahre auch ihr Gutes haben: "Ich will es gar nicht mehr allen recht machen", sagt sie, und dichtet den Charles Aznavour-Hit "Du lässt dich gehn" positiv um.

An dieser Stelle hat sie auch ihre Partnerin, die verklemmte Pianistin und Spätfeministin Dr. Renate Geigenhals (Susanne Geiger) so weit, dass diese sich von blödsinnigen Esoterik-Ratschlägen und Simplify-your-Life-Parolen nicht mehr gängeln lässt, sondern mit einem Schlückchen Frauengold den Mut fasst, das graubraune Kostüm abzustreifen und zusammen mit Margot vierhändig die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen anzustimmen. Die beiden bleiben nicht lang beim Original, sondern jazzen drauf los. Beide sind sehr gute Pianistinnen, Sängerinnen, Komikerinnen. Manches wird ein wenig lang ausgetappt in diesem Programm, das später aber immer prägnanter, stimmiger, sogar politischer wird.

Die meisten Texte sind in selbst geschrieben, ein paar Märchenparodien haben sie von Roald Dahl (Übersetzung: Harry Rowohlt) übernommen und wunderbar schräg dargeboten. Eine tolle Mischung, die immer wieder für Überraschungen sorgte, ob mit dem neu getexteten Udo-Jürgens-Schlager "Und immer wieder geht die Sonne auf" oder der frauenpolitischen Version des Kirchenlieds "Danke". Das Publikum sagte mit reichlich Applaus Danke für einen unterhaltsamen Kabarettabend.