Matthias Deutschmann ist wieder da

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Mo, 24. September 2018

Lahr

Der Freiburger Kabarettist tritt mit seinem Programm "Wie sagen wir’s dem Volk?" im Lahrer Stiftsschaffneikeller auf.

LAHR. "Er ist wieder da" – war das ein Lapsus oder ein Stichwort? Die Begrüßung im Stiftsschaffneikeller durch den Kulturkreisvertreter hat den Kabarettisten Matthias Deutschmann zwar "ganz platt" gemacht, dem schlagfertigen Profi aber auf jeden Fall eine Steilvorlage für den Auftritt geliefert.

Zum achten Mal in Lahr, sieben Mal davon im Stiftsschaffneikeller, nahm der "Mann mit dem Cello" aus Freiburg den Ball sofort auf. "Er ist wieder da", die gruselig-komödiantische Geschichte der Wiederauferstehung Adolf Hitlers im Jahr 2015, zählt zu den Schatten, die sich mit dem Aufstieg des Gebräus von Rechtsextremen, rechten Populisten und Wutbürgern über die Republik gelegt haben. "Wir müssen sensibler werden", mahnt der vor einer Woche 60 Jahre alt gewordene gebürtige Pfälzer, der vor fast 40 Jahren in Freiburg mit dem Ensemble "Schmeißfliegen" die ersten kabarettistischen Auftritte hatte.

Sensibler werden? Warum und wie? "Eine Verrohung ist im Gange", raunt der Meister der bissigen Pointen zu gezupften und getupften Cello-Tönen. "Ich sollte mal bald mit dem Programm anfangen" ruft er sich zur Ordnung nach einem kopfschüttelnden Streifzug durch die aktuellen Absurditäten der Politik, die es dem Kabarettisten keineswegs einfacher mache. "Das Ende ist Nahles" – "Merkel, die schwarze Witwe der CDU" oder die "Gebärmutti der AfD" – "Steinmeier, das Schlossgespenst von Bellevue, das mit den Ketten der Nachdenklichkeit rasseln darf", der Verfassungsschutz als "völkischer Beobachter" – was soll man noch sagen? Kaum ist etwas passiert, ist schon wieder etwas Neues da, man kommt nicht nach. "Es ist so schön recht zu haben".

Aber wie geht man mit der rechten Welle um? So wie der grandios gescheiterte SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz, der die AfD auf den Misthaufen der Geschichte brüllen möchte? Und dabei übersieht, dass es sich exakt um ein Produkt des Misthaufens der Berliner Republik handelt. "Mit der Nazikeule die AfD aus dem Bundestag wedeln", das werde so nicht funktionieren, sagt Deutschmann. "Runter kommen" müsse man, weg von den "überhitzten Diskussionen, dieser leichten Erregbarkeit", die durch die Medien wabert und auch von überdrehter Meta-Satire, die sogar außenpolitische Krisen auslösen kann. "Die alte Republik ist weg" sinniert Deutschmann mit einer Mischung aus Wehmut und beißender Ironie. Die alte Republik, in der ein Kanzler Helmut Kohl "arbeitslose Lehrer zu Kabarettisten gemacht" habe, in der dem "Kaiser" Beckenbauer am Kaiserstuhl "Kinder zum Segnen gereicht" und Fernsehshows mit Camillo Felgen und Hans-Joachim Kulenkampff im Familienkreis goutiert wurden. "Mit Adolf Hitler als Bruno Ganz" im Bunker-Drama "Der Untergang" habe es angefangen, grämt sich Deutschmann und ist "wieder da" bei seiner Vorstellung.

"Runter kommen", verlangt Deutschmann noch einmal. "Wie sagen wir’s dem Volk?" heißt sein Programm. Aber welchem Volk? "Deutschland, wo soll das liegen?" habe schon Goethe gefragt. "Es kracht in allen Fugen". Ob Kanzlerin Merkel den Laden noch zusammenhalten kann? Gerhard Schröder sei zum Abschied "I did it my Way" gespielt worden. Und was passe einmal zu Merkel? "Weiße Rosen aus Athen"? Er dagegen werde womöglich erneut ein weiteres Mal in Lahr "wieder da sein", schließt Deutschmann unter großem Applaus.