Netzwerkerin

26-Jährige ist neue Flüchtlingsbeaufragte der Stadt Lahr

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Fr, 22. Juni 2018 um 16:20 Uhr

Lahr

Lahr hat eine neue Flüchtlingsbeauftragte: Charlotte Wolff besetzt seit Anfang Juni die Stelle, die längere Zeit vakant gewesen war. Die gebürtige Freiburgerin soll Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche sein.

Sie vermittelt Kontakte zum Dolmetscherpool und weiteren wichtigen Anlaufstellen, begleitet Projekte von Ehrenamtlichen und unterstützt, wenn Schwierigkeiten auftreten: Charlotte Wolff ist offiziell die "Zentrale Ansprechstelle in Flüchtlingsfragen" der Stadt Lahr. Sie kennt sich aus mit den Zuständigkeiten, weiß, wer sich um was kümmert. Ruft in ihrem Büro im Mehrgenerationshaus am Urteilsplatz etwa ein Flüchtling an, verweist sie ihn an die Integrationsmanagerinnen des Landratsamts. Deren Funktion ist die aufsuchende Arbeit, also die Unterstützung von Geflüchteten im direkten Kontakt.

Die 50-Prozent-Stelle der Flüchtlingsbeauftragten bei der Stadt Lahr wurde bereits 2016 geschaffen, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Sie wird vom Land mit 52 500 Euro gefördert und war ursprünglich auf drei Jahre angelegt. Weil die Position zuletzt einige Monate vakant war, wurde der Förderzeitraum zunächst bis März 2019 verlängert.

2016 war auch das Jahr, in dem Charlotte Wolff beschloss, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Angela Merkels berühmter Satz "Wir schaffen das" habe sie dazu bewogen, mit anzupacken: "Ich dachte mir: Wir schaffen das – aber nur, wenn jeder was tut." Noch während ihres Studiums der englischen Kultur- und Literaturwissenschaft in Freiburg begann Wolff, Deutschkurse für Flüchtlinge zu geben. Nach Lahr und zum Freundeskreis Flüchtlinge kam sie "aus romantischen Gründen", wie sie sagt. Ihr Freund wohnt in Lahr, inzwischen ist auch sie hergezogen.

Verbesserungsbedarf bei der Vermittlung in Wohnungen

Dass sie den Freundeskreis Flüchtlinge und weitere Institutionen durch ihr ehrenamtliches Engagement bereits kennt, helfe ihr in ihrer neuen Funktion, sagt die 26-Jährige. "Ich habe nicht komplett bei null angefangen, hatte schon einen groben Überblick." In den ersten zwei Wochen in ihrem neuen Job hat Wolff aber bereits gelernt: "Es gibt tatsächlich viel mehr ehrenamtliche Helfer, als ich dachte. Auch unabhängig vom Freundeskreis Flüchtlinge engagieren sich viele, zum Beispiel in der Stadtmühle, im Dolmetscherpool oder im Internationalen Café."

Das große Netzwerk aus Ehrenamtlichen sei ein Faktor, der die Integration von Geflüchteten in Lahr begünstige. Ein weiterer: Durch die Kanadier und die Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion habe die Stadt Erfahrung mit Integration. Verbesserungsbedarf sieht Wolff bei der Vermittlung von Geflüchteten in Wohnungen. Vermieter begegneten den Neubürgern oft mit Skepsis. Diese Bedenken müssten beseitigt werden.

Und Wolff hat schon eine konkrete Idee, wie das funktionieren kann: Zusammen mit dem Sozialdienst des Landratsamts will sie das Projekt Wohnungsführerschein in die Wege leiten. Dabei werden Flüchtlingen zum Beispiel die Mülltrennung und Regeln im Zusammenleben mit anderen erklärt. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat, das sie dem Vermieter vorlegen können. "Das ist quasi der Beleg, dass sie wissen, was die Kehrwoche ist", schmunzelt die Flüchtlingsbeauftragte.
Flüchtlinge in Lahr

353 Flüchtlinge leben in Lahr in der vorläufigen Unterbringung, 251 in der Anschlussunterbringung. Um ihre Integration zu fördern, wurden mehrere Stellen geschaffen: Neben der Flüchtlingsbeauftragten gibt es bei der Stadt auch einen Integrationsbeauftragten. Er kümmert sich nicht nur um Geflüchtete, sondern generell um Menschen mit Migrationshintergrund. Außerdem hat das Landratsamt drei Integrationsmanagerinnen eingesetzt. Sie unterstützen Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung.