Tag des Hundes

Neufundländer zeigen im See der Lahrer Landesgartenschau ihre Kraft

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

So, 03. Juni 2018 um 17:21 Uhr

Lahr

Neufundländer sind geborene Schwimmer, haben sie doch zwischen ihre Zehen Schwimmhäute wie Enten. Wie sie im Ernstfall Leben retten, bewiesen sie bei Demonstrationsübungen.

LAHR. Ein feucht-fröhliches Vergnügen haben die Maitres Chiens des Sauveteurs Aquatiques Secouristes Terre-Neuve am Tag des Hundes im Seepark der Landesgartenschau gehabt. Vor der Seeparkbühne war die Interessengemeinschaft Wagenziehen aus Nagold mit ihren Berner Sennenhunden. Im Mittelpunkt: der Hund als Arbeitstier. Die Besucher der Landesgartenschau waren begeistert von den Lebensrettern auf vier Pfoten.

"Die Neufundländer am See waren echt cool", sagt die LGS-Besucherin zu ihrem Begleiter. Beide kommen aus Pforzheim und sind eigentlich auf dem Weg zum Pflanzenmarkt, als 60 Kilo Muskel im Dienst des Menschen Kraft, Gehorsam und Schwimmfähigkeiten unter Beweis stellen durften. Zudem können sie ihren Rachen schließen, damit bei geöffnetem Mund kein Wasser eindringt.

Das und die Tatsache, dass das Fell wasserabweisend ist, machen Neufundländer zum ausgesprochenen Wasserrettungstier. Sie sind beim französischen Katastrophenschutz auch als Such- und Rettungshunde im Einsatz. Während die zwölf Hunde mit Feuereifer dabei sind und Menschen aus misslichen Lagen im Seepark retten, erklärt Marie-Gabrielle Houterbach die Vorzüge der Neufundländer. Mit einem Eigengewicht von plus-minus 70 Kilo können sie bis zu acht Tonnen Gewicht schleppen. Mehrere Stunden zu schwimmen macht ihnen nichts aus. Im Gegensatz zu ihren Artkollegen anderer Rassen schwimmt er mit allen vier Pfoten. "Ein Neufundländer strampelt nicht hektisch im Wasser, sondern gleitet wie ein Krokodil", sagt ein Maitre.

Bevor sie in den Einsatz gehen, müssen sie erst im Wasser an die Temperatur gewöhnt werden. Hilferufe aus dem See, der Maitre zieht seine Flossen an, der Hund wartet am Ufer und auf Kommando folgt er seinem Maitre, um in Not geratene aus dem Wasser zu retten. Beharrlichkeit zeichnet den Neufundländer aus, der schon allein seinem Herrchen zuliebe den Rettungseinsatz nicht unterbrechen würde. Einem Hund sei dies auf Korsika zum Verhängnis geworden, weiß Marie-Gabrielle Houterbach. Vier Strandurlauber seien trotz roter Flagge im Mittelmeer ins Wasser. Der Neufundländer habe alle sicher ans Ufer gebracht, doch die letzte Welle habe den Retter auf vier Pfoten ins Meer rausgezogen.

Dass ein gutmütiger Neufundländer auch einen Dickkopf haben kann, bewies einer bei einer Rettungsaktion. Der Hund wählt immer den kürzesten Weg ans Ufer. Allerdings schwappte da zwischen Schilf und Ufer eine dicke fette Algenschleimschicht. Erst als der Maitre durchschwamm, folgte der Hund. Die Zuschauer bekamen ihren Teil ab. Nach jedem Badegang schütteln sich die Hunde zirka 20 Liter Wasser aus dem Fell. Gelegentlich gab’s eine kostenlose Dusche. Auch die Berner Sennenhunde scharrten nach getaner Arbeit mit den Pfoten und zogen ihre Besitzer Richtung kühles Nass. So mancher Karrenhund war so begeistert, dass er auch einen Einsatz als Rettungsschwimmer haben wollte.

Doris Braun weiß um die Lust auf See bei ihrem Hund. Berner Sennenhunde waren einst die "Pferde der armen Leute" und wurden im 18./19.Jahrhundert zum Teil bis ins 20. Jahrhundert als Karrenhunde eingesetzt. Sie zogen Milchkannen zu den Käsereien, auch ohne Begleitung. Zwar sind die Hunde der IG Wagenziehen keine echten Arbeitstiere mehr, doch die Hundebesitzer wollen ihren Hunden eine Beschäftigung der anderen Art anbieten. In der Schweiz gibt es noch heute Kleinbauern und Händler, die Berner Sennenhunde vor den Karren spannen. "Es sind aber keine Schlittenhunde", sagt Peter Braun. Viel Geduld auf der einen, und viel Gehorsam auf der anderen Seite sind nötig, bis beide harmonieren.