Stiftsschaffneikeller

Olaf Bossi: Heiteres vom Harmonischen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 20. November 2017

Lahr

Olaf Bossi in Lahr.

LAHR. Olaf Bossi ist "harmoniesüchtig". Der Name seines zweiten Soloprogramms passt gut zu den autobiografisch geprägten Songs, die der 46-jährige Liedermacher aus Stuttgart am Samstagabend im Lahrer Stiftsschaffneikeller präsentierte.

Vor anderthalb Jahren war Bossi, der Anfang der 90er ein paar Happy-Techno-Hits gelandet hatte und heute sein Geld unter anderem als Schlagertexter (Vanessa Mai, Beatrice Egli) verdient, schon einmal beim Kulturkreis aufgetreten. Schon damals war er "Glücklich wie ein Klaus", diesmal ging es vor allem um den nur von kleinen Problemchen gestörten Alltag einer Familie mit Kleinkindern. Bossi erzählt von seinem Heiratsantrag und durchwachten Nächten, von Erziehungsproblemen und von der Sorge um angelassene Bügeleisen und nicht geschlossene Fenster.

Die rund 30 Zuhörer in Lahr waren als Zielpublikum nicht so ganz geeignet, bei den meisten ist die Lebensphase mit endlos wiederholten Schlafliedern am Kinderbett schon ganz schön lange her. Für die Frage, ob sich für Rentner eine Prostata-Operation noch lohnt, wo sie doch "genügend Zeit haben, pinkeln zu gehen", liegt da schon näher. Olaf Bossis Vorschlag, die Krankenkassen durch Werbeblocks vor Notarzteinsätzen zu sanieren, sorgt für Heiterkeit, genau wie seine Erfahrungen im "Stauauauauau", die er in der Tradition von Insterburg und Co oder Fredl Fesl vom Publikum mitsingen lässt und absurd überdreht zu Ende denkt.

Musikalisch bleibt es bei handwerklich solider, aber biederer Akkordbegleitung, sprachlich lässt sich Bossi in seinen Liedern einiges einfallen. In "Zen Dinge auf einmal" karikiert er die Achtsamkeits-Moden, deren Ausübung zu neuem Stress führt, und so mancher Song endet in einer Pointe. Da beklagt sich der Mann über die Schuh-Sammelei – und die damit verbundenen Kosten – bei seiner Frau, nur um ganz zum Schluss zu gestehen, dass er sich ein neues Auto bestellt hat.

Bossi schlägt durchaus auch mal gesellschaftspolitische Töne an, aber insgesamt geht es eher um Lebensweisheiten wie die Erfahrungen der Großelterngeneration, dass Ehen deshalb halten, weil man sich einfach nie getrennt hat – trotz allem. Kein begeisternder, aber ein durchaus harmonischer Abend. Freundlicher Applaus, zwei Zugaben.