Dammenmühle

Rhinwaldsounds in Lahr: Fetzige Dorfhymnen von sehr jungen Nostalgikern

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 30. März 2017

Lahr

Die Band Rhinwaldsounds gibt vor einer halbjährigen Auftrittspause in der Lahrer Dammenmühle ein umjubeltes Konzert.

LAHR. "Gützeli" rufen die Fans von Rhinwaldsounds, als die Band beim Konzert in der Lahrer Dammenmühle nach vier Zugaben behauptet, sie hätte keine Songs mehr. Sie wollen Dominik Büchele & Co. nicht ziehen lassen – kein Wunder, denn es wird ein halbes Jahr dauern, bis die Rhinwaldsounds wieder auftreten.

Frontmann Büchele geht auf eine Wanderung durch die USA, von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada! "Jetzt oder nie" hatte er sich gesagt, und begründet seine Auszeit mit Abenteuerlust und Neugier. Der junge Mann, der in seinen Liedern den Heimatort Kappel, badischen Wurstsalat und "Schorli wiss-sür" besingt, freut sich aber auch darauf, "neue musikalische Einflüsse" aufzunehmen. Seine Bandkollegen von "Rhinwaldsounds" und "Umleitung" seien "deshalb nit bees", versichert Büchele im Pausengespräch, und im Herbst soll es ja weitergehen. Dann ist es auch nicht mehr lang bis zur Fasent, bei der die Rhinwaldsound-Songs besonders gut ankommen. Am Montagabend in der Dammenmühle wirkte ein Song über öffentliche Toiletten ("Heimscheißer") aber dann doch etwas deplatziert. "Soll ich sowas wirklich singen" hatte Büchele sich schon früher gefragt – er sollte es nicht, denn die Empfehlung, das "auf keinen Fall Ernst zu nehmen", hilft nicht wirklich weiter.

Was die Rhinwaldsounds allerdings sonst so bringen, passt wunderbar: Ein bisschen moderne Heimatromantik mit "So ä Dag am Rhin", ein wenig Nostalgie (Kindergarte, Friher war alles besser), und ein modernes Prosit-Lied wie "Holahi, Holaho, mir sind nur zum suffe do", das kommt an beim Publikum, teils die Texte mitsingen kann. Großer Pluspunkt ist die (Umleitung-)Band, die den vier Rhinwaldsounds-Sängern eine mitreißende Grundlage bietet. Mirko Büchele am Piano, Mathieu Schmitt (Bass), Silas Benz (Drums) sind mehr als ein Backing. Dass die 20- bis 25-jährigen Sänger allerdings schon in Jugenderinnerungen schwelgen, mag ältere Semester verwundern. Jedoch "Dinos geil" finden und "Schuhe mit Klettverschluss und blinkenden Sohlen" – das liegt auch bei ihnen schon ein paar Jahre zurück. Der Gesang ist teils mehrstimmig, die Laune bestens, der Rhythmus mitreißend und die Atmosphäre sympathisch.

Die Jungs kokettieren auch mal damit, dass sie mit dem ein oder anderen Song Chancen bei SWR 4-Hörern hätten.

Die Mitsing-Aktionen mit dem Publikum funktionieren ohne irgendein Fremdeln sofort, die Stimmung steigt, aber auch die leiseren Töne, ja, die gibt es auch, kommen gut an. Rhinwaldsounds beschreiben ihr Dorf, in dem immer einer der "Heizer" mit dem frisierten Mofa ist, und man am Feiertag nach Frankreich zum Super-U einkaufen und tanken fährt. Das Publikum verabschiedet Rhinwaldsounds mit Riesenapplaus und Wehmut.