"Schee – und a bisserl weh"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Fr, 27. Januar 2017

Lahr

Das Barbara Höpler-Trio operiert auf der Bühne des Lahrer Stiftsschaffneikellers am offenen Herzen des Mainstream-Pop.

LAHR. Sind das noch Cover-Versionen, oder verändert das Barbara Höpler-Trio die Songs von Radiohead, Michael Jackson, Britney Spears und Prince so stark, dass schon etwas ganz Eigenes entsteht? Diese Frage stellte sich am Samstagabend im übervollen Lahrer Stiftsschaffneikeller mehr als einmal.

Man kennt die meisten der Titel im fast zweistündigen Konzert des Trios, doch klingen sie seltsam verfremdet. Die billige Erotik von Britney Spears "Toxic" verwandelt sich in ein von akustischen Nebelschwaden-umwehtes Geheimlabor der giftigen Liebestränke. Das schwer in die Jahre gekommene "Big in Japan" von Alphaville, das 1984 mit seinen elektronischen Klängen so avantgardistisch wirkte, bekommt in der radikal reduzierten Version mit Gesang und Gitarre eine neue, klassische Anmutung. Wie schafft das Trio es, sich diese so unterschiedlichen Titel anzuverwandeln? Da ist zum einen die Besetzung: Tobias Kopf an der akustischen – und zwischendurch auch mal an der elektrischen – Gitarre, der auch für die meisten Arrangements verantwortlich zeichnet, hat nichts übrig für Standard-Begleitung. Er setzt virtuose Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, steuert gelegentlich eine Oberstimme oder ein wenig Beatboxing bei, trickst die Gitarre auch mal zum Dudelsack-Sound um, oder verwebt sich mit Cellistin Silke Täubert zu einem Klangteppich, der in seinen Harmonien und seiner schwebenden Rhythmik geradezu soghaft wirkt. Noch prägender für den Gesamtklang ist das Cello, dem Silke Täubert warme, klare, zuweilen auch ganz ungewöhnliche, schwirrende Töne entlockt. In der von Barbara Höpler umgetexteten Version eines Songs der belgischen Sängerin Selah Sue zeigt Täubert, wie reduziert große Effekte erzielt werden können: Ein gestrichener Ton, ein fester Schlag mit dem Bogen, in ständiger, minimalistischer Wiederholung – und die Grundlage für ein eindringliches Chanson über die Lebenslüge eines solitären Erfolgsmenschen ist geschaffen.

Barbara Höpler singt mit Hingabe, mit warmem Timbre und zuweilen alpenländischem Jodel-Wechsel zwischen Brust und Falsettstimme. Nichts ist Show, alles ist so gemeint, wie es gesagt und gesungen wird. Eine Rarität im Musikgeschäft, zu dem das Trio zugegebenermaßen nicht gehört. Im Gegenteil: Die "Acoustic Songs", die das Barbara Höpler-Trio darbietet, sind in der Biografie der Sängerin geerdet, was man nicht nur in den Eigenkompositionen merkt. In ihnen besingt sie unter anderem die wehmütige Zuneigung zur erwachsenen Tochter, in unnachahmlichem Wienerisch: "Schee – und a bisserl weh". Schön und ein bisschen melancholisch – das könnte auch als Überschrift über dem ganzen Konzert stehen.