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11. Juni 2013 19:04 Uhr

Übung eskaliert

Steine und Feuerwerkskörper gegen Feuerwehrleute

Unerwartete Wendung einer Feuerwehrübung in Lahr: Als die Wehrmänner am Übungsort eintreffen, werden sie von Kindern und Jugendlichen mit Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen.

  1. Realistische Übung am Abrissgebäude Lotzbeckstraße 28 mit 63 Wehrleuten. Foto: BETTINA SCHALLER

  2. Realistische Übung am Abrissgebäude Lotzbeckstraße 28 mit 63 Wehrleuten. Foto: BETTINA SCHALLER

  3. Realistische Übung am Abrissgebäude Lotzbeckstraße 28 mit 63 Wehrleuten. Foto: BETTINA SCHALLER

Der Notruf zu Übungszwecken war am Montag um 19.30 Uhr in der Rettungsleitstelle der Lahrer Feuerwehr eingegangen. Dicker Qualm kam aus dem Keller des Anwesens Lotzbeckstraße Nr. 28, das noch in dieser Woche abgerissen werden soll. Drei Löschzüge der Lahrer Feuerwehr und 63 Feuerwehrleute waren im Großeinsatz. Die Lotzbeckstraße musste abgesperrt werden. Viele Schaulustige verfolgten das Geschehen.

"Wir dachten zunächst, das sei Teil der Übung." Ralf Wieseke
Zur Verbandsübung waren neben dem ersten Löschzug der Lahrer auch die Löschzüge drei und fünf Feuerwehren Mietersheim und Sulz sowie Reichenbach und Kuhbach im Einsatz, der von Ralf Wieseke, dem Lahrer Zugführer geleitet wurde. "Sehr sachlich, und auf hohem Niveau" sei die Übung abgelaufen. Unruhe brachten allerdings jugendliche Anwohner der hinteren Häuser in das Geschehen. Ein lauter Knall, dem mehrere folgten, wirkte irritierend auf Einsatzleute und Schaulustige. "Wir dachten zunächst, das sei Teil der Übung", sagte Wiesecke. Mehrere Jugendliche zündeten nicht nur Feuerwerkskörper, sondern bewarfen damit die Feuerwehrleute. Als Wurfgeschosse dienten auch Steine. Erfahrene Wehrmänner hätten dann eingegriffen, damit das Geschehen nicht eskalierte. "Sie haben den Angriff unterbunden. Verletzt wurde niemand", so Wieseke. Beim echten Einsatz hätte die zugezogene Polizei eingegriffen.

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Angriffe sind kein Einzelfall

Bereits bei einem Einsatz vor einigen Jahren waren Feuerwehrleute angegriffen worden. Alfred König, stellvertretender Kommandant der Lahrer Wehr, berichtet von einem Einsatz im Quartier. "Bei einem Wohnungsbrand war damals unklar, ob sich noch Kinder in einem Zimmer aufhalten." Die Einsatzkräfte seien damals geschubst, angerempelt und wüst beschimpft worden. "Mich hat das als Einsatzleiter psychisch sehr belastet", sagt König. Wie Wiesecke sagt auch er: "Das ist schon eine kritische Klientel."

Die realistische Brandbekämpfung mit Atemschutzträgern am Montag bilanzierte Wiesecke als Erfolg. Mit einer großen Menge an Disco-Nebel und Propangasfeuer hatte man ein realitätsgetreues Szenario mit drei simulierten Feuerstellen, zwei im Keller und eine im zweiten Obergeschoss, erstellt. Weil es sich um ein Abrissgebäude handelte, konnte das Szenario wirklichkeitsnah gestaltet werden: Türen wurden aufgebrochen, Fenster eingeschlagen, jede Menge Wasser kam zum Einsatz. Um 21 Uhr war alles vorbei.

Wieseckes Bilanz fällt unter dem Strich positiv aus. Und der Angriff der Jugendlichen? "Die Arbeit der Feuerwehr wird von Teilen dieser Bevölkerungsgruppe einfach nicht wertgeschätzt", sagt Ralf Wiesecke nüchtern zum Abschluss.

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Autor: Bettina Schaller und Manfred Dürbeck